| 02:44 Uhr

Deutlich weniger Straftaten und sinkende Jugendkriminalität

Senftenberg. Kreispräventionsrat zieht in Senftenberg von Erfolg gekennzeichnete Bilanz, will seine Netzarbeit aber auf mehreren Ebenen weiter intensivieren.

(red/br) Der Leiter der Polizeiinspektion Oberspreewald-Lausitz, Rüdiger Schiesko, hat in der ersten Sitzung des Kreispräventionsrates in diesem Jahr die polizeiliche Kriminalstatistik des vorigen Jahres vorgestellt. Er berichtete von einem beachtlichen Rückgang der Kriminalfälle um mehr als 3000 in den zurückliegenden zwei Jahren, teilt Kreissprecherin Marlen Weser mit. Grund sei die Arbeit einer zu diesem Zweck gegründeten Einsatz- und Ermittlungsgruppe. Dadurch habe sich die Lage im gesamten Kreis spürbar beruhigt.

Jugendkriminalität mache derzeit einen geringen Teil der Straftaten aus. Hinsichtlich der Prävention liegen die Arbeitsschwerpunkte der Polizei, so Schiesko, im Bereich der Sucht- und Beschaffungskriminalität sowie der Internetkriminalität.

Die Direktorin des Amtsgerichtes Senftenberg, Marion Müller, bestätigte die Aussagen zum Kriminalitätsrückgang. Arbeitsschwerpunkt am Amtsgericht seien derzeit Bußgeldverfahren. Schwerpunkte hinsichtlich präventiver Maßnahmen sieht Müller in der Integration wie auch das Thema Reichsbürger. Jugendschutzverfahren seien hingegen ein dringendes Thema, das das Amtsgericht beschäftige. Kinder und Jugendliche sind die Opfer von Gewalt- und Sexualdelikten, Erwachsene die Täter.

Auch für die Leiterin des Jugendamtes, Manina Miltz, ist Kinderschutz Schwerpunkt. Die Zahl der Kinderschutzmeldungen sei stetig gestiegen. 2011 waren es 88 Anzeigen, 306 im vorigen Jahr. Die Jugendamtsleiterin führt dies vor allem auf das 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz und die damit einhergehende erhöhte Sensibilität der Bürger für eine Kindeswohlgefährdung zurück. Inobhutnahmen durch das Jugendamt wegen Eltern mit Drogenhintergrund nähmen zu. Rund 30 Prozent der Fälle hängen mit Sucht, unter anderem dem Konsum von Crystal Meth zusammen. Mitarbeiter des Jugendamtes und externer Träger wurden zu diesem Thema fortgebildet, heißt es weiter. Die Kooperation mit Suchthilfe, Polizei und Klinikum Niederlausitz wurde intensiviert. Das Jugendamt ist in Netzwerke zur Suchtprävention in Lauchhammer und Senftenberg eingebunden.

Wie die Vertreterin des Klinikums Niederlausitz, die leitende Oberärztin Dr. Larissa de la Fontaine, betonte, sei Crystal Meth nicht mit anderen Drogen gleichzusetzen. Sie machte in Bezug auf Crystal-Meth-Konsum im Zusammenhang mit Gewaltkriminalität auf die dringend notwendige Klärung vorläufigen Maßregelvollzugs aufmerksam. Eine verstärkte Kommunikation sei dahin gehend notwendig, jedoch nicht ausreichend. Dazu bekundeten die Vertreter von Klinikum, Polizeiinspektion und Staatsanwaltschaft Einigkeit. Der Gesetzgeber sei gefragt, machte die Kreistagsvorsitzende Martina Gregor-Ness deutlich. Für Dr. de la Fontaine ist vor allem die möglichst frühe Primärprävention Schwerpunkt der Prävention. Dafür wies sie auf die Bedeutung der Arbeit von Netzwerken wie "Gesunde Kinder" oder "Klasse 2000" insbesondere für Kinder im Alter zwischen null bis zehn Jahren hin. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Klaus Bethke, bekräftigte die Wichtigkeit frühzeitiger Prävention. Ferner berichtete er von einem zu verzeichnenden Anstieg nichtstofflicher Süchte in der Beratungspraxis des Gesundheitsamtes.

Ebenso wie der Landkreis OSL unterstützt Senftenberg aktiv Präventionsprogramme wie "Papilio" sowie das vom Landkreis initiierte Programm "Klasse 2000". Derzeit finde eine Plakat- und Graffiti-Aktion mit Schülern statt, teilte der Leiter des Ordnungsamtes Senftenberg, André Nickel, mit. Präventionsschwerpunkte sieht er für Senftenberg hinsichtlich von Einbrüchen, Diebstählen, Suchtverhalten und Integration. Einbruchs- und insbesondere Viehdiebstähle seien derzeit auch für Lübbenau Schwerpunktthema der Präventionsarbeit, ergänzte dessen Fachbereichsleiter für zentrale Steuerung, Rainer Schamberg.

Die Kreispräventionsrat beschloss, die Netzwerkarbeit weiter zu intensivieren, um unter anderem Präventionen noch besser zu koordinieren und lokale Präventionsarbeit zu unterstützen, heißt es abschließend.