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Der Wind hat die Sonne überholt

Senftenberg. Der Wind hat als Stromproduzent im Gebiet des Netzbetreibers Mitnetz Strom die Sonne vom ersten Platz unter den erneuerbaren Energien geblasen. Doch insgesamt ist deren Zuwachs im Jahr 2014 geringer ausgefallen. Heidrun Seidel

"So große Projekte wie die 150-Megawatt-Fotovoltaik-Anlage bei Meuro hat es jetzt nicht mehr gegeben", sagt Matthias Plass, Leiter der Netzregion Brandenburg der Mitteldeutschen Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz Strom). Zwar hätten die großen Investoren noch Projekte in den Schubladen und auch der Platz sei vorhanden, doch habe die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2014) sie erst einmal abgehalten zu investieren. Große Anlagen seien aufgrund der geringeren Vergütung und weniger Förderungen nicht mehr so attraktiv für sie. Deshalb sei der Zuwachs an Strom aus erneuerbaren Energien im letzten Jahr auch deutlich kleiner ausgefallen als in den Jahren zuvor. Die installierte Leistung der erneuerbaren Energien beträgt im Oberspreewald-Lausitz-Kreis nach vorläufigen Angaben 643 Megawatt, darunter 358 aus Wind und 267 aus Solarenergie. Aus Biomasse kommen 18 MW, 0,6 MW aus Deponie-, Klär- und Grubengas und nur 0,01 MW aus Wasser. Insgesamt liegt Brandenburg mit 93 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien am Endverbraucherabsatz weit über dem derzeitigen Bundesdurchschnitt von 25, 8 Prozent und sogar über dem in ganz Deutschland für das Jahr 2050 angestrebten von 80 Prozent.

Netzausbau nötig

Das stellt auch hohe Anforderungen an die Stromnetze. Denn "die Energiemengen müssen dahin geschaufelt werden, wo man sie braucht", sagt Matthias Plass. Immerhin habe Mitnetz im letzten Jahr bereits 274 sogenannte "Eingriffe" vornehmen müssen. Das heißt: Wenn das Netz mit der produzierten Energiemenge überfordert ist, müssen zeitweilig Erzeugereinheiten abgeschaltet werden. Das musste 2014 deutlich häufiger geschehen als im Jahr davor.

Damit der erzeugte Strom jederzeit sicher aus der Steckdose zu Kühlschrank, Fernseher oder Computer fließen kann, wird Mitnetz Strom im Jahr 2015 in der Netzregion Brandenburg 72 Millionen Euro investieren, davon allein 14,6 Millionen Euro im Oberspreewald-Lausitz-Kreis.

Umspannwerk wird neu gebaut

Größtes Vorhaben dabei ist die Modernisierung des 110/20-Kilovolt-Umspannwerkes in Senftenberg. Die 1961 errichtete Anlage in der Spremberger Straße, die aufgrund der früheren Umweltbelastung überdacht war, hat bauliche Mängel, einen hohen Instandhaltungsaufwand und wird durch einen Neubau auf einer Fläche in unmittelbarer Nähe ersetzt werden. Die Bauarbeiten beginnen im Mai. Investiert werden etwa 3,3 Millionen Euro. Im November soll nach einem komplizierten Prozess der Umschaltung bei laufender Versorgungssicherheit das neue Umspannwerk - klassisch offen - fertig sein. Als weiteres Großprojekt mit Kosten von 680 000 Euro ist im gleichen Zeitraum die Mittelspannungsverkabelung vom Umspannwerk Ortrand bis zur Station Ruhland "Sieggraben" geplant. 9,3 Kilometer Mittelspannungskabel werden zum Teil im Pflugverfahren verlegt. Für 302 000 Euro werden zwischen Dörrwolf und Lindchen 4,1 Kilometer Mittelspannungskabel und 1,3 Kilometer Niederspannungskabel neu verlegt, von Muckwar nach Buchwäldchen 2,5 Kilometer Mittelspannungskabel. Auch in Schwarzheide werden die Bauleute im Auftrage der Mitnetz Strom unterwegs sein. Sie buddeln im Bereich der Senftenberger Straße, der Ernst-Thälmann- und der Clara-Zetkin-Straße. Für 270 000 Euro wird hier gebaut - und unter anderem werden 39 Freileitungs- durch Kabelhausanschlüsse verlegt. Ab Mai werden die Mittel- und Niederspannungskabel und die Straßenbeleuchtung in der Hermsdorfer Straße und der Theodor-Schmidt-Straße von Ruhland erneuert.

Zum Thema:
Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom mbH (Mitnetz Strom) ist eine 100-prozentige Tochter der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) und in Ostdeutschland größter regionaler Verteilnetzbetreiber (74 000 km Stromverteilnetz) in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.