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Der Wald hat sich zurückgekämpft

Die Natur hat die Altbergbaugebiete nordöstlich von Plessa längst erobert. Hier die Tongruben, Grüner See, Seewaldsee und Grünewalder Lauch.
Die Natur hat die Altbergbaugebiete nordöstlich von Plessa längst erobert. Hier die Tongruben, Grüner See, Seewaldsee und Grünewalder Lauch. FOTO: LMBV/Radke
Plessa. Das Altbergbaugebiet bei Plessa ist kein Schwerpunkt der Sanierung. Die LMBV arbeitet an Brennpunkten im Raum Lauchhammer. Manfred Feller

Während im Raum Lauchhammer die Bergbausanierung auf Alttagebauflächen und an Restlöchern seit vielen Jahren auf Hochtouren läuft, passiert aus vielerlei Gründen nordöstlich von Plessa so gut wie nichts. "Dort arbeiten wir nur an Details", sagt Frank Sauer, Projektmanager bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Sanierungsgesellschaft (LMBV). "Unser Schwerpunkt ist die Kleine Restlochkette." Diese zieht sich vom Bergheider See nordwestlich an Grünewalde vorbei.

Spätestens beim Ableiten der dort zunehmenden Wassermassen zum Schutz von Schwarzheide und Lauchhammer kommt Plessa wieder ins Gespräch. Denn das eisenhaltige Nass muss in die Vorflut abgeleitet werden und ergießt sich in die Schwarze Elster.

Damit sich die Wasserqualität in dem Gewässer I. Ordnung ab Plessa nicht noch weiter verschlechtert, muss eine Behandlungsanlage errichtet werden. Die dreijährigen Bauarbeiten sollen nach LMBV-Angaben voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen.

Laut den ersten Planungen werden sich die Investitionen auf rund 22 Millionen Euro summieren. Die Technik soll so ausgelegt werden, dass in mehreren Stufen 1,0 bis 1,6 Kubikmeter des braunen Wassers pro Sekunde gereinigt werden. Die Schwarze Elster soll dann nur noch mit weniger als drei Milligramm Eisen je Liter Wasser belastet werden. Der pH-Wert werde zwischen 6,5 und 8,5 betragen.

In dem überschaubaren Sanierungsraum Plessa passiert auch deshalb so wenig, weil teilweise schon vor etwa 100 Jahren die ersten Wunden in der Landschaft geheilt wurden. Nach dem Stilllegen des im Jahr 1897 aufgeschlossenen Tagebaus "Agnes" (später "Plessa") im Jahr 1958 begannen großflächige Aufforstungen. Weitere Sanierungen und Rekultivierungen erfolgten bis in die Neuzeit. Fertig ist das Gebiet nicht.

Es wurden auch nicht mehr benötigte Anlagen abgebrochen. Markantestes Objekt dürfte die 1901 in Produktion gegangene Brikettfabrik "Agnes" gewesen sein. Im Nachwendejahr wurde sie stillgelegt und später dem Erdboden gleichgemacht.

Erhalten geblieben ist dagegen das in den 1920er-Jahren erbaute Kraftwerk Plessa. Dieses wurde bereits 1985 unter Denkmalschutz gestellt, obwohl es noch in Betrieb war. Im Jahr 1992 sind auch dort die Schalter umgelegt worden.

Damit hatte Plessa seinen Status als Bergbau- und Energiestandort mit vielen Arbeitsplätzen endgültig verloren. Die Natur hat sich große Teile der geschundenen Landschaft zurückerobert.