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Die deutsche Sprache öffnet Türen

Lehrerin Katalin Kardalus kann sich über eifrige, interessierte und stets pünktliche Schüler im ersten Deutschkurs bei der Wequa in Lauchhammer freuen.
Lehrerin Katalin Kardalus kann sich über eifrige, interessierte und stets pünktliche Schüler im ersten Deutschkurs bei der Wequa in Lauchhammer freuen. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Senftenberg. Ein halbes Jahr ist vergangen, ehe die Wequa in Lauchhammer einen Deutschkurs für Flüchtlinge und Asylbewerber anbieten konnte – und noch immer dürfen nicht alle, die es gern wollen, die Sprache des Landes, in dem sie Schutz gesucht haben, lernen, um sich im Alltag besser zurechtfinden zu können. Heidrun Seidel

"Ich bin gestern in die Schule gegangen." "Ich glaube, das stimmt nicht." Gestern war Sonntag. Schallendes Gelächter. Der kleine Raum im Wequa-Hotel in Lauchhammer unmittelbar neben der im September 2014 eröffneten Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge bebt. Die 20 jungen Leute, die dicht beieinandersitzen, haben spürbar Spaß am Spiel. Das Spiel ist eine Sprachübung, mit der Katalin Kardalus den fünfstündigen Deutschkurs immer wieder auflockert. Die junge Frau unterrichtet seit Anfang März im ersten Deutschkurs, den die Wequa für Asylbewerber und Flüchtlinge anbietet. Ihre Schützlinge sind zwischen 20 und 42 Jahre alt. Sie kommen aus Syrien, Tschad, Eritrea, Serbien und Tschetschenien. Eifrig melden sie sich, versuchen, die für sie ungewöhnlichen Laute zum Wort zu formen, hören hoch konzentriert zu und schauen der Lehrerin auf den Mund. Sie fragen nach, helfen sich gegenseitig. Es ist ein buntes Gemurmel, das alle immer wieder herausfordert.

Denn "Deutsch als Fremdsprache" wird gelehrt. Das heißt, die Teilnehmer haben unterschiedliche Muttersprachen, und so gibt es keine gemeinsame Sprachbasis wie im Fremdsprachenunterricht in der Schule. Da spielen Abbildungen, Zeichen, Verhalten eine große Rolle bei der Sprachvermittlung. Die Lehrbücher helfen dabei. Katalin Kardalus, selbst Ungarin mit dem Deutschstudium in der Tasche, brauchte wie alle, die Deutschkurse für Ausländer anbieten, eine besondere Zulassung vom Bundesamt für Migration. "Es war sehr schwer, Lehrer zu finden", berichtet Tino Winkelmann, der sich bei der Wequa der Migration widmet. Doch das war nicht die einzige Hürde, die zu nehmen war, ehe am 4. März der erste Kurs starten konnte. Zuerst hatte sich die Gesellschaft im vorigen Jahr selbst für die Zulassung als Träger von Bildungsaufgaben für Migranten zertifizieren lassen müssen.

Zwar war der drohende Fachkräftemangel ihr Ausgangspunkt, die berufliche Integration von Migranten zu thematisieren, doch dann zeigten sich mit dem Aufbau der Gemeinschaftsunterkunft in Lauchhammer weitere Arbeitsfelder. "Den Asylbewerbern und Flüchtlingen kann es gar nicht schnell genug gehen, mit dem Deutschlernen zu beginnen", hat Winkelmann festgestellt. Sie wissen sehr wohl, dass Kenntnisse in der deutschen Sprache Türen öffnen können. Und nur so können sie es auch lernen, ihr tägliches Leben zu meistern. "Aber nicht jeder, der möchte, darf Deutsch lernen." Vonseiten des Bundes gebe es für Asylbewerber nicht das festgeschriebene Recht, Deutsch zu lernen. Brandenburg ermöglicht das zwar, doch die zur Verfügung stehenden Mittel reichen längst nicht. Und Asylbewerber dürfen nur dann mit dem Kurs beginnen, wenn ihr Aufenthaltsstatus über mehrere Monate feststeht. Dabei würde jedes gelernte Wort der Verständigung dienen - und außerdem Beschäftigung im oft tristen Heim-Alltag bieten.