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Die Dörfer nehmen weiter Fahrt auf

In Dörrwalde gewinnt die Jury einen Eindruck davon, wie schwer und schön es ist, sich für das Dorf abzustrampeln.
In Dörrwalde gewinnt die Jury einen Eindruck davon, wie schwer und schön es ist, sich für das Dorf abzustrampeln. FOTO: Steffen Rasche/str1
Dörrwalde/Schwarzbach. Die Bürger des Dorfes haben vorgelegt und ihren schönen Ort vereint herausgeputzt für die Bewertungsjury des Kreiswettbewerbes "Unser Dorf hat Zukunft". Kathleen Weser und Jan Augustin

Ortsvorsteher Jörg Bergner erklärt am sonnigen Dienstagmorgen vor dem Wahrzeichen, der Dörrwalder Mühle, dass sich die Jurymitglieder hier abstrampeln dürfen. Ans Steuer der Tretmobile trauen sich Jürgen Jentsch, der Artenschutzbeauftragte der Naturschutzbehörde des Landkreises, und Bürgermeister Thomas Zenker (SPD). Und los geht die Tour, die Jörg Bergner auf dem Drahtesel gern anführt. Kräftig tritt er in die Pedale, um den Gutachtern aus allen für den ländlichen Raum zuständigen Fachbereichen des Kreises, das Dorf zu präsentieren. Der Zeitplan ist eng und das Besichtigungsprogramm stramm bis in die Waden.

Vor drei Jahren war der Ort als Kreissieger in Ziel gekommen. "Den Titel zu verteidigen, ist nur ein Grund für die erneute Bewerbung", erklärt der Ortsvorsteher. "Wir wollen zeigen, wie wir uns in den drei Jahren weiterentwickelt haben", ergänzt Jörg Bergner sichtlich stolz. Müllergeselle André Frank empfängt die Jury. Und "Das Wunder von Dörrwalde", das zum Auftakt erzählt wird, ist praktisch so hausgemacht wie die regionale Küche in der Mühle. Das Dorf, das eigentlich dem Kohlebergbau geopfert werden sollte und zur Wende schon fast verwaist war, ist lebendig und schön. Dank der Menschen, die es hierher zurück und neu in das Dorf gezogen hat. Alte Gehöfte sind saniert, neue Häuser gebaut. Eine große mähbare Landschaftsmulde am Ortsrand fasst bei Starkregen das Wasser. Die Gehöfte bleiben endlich trocken. Und die Bürger erklären per Film die Vorzüge von Dörrwalde und bescheinigen ihrem Dorf eine hohe Lebensqualität - vom Handwerker bis zu jungen Eltern, die gern hier leben und dafür zum Broterwerb lieber täglich nach Dresden pendeln.

Am Nachmittag hat es die Jury dann bequemer. Von einer Kutsche aus kann die Bewertungs-Kommission sich von den Vorzügen von Biehlen und Schwarzbach überzeugen. Die Gemeinde mit den beiden Nachbardörfern und rund 730 Einwohnern ist mit Bolsch witz im Norden des Kreises Teilnahme-Spitzenreiter im Wettbewerb.

In Schwarzbach reichen fesche Mädels in festlichen Trachten frisches Brot zur Begrüßung - als Stärkung vor dem zweistündigen Ritt durch das Dorf und viel Natur.

Ungewöhnlich ist die erste Station: der Friedhof in Biehlen. Viel Geld ist hier vor zwei Jahren in die Hand genommen worden. Rund eine halbe Million Euro hat das Amt Ruhland investiert, um die beiden Ruhestätten in Biehlen und Schwarzbach wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bringen, erzählt Sylke Balzer, die den Amtsdirektor Roland Adler am Dienstag vertritt. Die Nachfrage nach Ruhestätten steigt, sogar von außerhalb, sagt sie. Eine "Spur der Steine" oder den "Weg der Erinnerung" will Bürgermeisterin Gabriele Theiss schaffen. Alte Grabsteine, die einst auf dem Friedhof standen, heute aber verborgen in Scheunen oder bei Steinmetzen herumliegen, sollen wieder zurück an den Ort ihrer Bestimmung. Die Idee, das Gelände damit noch schöner zu machen, stammt von Malermeister Wolfgang Haschenz. Im Galopp geht's weiter. Vorbei am einzigen und voll vermieteten Neubaublock und am Sportplatz. "Hier wird der Maibaum noch mit Manneskraft aufgestellt", betont Gabi Theiss stolz. Das Fuhrwerk nimmt Fahrt auf und rollt mit doppelter Pferdestärke durch einen entstehenden Mischwald mit einem aufwändig wieder gefülltem Teich. Schwarzbach wird immer beliebter, gerade bei jungen Familien. Bauland ist begehrt, aber knapp. "Wir entwickeln uns zum Speckgürtel von Dresden", erläutert Gabi Theiss selbstbewusst.

Zum Thema:
Um den Titel im Kreiswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" sind in Oberspreewald-Lausitz in der nunmehr zehnten Auflage neun Bewerber-Dörfer am Start. Das sind deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Bis zu 15 Gemeinden und ländliche Ortsteile haben bisher teilgenommen. Schwarzbach und Bolschwitz haben die größte Ausdauer und sind 2017 bereits zum 9. Mal am Start. Nur ein Dorf kann die Fahrkarte auf die Landesebene lösen. Mit dem Dorfwettbewerb ehrt das Bundesministerium für Landwirtschaft alle drei Jahre bürgerliches Engagement für eine lebenswerte Zukunft auf dem Land.