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| 16:57 Uhr

Dicke Luft im SeeCampus in Schwarzheide

Das Passivschulhaus SeeCampus Niederlausitz in Schwarzheide ist an heißen Tagen so überhitzt und schlecht belüftet, dass Schüler über Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme klagen.
Das Passivschulhaus SeeCampus Niederlausitz in Schwarzheide ist an heißen Tagen so überhitzt und schlecht belüftet, dass Schüler über Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme klagen. FOTO: rasche, tmn/DAK
Schwarzheide. Schüler und Lehrer grault es vor jedem Schultag im SeeCampus Schwarzheide. Denn versagt bei einer Person im Raum das Deodorant, liegt die halbe Klasse im Koma. Die Belüftung im Vorzeige-Passivschulhaus ist eine Katastrophe. Frischluftmangel herrscht extrem an heißen Tagen. Aus Sorge um die Gesundheit ihrer Kinder, die über Kopfschmerzen und Müdigkeit klagen, erwägen Eltern, den Schulbetrieb im Gebäude auf dem Rechtsweg zu stoppen. Von Kathleen Weser

Das Schulhaus SeeCampus Niederlausitz ist an Sommertagen völlig überhitzt und auch sonst schlecht belüftet. Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme bei Schülern und Lehrern sind die Folge. Der Krankenstand steigt. Das bestätigt Schülersprecher Martin Höntsch, der bereits viele Beschwerden an die Schulleitungen, den Betreiber und den Hausherr Oberspreewald-Lausitz übermittelt hat - bisher ohne spürbare Wirkung.

Andrea Eisenblätter, Berufsschülerin des Oberstufenzentrums Lausitz (OSZ), sagt: "Die Probleme werden heruntergespielt und ignoriert. Die Luft ist trocken. Wegen des Sauerstoffmangels haben viele Schüler ständig Kopfschmerzen. Die Konzentration ist hin. Wie soll man da einen ordentlichen Abschluss machen?"

Auch Frank Klonowska aus Lauchhammer, Vater einer Schülerin des Emil-Fischer-Gymnasiums, ist ratlos und verärgert. "Bei unserer Tochter treten immer häufiger Migräneerscheinungen auf, und das mit elf Jahren und erst einigen Schulwochen in dem Gebäude", berichtet er. Der besorgte Vater hat sich gerade an Tagen mit hohen Außentemperaturen gezielt im Schulhaus aufgehalten. "Es ist stickig warm, die Luft reicht kaum zum Atmen. Nach drei Minuten war ich bereits durchgeschwitzt", sagt er. Es sei unverständlich, dass das technische Konzept für das Lüftungssystem im SeeCampus überhaupt genehmigt wurde. Bauherr und Baubehörde ist der Landkreis.

"Alle derzeit auf dem Stand der Technik vorhandenen technischen Möglichkeiten sind beim Bau des 23 Millionen Euro teuren Gebäudes SeeCampus ausgeschöpft worden", verteidigt Projektleiterin Christine Paulan den Kreis. Das komplexe und von vielen Faktoren abhängige System sei sehr wohl sorgfältig und vorausschauend geplant, in einer solch großen Schule mit unterschiedlichen Bedarfen der Nutzer aber deutschlandweit zuvor noch nicht in Betrieb genommen worden. Die Einregelung der Anlagen sei eine große Herausforderung. An einem besseren Raumklima werde ständig gearbeitet.

Hintergrund:
Der SeeCampus Niederlausitz ist die erste vollständige Passivhausschule Deutschlands.

Mit sehr guter Luftdichtheit und ausgezeichneter Wärmedämmung soll ein minimaler Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunde pro Quadratmeter Nutzfläche im Jahr erreicht werden.

Im Winter wird nur die Zuluft nachgeheizt, im Sommer sollen die Nachtauskühlung und ein umfangreicher Sonnenschutz für kühle Innenwandtemperaturen und damit ein angenehmes Klima sorgen. Passivhäuser haben keine Klimaanlage.