Die Sorge vor der Vollendung des Mittelandkanals, der fast von der niederländischen Grenze bei Osnabrück über Hannover zur Elbe bei Magdeburg führt, bildete den Hauptgrund für die kühnen Pläne einer neuen Wasserstraße. Sie sollte von der Elbe bei Mühlberg bis zur Spree im Schwielochsee quer durch die Niederlausitz führen. Befürchtet wurde, dass die Kohle aus dem Ruhrgebiet über den geplanten Lückenschluss des Mittellandkanals zwischen Hannover und Magdeburg billig in die deutsche Reichshauptstadt Berlin gelangen könnte: „ sieht sich das Niederlausitzer Braunkohlengebiet durch den Mittellandkanal bedroht und fürchtet, gerade wie Oberschlesien, in seinem Hauptabsatzgebiet, in Groß-Berlin, durch die Ruhrkohle zurückgedrängt zu werden. Hier soll der Elbe-Elster-Spree-Kanal helfend eingreifen“, heißt es in der „Denkschrift über die Ausführung eines Elbe-Spree-Kanals“ aus dem Jahr 1916.

Auftrag der Handelskammer

Das 78-seitige Werk wurde im Auftrag der Handelskammer für die westliche Niederlausitz durch das Berliner Büro Havestadt & Contag erstellt. Die Handelskammer mit Sitz in Cottbus galt bereits damals als Traditionsbehörde. Ihre Gründung fiel ins Jahr 1852.

Mit den Planungen für einen Schifffahrtskanal durch die Niederlausitz war bereits im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begonnen worden. Er schien umso notwendiger, je mehr die geförderten Kohlemengen anstiegen. Besonders die Herstellung von Presskohlen, die den Transport maßgeblich erleichterten, erweiterten den Absatzraum nicht unerheblich.

Abzweig bei Mühlberg

Es war vorgesehen, dass auf dem Elbe-Spree-Kanal Lastschiffe mit einer Tragfähigkeit von 600 Tonnen fahren können. Die Transportkosten wurden pro voll beladenem Schiff mit 1,19 Mark je Tonne Transportgut kalkuliert.

Der Kanal sollte bei Mühlberg von der Elbe abzweigen. Über Elsterwerda, Mückenberg (heute Lauchhammer-West), Ruhland, Senftenberg, Petershain (heute Neupetershain) und Cottbus war die Verbindung bis nach Goyatz zum dortigen Schwielochsee geplant. Die Gesamtstrecke ist mit 131,5 Kilometern angegeben. Insgesamt elf Häfen waren vorgesehen, davon sollten in Senftenberg sogar zwei entstehen. Der westliche Hafen sollte den Transport von den Kohlengruben Elisabethglück, MarieIII, Hörlitz, Meurostolln und Marga ermöglichen.

Die Verschiffung vom Osthafen hätten die Gruben MarieI, Matador und Friedrich Ernst in Anspruch nehmen können.

Bislang war die Braunkohle hauptsächlich über die Eisenbahnschienen transportiert worden. Mit dem geplanten Kanal hätten größere Mengen des Bodenschatzes kostengünstig über Elster und Spree nach Berlin sowie über die Elbe nach Hamburg transportiert werden können. Allein nach Berlin sollten pro Jahr rund 2,02Millionen Tonne Kohle aus der Lausitz verschifft werden. Darüber hinaus wäre auch der Wassertransport von Eisen, Stahl, Düngemitteln, Holz, Kalk und Zement, Glas und nicht zuletzt landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Getreide möglich gewesen.

55 Millionen Euro

Die gesamten Baukosten für den Elbe-Spree-Kanal werden in der Denkschrift mit ungefähr 55 Millionen Mark angegeben. Pro Kanalkilometer wäre demnach eine Summe von 418300 Mark angefallen. Warum die Schifffahrtsverbindung letztendlich nicht gebaut wurde, ist unklar.

Als mögliche Ursachen sind der für das Deutsche Kaiserreich verlorene Erste Weltkrieg und die sich daran anschließende Inflationszeit zu vermuten. Vielleicht werden die fertigen Planungen für die Wasserstraße eines Tages wieder aus der Schublade geholt und zumindest partiell in die Realität umgesetzt. trt1