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Ich kaufe regional
Die Geschäftslage ist entscheidend

Senftenberg . Das Geschäft mit dem Geschäft ist im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises weniger von den Mieten für die Ladenräume abhängig als anderswo. Entscheidend ist die Lage. Von Kathleen Weser

Kurze Wege zum Parkplatz werden dabei auch beim Einkaufsbummel entscheidender für die Kunden, die immer älter und zunehmend in der körperlichen Mobilität eingeschränkt sind.

Senftenberg verfügt über eine mittlere Kaufkraft und einen regional vergleichsweise durchschnittlichen Umsatz. Die Zentralität der Stadt ist der Statistik zufolge überdurchschnittlich - es kommen also Menschen aus dem Umland, um einzukaufen. Der Facheinzelhandel im Stadtzentrum ist vielfach in eigenen Immobilien ansässig. Die Miete spielt hier nicht die tragende Rolle im Bemühen um den Erhalt einer breiten Angebotsvielfalt und damit einer lebendigen Innenstadt. Den Wagen aber bequem in unmittelbarer Nähe der Geschäfte abstellen zu können, ist kaum möglich. Baulich und funktional haben die Stadtväter den Marktplatz und die umliegenden von Läden gesäumten Straßen bewusst vorrangig zum Flanieren freigehalten. Im Schlossparkcenter am nahe gelegenen Neumarkt steht ein Parkhaus bereit. Das wird aber gerade von Menschen betagten Alters weniger angesteuert. Neue Stellflächen für Autos sind in kommunaler Regie geschaffen worden. Der Fußmarsch in die Stadtmitte bleibt - und macht jungen Familien und jung gebliebenen Menschen auch Freude.

Menschen mit eingeschränkter Mobilität finden am Rand des Senftenberger Kernstadt-Gebietes an einem großen Verbrauchermarkt mit einem Vollsortiment den Vorteil, aus dem Fahrzeug heraus praktisch direkt zum Einkauf zu kommen. Ladenketten sind hier mit ansässig. Kleinteiliger Facheinzelhandel ist nur gering ausgeprägt.

In Lauchhammer ist ein Zentrum aufgrund der Stadthistorie nicht traditionell entwickelt. Ladengeschäfte sind in der Stadtmitte nur gering ausgeprägt. Vereinzelt ist der Leerstand schon beseitigt worden, indem Wohnraum und Geschäftsräume für Dienstleister geschaffen wurden. Die klassische Einkaufsmeile fehlt der Stadt - völlig unabhängig von den Mietpreisen für die Läden. Geschäftsräume sind hier in der besten Lage günstig zu mieten. Lauchhammer ist bemüht, den Handel im Zentrum zu stärken. Als Frequenzbringer ist ein Einkaufszentrum mit einem zweiten Vollsortiment in der Stadtmitte angesiedelt worden. Ein weiterer Nahversorger soll entstehen. Dafür sollen periphere Discounter zum Aufgeben bewegt werden, ohne das Angebot an Nahversorgern in den Wohnquartieren zu schmälern. Eine Mietpreisfrage ist das nicht. Im Einkaufszentrum, das auf der grünen Wiese entstanden und etabliert ist indes, liegen die Quadratmeterpreise für wenige verfügbare Ladenflächen im Facheinzelhandel deutlich höher. Die Entscheidung der Mieter für den teueren Standort ist die für den Vorteil durch Laufkundschaft.

Gewerbemietpreisspiegel gibt es nicht in Senftenberg und Lauchhammer. Auch Hoyerswerda hat keinen. Zu den sächsischen Nachbarn aber fließt ein großer Teil der Kaufkraft aus dem Raum Senftenberg ab. Das Lausitzcenter wird hier vor allem als Ziel ausgemacht. Die Altstadt-Händler haben es in der Zuse-Stadt sehr schwer, gegen die nach der Wende außerhalb des Zentrums errichteten Neuansiedlungen beim Kunden zu punkten. Auch das ist keine Frage der Ladenmieten. In Hoyerswerda sind in relativ guter Lage Mieten von fünf bis acht Euro pro Quadratmeter erzielbar.

Die größten Kaufkraftabflüsse aus Senftenberg sind in Richtung Dresden zu verzeichnen (etwa fünf Millionen Euro). Das ist Experten zufolge mit der zentralen Handelsfunktion der Metropole nachvollziehbar. Beachtlich aber bleibt der Kaufkraftabfluss nach Hoyerswerda (vier Millionen Euro). Die Nachbarn schöpfen also kräftig in Brandenburg ab.