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Die Alltagsprobleme sind geblieben

Carola Wolschke (l.), Gleichstellungsbeauftragte Im OSL-Landkreis, im Gespräch mit Frauen der Eröffnungsveranstaltung.
Carola Wolschke (l.), Gleichstellungsbeauftragte Im OSL-Landkreis, im Gespräch mit Frauen der Eröffnungsveranstaltung. FOTO: Steffen Rasche/str1
Klettwitz. Bereits zum 24. Mal begeht Brandenburg die Frauenwoche. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz ist sie offiziell mit einer Festveranstaltung am Sonnabend im Kulturhaus Klettwitz eröffnet worden. Renate Gottwald / rgo1

"Das war Klasse!" war nicht nur einmal zu hören, als die reichlich 200 Gäste am Samstagabend das Kulturhaus in Klettwitz frohgestimmt verließen. Und wirklich hatte in den letzten neunzig Minuten des abwechslungsreichen Programms eine Lachsalve die andere abgelöst, als die sehr wandlungsfähigen Kabarettisten Eva-Maria Fastenau und Thomas Puppe mit den besten Szenen aus 13 Jahren in so manches "Fettnäpfchen" des Alltags traten.

Eine frohe Stimmung war auch schon vor Beginn der Veranstaltung zu spüren: Da wurde gleich bei einem Glas Sekt so manche ehemalige Kollegin begrüßt, eine ehemalige Sportfreundin oder eine Lehrerin wiedererkannt. Schließlich gehört die Brandenburgische Frauenwoche, vor 24 Jahren von der damaligen Sozialministerin Regine Hildebrandt begründet, in den Märzkalender mancher Frau. Die über 80-jährige Käthe Miersch aus Klettwitz hat wohl an allen Eröffnungen teilgenommen und freut sich, dass schon zum vierten Mal ihr Wohnort der Treffpunkt ist. "Manches hat sich verändert, das Programm verjüngt, aber viele Probleme sind geblieben", stellt sie fest.

Auf die Probleme war auch Landrat Siegurd Heinze in seinen Begrüßungsworten eingegangen. Er konnte zwar positive Beispiele aus der Kreisverwaltung nennen und rief auf - entsprechend dem diesjährigen Motto "Gemeinsam - Lebendig- Widerständig"- Ein-fluss zu nehmen darauf, dass die gesetzlich geregelte Gleichstellung auch überall Realität wird.

Alle wissen aber, dass noch immer Frauen weniger Lohn bekommen, im Arbeitsleben benachteiligt und doppelt belastet sind durch ihren Beruf und Familie, dass überwiegend die Frauen der häuslichen Gewalt und dem Alltagssexismus ausgesetzt sind.

Nicht nur Carola Wolschke, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und engagierte Organisatorin, war deshalb besonders gespannt auf die Ausführungen von Georg Teichert von der Universität Leipzig, einem der wenigen männlichen Gleichstellungsbeauftragten. Anhand eines Rückblicks auf die Geschichte der Frauenbewegung von ihren Anfängen um 1800 verdeutlichte er sehr lebendig, aber aufgrund der Kürze der Zeit doch auch nur bruchstückhaft, wie mühselig, widersprüchlich und langwierig und immer wieder von Rückschlägen unterbrochen der Kampf um die Rechte der Frau war.

Als solchen Rückschlag empfanden viele der Frauen, die im Saal saßen, wohl auch die Situation nach der Wende. So manche, plötzlich arbeitslos geworden, fühlte sich als Verliererin. Die Frauenbewegungen in Ost und West waren ungleiche Schwestern. Und manches hatten die Frauen wohl in der DDR anders erlebt als der 27-jährige Redner es sich aus der Literatur erlesen hatte. Aber sein Appell, dass nur - wiederum Bezug nehmend auf das Motto - gemeinsam Veränderungen erreicht werden können, fand natürlich ihre Zustimmung.

Zustimmung fanden auch die kulturellen Höhepunkte. Begeisterung war zu spüren bei der Tanzeinlage des Kulturregenvereins aus Wormlage und Bewunderung für Levin Weber-Karpinski für seine berührenden Darbietungen am Klavier. Für diese schöne, einfühlsame Stimme hatte sich manch eine Zuhörerin einen deutschen Texte gewünscht.

Zu danken hatte Carola Wolschke am Ende im Namen aller nicht nur diesen Mitgestaltern, sondern auch den vielen Ehrenamtlichen vom Landhof Drochow und vom Mehrgenerationenhaus für die kulinarische Versorgung.

"Mir hat es gut gefallen", fasst Herta Barthel von der dfb-Gruppe Senftenberg, zum ersten Mal dabei, ihr Urteil zusammen. Viele haben jetzt Lust auf die Teilnahme an weiteren Veranstaltungen bekommen.