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| 17:09 Uhr

Gefahr am Senftenberger See
Abgerutschte Insel ein hausgemachtes Problem

Luftaufnahme nach dem Abrutschen eines kleinen Teils der gewaltigen Insel des Senftenberger Sees vor knapp einem Montat. Die Baumspitzen ragen jetzt noch aus dem Wasser der Niemtscher Bucht. Der See und dessen Ufer sind voll gesperrt.
Luftaufnahme nach dem Abrutschen eines kleinen Teils der gewaltigen Insel des Senftenberger Sees vor knapp einem Montat. Die Baumspitzen ragen jetzt noch aus dem Wasser der Niemtscher Bucht. Der See und dessen Ufer sind voll gesperrt. FOTO: Jens Berger
Senftenberg. Der Senftenberger Wasserwirtschaftler Reinhard Heepe kritisiert die mangelhafte Bewirtschaftung der Lausitzer Tagebaurestseen und der Schwarzen Elster. Denn vom Wasserregime, das länderübergreifend geführt werden muss, hängt auch die Stabilität der ungesicherten Innenkippe des Senftenberger Sees ab. Von Kathleen Weser

Die Rutschung an der Insel des Senftenberger Sees erhitzt die Gemüter. Gemessen an der Größe der unsanierten Tagenbaukippe ist die im Wasser versunkene Fläche zwar klein. Aber es besteht trotzdem Lebensgefahr. Wasserfläche und Ufer sind gesperrt.

An der Ursache der lokalen Rutschung hat Reinhard Heepe, Wasserwirtschaftler im Unruhestand aus Senftenberg, keinen Zweifel. Der Wasserspiegel sei zu tief abgesenkt worden. Und deshalb hatte eine Rotte Wildschweine am Rande der gewaltigen Insel vor knapp einem Monat einen Teil der Innenkippe des Tagebaus Niemtsch, die vor 60 Jahren komplett unsaniert beiben musste, überhaupt erst in Bewegung bringen können.

Der Senftenberger See wird als Speicher des Landes Brandenburg genutzt, um Hochwässer aufzunehmen und bei Niedrigwasser den Flusslauf der Schwarzen Elster zu stabilisieren. Letzteres ist in diesem ausgesprochen trockenen und niederschlagsarmen Sommer über einen langen Zeitraum erforderlich gewesen. Nachdem der Speicher bisher über Jahrzehnte offensichtlich so angestaut werden konnte und entlastet wurde, dass die Stabilität der Insel gesichert war, hat in diesem Jahr das Wasser nicht gereicht. So niedrig war der Wasserspiegel im See zuvor über viele Wochen noch nie. Die Rutschung gilt mit großer Sicherheit als eine Folge dessen – die aber hätte längst ausgeschlossen werden können.

Denn die Lösung für wasserwirtschaftliche Probleme in der Bergbaufolgelandschaft des ausgekohlten Senftenberger Reviers und die Effekte für die Schwarze Elster – und vor allem deren Anrainer – predigt der Wasserwirtschaftler Reinhard Heepe seit vielen Jahren. „Seit Jahrzehnten ist bekannt und durch den Bergbau auch so vorbereitet worden, dass die Tagebaurestlöcher der Lausitzer Seenkette in Sachsen und Brandenburg zur Speicherung von Elsterwasser zu nutzen sind“, sagt Heepe. Dies gelte für das Rückhalten von Hochwässern und auch für die Abgabe gespeicherten Wassers in Trockenzeiten. Vor mehr als 60 Jahren ist das bereits der Plan gewesen.

Der zuständigen Wasserbehörde, so Heepes Kritik, sei dies wohl offenbar nicht mehr bekannt gewesen. Erst nach dem verheerenden Hochwasser im September 2010 ist das Erwachen in den Amtsstuben erfolgt. Eine Potenzialstudie wurde beauftragt, um zu prüfen, ob die wasserwirtschaftliche Nutzung der Tagebaurestseen möglich ist. „Jetzt, im neunten Jahr nach diesem Hochwasser und der fünften Studie in Bearbeitung, bleibt zu hoffen, dass die Seen in vier bis fünf Jahren dafür nutzbar sind“, stellt Reinhard Heepe fest. Nur wenige Tage nach dem glimpflich abgegangenen Insel-Abbruch im Senftenberger See habe der Umweltminister zur Bürgermeisterkonferenz in der Region erklärt, die Seenkette werde für den Hochwasserrückhalt genutzt. Das verspricht, zumindest bis Plessa (Elbe-Elster) gefährliche Hochwässer an der Schwarzen Elster auszuschließen und die Fließmenge auch zum besseren Schutz der nachfolgenden Anrainer zu verringern.

Wie der Mindestwasserstand in der Schwarzen Elster in der Zukunft gesichert werden soll, dazu fehlen dem Wasserwirtschaftler allerdings klare Aussagen. Für das Ausleiten von Wasser aus dem Geierswalder in den Senftenberger See war vor 50 Jahren zwar bereits ein Verbinder angelegt worden. „Ich habe immer wieder darauf verwiesen, diesen Verbinder in das Bewirtschaftungssystem einzubeziehen. Aber niemals hat es eine Reaktion der Wasserbehörde darauf gegeben“, beklagt Heepe. Hierzu und für die gesamte Bewirtschaftung des Elster-/Spreegebietes muss es zwischen Sachsen und Brandenburg eine eigenständische Struktureinheit geben Arbeitsgruppen werkelten immer noch, obwohl die Europäische Wasserrahmenrichtlinie schon lange verlangt, dass „Gewässer nach den Einzugsgebieten einheitlich zu bearbeiten sind“. Derzeit wird dem Senftenberger See, dessen Wasserspiegel für die Standsicherheit der Insel etwa 40 Zentimeter angehoben werden muss, Wasser aus den Nachbarseen zugeführt. Das hat das Landesbergamt verlangt, das für die geschüttete Insel im Senftenberger See nach wie vor zuständig ist. Das aber muss generell und dauerhaft zur Bewirtschaftung der Lausitzer Gewässer gehören, fordert Reinhard Heepe. „Ressortdenken, gefesselt an Ländergrenzen, ist hier fehl am Platze“, betont er.