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| 16:18 Uhr

Gefährliche Trockenheit bedroht Existenz von Südbrandenburger Bauern
Die Ernte vertrocknet auf den Feldern

Mickrig, kleine Körner und nur kniehoch: der notreife Weizen auf einem 30 Hektar-Schlag bei Großkmehlen wird am Wochenende vom Feld geholt - so zeitig wie noch nie. Genossenschafts-Chef Walter Beckmann rechnet mit Verlusten um die 30 Prozent.
Mickrig, kleine Körner und nur kniehoch: der notreife Weizen auf einem 30 Hektar-Schlag bei Großkmehlen wird am Wochenende vom Feld geholt - so zeitig wie noch nie. Genossenschafts-Chef Walter Beckmann rechnet mit Verlusten um die 30 Prozent. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Frauendorf/Großräschen/Peickwitz. Dienstag-Regen war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wetterlage für Südbrandenburger Landwirte zunehmend existenzbedrohend. Frauendorfer Genossenschaft rechnet mit Verlusten bis zu 400 000 Euro. Von Andrea Budich

Der Dienstag-Landregen war für Mensch, Tier und Natur eine Erlösung. Die Katastrophe auf den Getreidefeldern kann er jedoch nicht mehr abwenden. „Trockene Jahre mit bescheidenen Ernten gibt es immer wieder einmal. Dafür produzieren wir unter freiem Himmel. Was wir aber derzeit erleben, ist extrem“, sagt Thomas Domin vom gleichnamigen Landwirtschaftsbetrieb in Peickwitz. Er spricht von einer absoluten Katastrophe, die sich derzeit auf den Feldern zwischen Großkmehlen und Großräschen abspielt.

Die Agrargenossenschaft Elster/Pulsnitz mit Sitz in Frauendorf ist dafür ein Beispiel. „Trocken, trockener, am trockensten“, so beschreibt Vorstand Walter Beckmann die Situation auf Feldern und Weiden, die jetzt eher Steppen gleichen. In den knochentrockenen Boden zieht der Regen vom Dienstag bestenfalls zehn bis fünfzehn Zentimeter tief ein. Die Ackerkrume ist aber mindestens einen Meter tief ausgetrocknet.

Das Sommergetreide ist nach wochenlanger Trockenheit faktisch auf dem Halm verdörrt, Stroh und Körnererträge liegen weit unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. Um noch zu retten, was zu retten ist, haben die Frauendorfer am Montag mit dem Weizendrusch begonnen - so zeitig wie noch nie. Unterm Strich erwartet Genossenschaftschef Walter Beckmann beim Getreide und Raps rund 30 Prozent Verluste gegenüber den Zielerträgen. Im Betriebsergebnis der Agrargenossenschaft werden damit zwischen 300 000 und 400 000 Euro fehlen.

Dabei sind die Frauendorfer als Milchviehbetrieb mit 1700 Rindern von Trockenheit und Dürre gleich doppelt bestraft. Der Verlust bei den Ackerfrüchten wird durch den Futterverlust auf den Weiden potenziert. Die Milchkühe mit ihren Kälbern wollen auf den insgesamt zehn Weiden zehn bis 15 Kilogramm pro Tier und Tag fressen. Die Weiden sind aber verbrannt, auf ihnen wächst kein grüner Halm mehr. Selbst bei anhaltendem Regen braucht es sechs bis acht Wochen, bis dort wieder etwas wächst. Bis dahin müssen die Kühe täglich mit Heu und Silage aus dem Wintervorrat versorgt werden. Eine solche Notlage hat Andreas Kupfer als Leiter Tierproduktion in seinen 30 Berufsjahren noch nie erlebt. Walter Beckmann verdeutlicht die Dramatik: „Wir brauchen Regen, damit noch etwas wächst. Sonst bringen wir die Rinder nicht über den Winter.“

So zeitig wie noch nie auf den Feldern sind auch die Bauern der Agrargenossenschaft Großräschen. Den Weizen haben sie am 7. Juli notgedroschen. „Wir sind knapp drei Wochen früher dran. Das gab es noch nie“, sagt Günter Krockro, seit einem Vierteljahrhundert Leiter Pflanzenproduktion. Beim Weizen rechnet er mit Ausfällen bis zu 40 Prozent. Die höchsten Verluste werden in Großräschen wahrscheinlich beim Roggen eingefahren. Der Drusch hat am Sonntag begonnen. Ertragsausfälle bis zu 50 Prozent bedeuten unterm Strich nur die halbe Ernte.

Dramatisch ist auch die Lage im Landwirtschaftsbetrieb Domin in Peickwitz. Von den erwarteten 400 Tonnen Roggen hat Thomas Domin nur 200 Tonnen vom Feld geholt. Im Betriebsergebis fehlen damit 25 000 bis 30 000 Euro. „Da bleibt nicht mehr viel übrig“, sagt Domin. Er steht seit 20 Jahren auf dem Acker. Eine so gefährliche Trockenheit hat er bisher noch nie erlebt.

Die Weide bei Lindenau gleicht einer Steppe. Die Uckermärker Fleischrinder müssen daher mit Heu und Silage versorgt werden.
Die Weide bei Lindenau gleicht einer Steppe. Die Uckermärker Fleischrinder müssen daher mit Heu und Silage versorgt werden. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche