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Design mit Funktion für das Hochhaus am See

Das Hochhaus am See ist mit der Licht-Welle in Szene gesetzt. Die Außenanlagen werden in diesem Jahr gestaltet.
Das Hochhaus am See ist mit der Licht-Welle in Szene gesetzt. Die Außenanlagen werden in diesem Jahr gestaltet. FOTO: Annette Schwarz / leuchtstoff*
Senftenberg/Cottbus. Das Hochhaus am See ist eine beliebte Adresse in Senftenberg. Die Warteliste von potenziellen Mietern ist lang. Das bestätigt Matthias Braunwarth. Und der Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) Senftenberg versteht das gut. Er schwärmt selbst vom herrlichen Blick auf den See und der ruhigen Wohnlage. Der aufgepeppte Plattenbau hat aber auch einen besonderen Reiz für einen Architekten aus Cottbus. Stefan Restemeier (37) hat das Hochhaus mit der Lichtwelle in Szene gesetzt. Kathleen Weser

Die Sanierung des elfgeschossigen Mehrfamilienhauses mit Blick auf den Senftenberger See ist fast abgeschlossen. Die Außenanlagen werden noch hergestellt.

Die Cottbuser Künstlergemeinschaft "Strauss und Hillegaart" hat die Fassade des Wohnblockes, der 34 Meter hoch in den Himmel ragt und im nächsten Jahr 40 wird, entworfen. Mit einer Welle. "Das hat sich an dem Standort in der Assoziation zum See geradezu angeboten", erklärt Matthias Braunwarth, einer der beiden Geschäftsführer der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) Senftenberg.

Matthias Braunwarth hat selbst viele Jahre mit der Familie in dieser Platte gewohnt. Vom schönen Blick auf den See vom Balkon in der achten Etage schwärmt er noch immer. Aus der Gegenrichtung vom See auf die Silhouette der Stadt wünscht sich der KWG-Chef allerdings nunmehr, dass die inzwischen sehr hoch gewachsenen Bäume vor dem beleuchteten Hochhaus gestutzt werden dürften. Die Lichtinstallation käme erst dann auch vom Wasser aus erst richtig zur Geltung.

Der Cottbuser Architekt und Unternehmer Stefan Restemeier hat die moderne und Energie sparende LED-Welle umgesetzt. Das Hochhaus am See ist für die Mieter und den Großvermieter ein besonderes Gebäude. Das soll im anspruchsvollen Fassadenprogramm des kommunalen Wohnungsunternehmens, das in Senftenberg auch die treibende Kraft des Stadtumbaus ist, deutlich werden. Jedes Wohnquartier hat einen Hingucker - vom Schaltschrank im Energieviertel über das Aquarium im Wohngebiet am See und die um das Theater orientierte Gestaltung nach Bruno Taut.

Um den Abschluss der Riesenwelle am See-Hochhaus optisch hervorzuheben, hat das Lichtplanungsbüro Leuchtstoff* ein 195 Meter langes LED-Aluminium-Profil mit Plexiglasabdeckung angebaut und wetterfest vergossen. "Zwei Jahre Arbeit stecken in dem Projekt", bestätigt Stefan Restemeier. Mit dem Ergebnis, das ein Elektrofachbetrieb aus Lauta technisch maßgeblich mit umgesetzt hat, ist der Cottbuser "sehr zufrieden". Das Hochhaus sei ein echter Hingucker. Vor allem in der Fernwirkung. "Von der Bundesstraße 169 ist das ein herrlicher Anblick", stellt Stefan Restemeier in aller Bescheidenheit fest.

Stadtbilder modern und zweckmäßig ganz neu in Licht zu tauchen, ist die Passion des jungen Unternehmers. Den Bismarckturm in Burg/Spreewald hat Stefan Restemeier beleuchtet. Jeder Scheinwerfer ist einzeln steuerbar. "Das Areal ist mit minimalem Aufwand dezent und denkmalwürdig beleuchtet und so wunderbar auch für Veranstaltungen nutzbar geworden", nennt er über das ansprechende Design hinaus auch den positiven Nebeneffekt beim Namen.

In Cottbus hat der Architekt seine Handschrift ebenso längst hinterlassen. Die Fontäne auf dem Amtsteich vor dem Dieselkraftwerk ist sein Werk. Die Nachtszenerie wird damit verschönert. Praktischen und

ästhetischen Wert hat der Lichtkünstler in der Cottbuser Innenstadt geschaffen. Der Durchgang zwischen dem Platz vor dem Stadtbrunnen und dem Fußgänger-Boulevard Spremberger Straße ist in farbiges Licht getaucht. Die Installation beleuchtet in den Abendstunden den Durchgang. Dass sich der Cottbuser Architekt dabei von der DDR-Architektur der 70er Jahre inspirieren ließ, ist erkennbar.

Licht ist für Stefan Restemeier ein Werkstoff moderner Architektur und Raumgestaltung. Seine Arbeiten sind Kunstwerke und Alltagsgegenstände, Dekoration mit Funktion. Angefangen zu designen hat der Cottbuser zuerst in den eigenen vier Wänden, dann für Freunde. Aufmerksamkeit erregen die anspruchsvollen Designs bei den Lausitzer Wohnungsunternehmen. Stefan Restemeier liebäugelt jetzt ganz offen mit einem Ärgernis der Wohnungsbaugesellschaft in Lübbenau: den Pinkelecken. Die will der Großvermieter in den Wohnquartieren endlich abschaffen. Die praktische Wirkung von Licht wird für den prekären Fall bereits in Betracht gezogen.

Und Senftenberg, die Stadt am Eingangstor zur Wasserwelt des Lausitzer Seenlandes, bleibt für den Lichtkünstler auch weiter reizvoll, versichert Restemeier.

Zum Thema:
Das Hochhaus am See in der Senftenberger Fischreiherstraße ist im Jahr 1976 in Plattenbauweise (Typ P2/11) gebaut worden. Der Elfgeschosser wurde von der Kommunalen Wohnungsgesellschaft (KWG) Senftenberg seit März 2013 schrittweise umfassend saniert und modernisiert. Das Gebäude hat nun 15 Einraum-, 17 Zweiraum-, 59 Dreiraum- und 37 Vierraumwohnungen. Die Außenanlagen, eine neue Terrasse auf der Straßenseite mit einer Rampe als barrierefreien Zugang zu jedem Eingang und Fahrrad-Abstellanlagen, werden in diesem Jahr errichtet.