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| 03:00 Uhr

Die Bahn knöpft sich Ruhland vor

Ruhland. Der Bahnhof Ruhland dümpelt vor sich hin. Das einst bedeutende Drehkreuz im Personen- und Güterverkehr ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Allen voran das zugenagelte Bahnhofsgebäude. Die regionale Wirtschaft drängt auf einen Ausbau. Die Deutsche Bahn AG will zwischen 2015 und 2019 Geld in die Hand nehmen. Manfred Feller

Auf dem BASF-Gelände in der Nachbarstadt Schwarzheide geht die Post ab. Schon heute werden auf dem Kombiverkehrsterminal der Firma STR jährlich 60 000 Transporte umgeschlagen. Das heißt, es werden Container vom Lkw auf Waggons und umgekehrt verladen. Diese Menge soll sich durch weitere Investitionen verdoppelt. "Dem Ausbau des Bahnhofes Ruhland kommt dabei eine besondere Bedeutung zu", sagt BASF-Geschäftsführer Dr. Karl Heinz Tebel.

Wichtig für die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit mit anderen BASF-Standorten in Europa ist nach Auskunft von BASF-Pressesprecher Arne Petersen, dass Ganzzüge von mehr als 600 Metern Länge problemlos in einem Arbeitsgang zusammengestellt werden können. Unter den jetzigen Gleisbedingungen zwischen dem Chemiestandort und dem Bahnhof Ruhland sei das unmöglich. Gespräche mit der Bahn AG laufen.

Von dem Ausbau des Bahnhofes würde auch Scholz-Recycling in Lauchhammer-Ost profitieren, antwortet das Bahnunternehmen. Gisbert Gahler vom Bahn-Regionalbüro Kommunikation in Berlin wird konkreter: "Mit dem Umbau im Rahmen des Projekts ,Elektronisches Stellwerk' im Zeitraum 2015 bis 2019 werden die Voraussetzungen zur Sicherstellung der vom kombinierten Ladungsverkehr gewünschten Zuglängen von 640 Metern geschaffen. Hierzu wird unter anderem das im Jahr 2006 stillgelegte Gleis 1 wieder errichtet. Es wurde und wird seit fast 50 Jahren nicht mehr für den Personenverkehr genutzt." Diesem würden die vier Bahnsteige reichen. Sie werden, wie der Zugang und der Personentunnel, ebenfalls erneuert.

Ruhlands Amtsdirektor Roland Adler springt nach unzähligen Bahngesprächen über fast zwei Jahrzehnte mit immer wiederkehrenden und neuen Problemen vor Euphorie nicht gerade aus dem Sessel. Er will Taten sehen.

Das Bahnhofsgebäude. Auch der Ruhlander Bürgermeister Eberhard Krause bleibt skeptisch: "Die Bahn war hier bisher nicht in der Lage, mit ihrem Eigentum zu wirtschaften. Bis heute ist nichts passiert." Sein Blick fällt dabei vor allem auf das Bahnhofsgebäude. "Dieser Zustand ist eine Katastrophe", schimpft er nach den Gesprächen ohne praktisch sichtbare Ergebnisse.

Das Gebäude hatte die Bahn im Juli 2010 ausgeschrieben und auch Ruhland in der Hoffnung eine Offerte unterbreitet, dass die Kleinstadt zuschlägt. "Wir haben kein Interesse", winkt Roland Adler ab. Das Schnäppchen soll 15 000 Euro kosten. Doch der Rattenschwanz mit Sanierung, Denkmalschutz und Vermarktung ohne sichtbare Interessen würde ein Vielfaches kosten.

Nach Auskunft von Bürgermeister Krause nutzen heute noch etwa 1000 Reisende täglich den trostlosen Bahnhof, der nicht mal mehr eine Toilette bietet.

Die Bahnhofszufahrt. Wer zum Bahnhof möchte, der fährt über eine Art befestigten Rübenacker. Daran wird sich laut Bahn zunächst nichts ändern. Die Kommune soll die Straße übernehmen. "Das Angebot ist aber jenseits von Gut und Böse", kommentiert der Amtsdirektor die Schenkungsabsicht. Baulich hergerichtet stehe dem Eigentümerwechsel nichts im Wege.

Der Busbahnhof. Ruhland will den Busbahnhof verkleinern, modernisieren und näher an den Bahnhof "rücken". Die Bahn bietet Flächen zum Kauf. Ruhland prüft gegenwärtig die Offerte.

Zum Thema:
Zur unendlichen Geschichte in Ruhland sind zwei Eisenbahnbrücken mit einer zu geringen Durchfahrtshöhe geworden. Regelmäßig bleiben dort Lastwagen stecken. Amtsdirektor Roland Adler beschäftigt sich seit seinem Amtsantritt 1993 damit. Jetzt gibt es die Aussage der Bahn AG, die Straße unter den Brücken abzusenken. Dies soll ebenfalls nach 2015 geschehen. Die Kosten teilen sich die Deutsche Bahn AG, der Landesbetrieb Straßenwesen und die Kommune.