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| 16:45 Uhr

Westernhof im Großräschener Ortsteil ist ein Paradies für Tiere
Der wilde Westen fängt in Barzig an

Westernhof-Chefin Ute Kroll auf der Koppel mit einem Junghengst, einem Fjordpferd und einem Shetland-Pony. Den Trubel auf ihrer Ranch zu managen, ist für sie keine Arbeit, sondern ihr Leben. Sie träumt von einem Mehrgenerationenhof, auf dem auch Menschen mit Behinderungen ein Zuhause finden können.
Westernhof-Chefin Ute Kroll auf der Koppel mit einem Junghengst, einem Fjordpferd und einem Shetland-Pony. Den Trubel auf ihrer Ranch zu managen, ist für sie keine Arbeit, sondern ihr Leben. Sie träumt von einem Mehrgenerationenhof, auf dem auch Menschen mit Behinderungen ein Zuhause finden können. FOTO: Rasche FOTOGRAFIE / Steffen Rasche
Barzig. Wer den wilden Westen sucht, muss in keinen Flieger steigen. Der wilde, wilde Westen fängt im kleinsten Ortsteil von Großräschen, in Barzig, an. Genau dort öffnet sich die Hoftür zur scheinbar heilen Welt von Westernhof-Chefin Ute Kroll.

Ute Kroll macht sich ihre Welt, wie sie ihr gefällt. Dabei ist es ihr ziemlich egal, ob sie aneckt  mit ihren zugegebenermaßen nicht immer alltagstauglichen Ideen. Die 55-Jährige ist anders. Durch und durch eine Querdenkerin, die andere begeistern, mitreißen und inspirieren kann. Erste Regel bei ihr: Jeder Gast muss Zeit mitbringen. Uhren können getrost weggepackt werden. Und Handys kassiert sie ohne Pardon ein.

Ihre  heile Welt ist 6000 Quadratmeter groß - ein grünes  Naturparadies  mitten im kleinen Barzig. Den Hof hat sie 1989 als Ruine gekauft. Von der Vision angetrieben, auf eigenen Beinen zu stehen und etwas mit Tieren und Kindern zu machen, hat die gelernte  Maschinistin  für Wärmekraftwerke Schritt für Schritt ihren Lebenstraum von einer eigenen Ranch in die Tat umgesetzt. Den Westernhof eröffnet sie  1996. Sie musste sich in all den Jahren immer  durchkämpfen  und  behaupten. Alleinerziehend mit drei Kindern und heimgesucht von  herben Rückschlägen. Erst eine Feuersbrunst in der Reithalle, dann im alten Stallgebäude. Später fegten  Stürme ihr und den Tieren beinahe das Dach überm Kopf weg. Andere hätten hingeschmissen. Ute Kroll hat nie aufgegeben und immer weitergemacht.

Ihre Westernfarm mit den rustikalen Schlafstätten ist  bei  Geschäftsleuten zu einem Geheimtipp avanciert. „Großstädter lieben es, beim Aufwecken den Hahn krähen oder die Amsel singen zu hören“, erklärt die Hofbesitzerin. „Die Natur und die Pferde locken uns immer wieder her“, bestätigt Famile Buhl, die aus der Nähe von  Hennigsdorf in den Ferien immer wieder  nach Barzig kommt.

Ute Kroll arbeitet gern mit behinderten und hyperaktiven Kindern. Der Kontakt mit den Pferden mobilisiert die Kinder“, zeigt sich die Reittherapeutin überzeugt. Sie hält Kontakt zu den Schulsozialpädagogen aus Großräschen und der Region, hat ihre Fühler aber inzwischen bis nach Berlin ausgefahren. Berliner Kinder werden regelmäßig von ihr auf dem Hof betreut. Jetzt im Sommer kommen die Reiterferienlager hinzu. Die Feriencamp-Teilnehmer lernen von Ute Kroll so gut wie alles rund ums Pferd: das Führen, Aufhalftern, Hufe auskratzen und das Einmaleins  des  Freizeitreitens im Westernstil. Ihr Credo dabei: keine Massenabfertigung. Höchstens sechs Mädchen und Jungen sind in einer Gruppe.

Der Umgang mit den Pferden ist für die Ranch-Chefin indes keine Frage des Alters. Ihr ältester Reitschüler war 60 Jahre alt. Später hat er sich sogar selbst ein Pferd gekauft.

Zum Kroll’schen Anwesen gehören neben den Pensionspferden auch zehn eigene Pferde. Die bunte Mannschaft komplett machen Haflinger, Fjordpferde, Shetland-Ponys, Indianerpferde, ein Tinker-Pferd als Wagenpferd der irischen Zigeuner und auch ein Knabstrupper, besser bekannt als Pippi-Langstrumpf-Pferd.

Rund um Barzig hat es sich längst herumgesprochen, dass sich die Hofbesitzerin mit großem Herzen um alles kümmert, was kreucht und fleucht. Und so gehören auch ein Mini-Schwein, Esel, die Reiterkatze Flecki, Hunde, Ratten, Rehe und Papageien als Gäste auf Zeit zum Hof. Wenn es um das Tierwohl geht, rotiert Ute Kroll. Es ist ihr schon gelungen, 146 Tiere in einem Jahr aufzunehmen und zu vermitteln.

Die Ideen rund um ihr grünes Western-Reich gehen Ute Kroll nicht aus. Kutschfahrten um den Großräschener See kann sich die Pferde-Frau gut vorstellen. Eine Zusammenarbeit mit IBA-Tours auch. Die Pferde dafür stehen bei ihr auf der Koppel, die Kutschen auf dem Hof.

Und dann gibt es noch etwas, von dem Ute Kroll schon lange träumt. Sie würde ihr Western-Reich gern vergrößern und ausbauen zu einem Mehrgenerationenhof, auf dem auch Behinderte ein naturnahes Zuhause finden können. Der Platz dafür ist da. Freunde und Mitstreiter, die helfen, ihren Traum zu verwirklichen, auch.