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| 02:44 Uhr

Der Volks-Rock'n'Roller aus Lindenau

In Lindenau wird Kevin Muschinski gefeiert wie ein Star. Da kommt er mit dem Werfen der Schneuztücherl kaum hinterher.
In Lindenau wird Kevin Muschinski gefeiert wie ein Star. Da kommt er mit dem Werfen der Schneuztücherl kaum hinterher. FOTO: sam
Senftenberg. Er singt a Liad für di - und das so phänomenal gut, dass Kevin Muschinski als Andreas Gabalier-Double auf dem besten Wege ist, selbst ein Star zu werden. Mit seinem charmanten Hulapalu füllt er ganze Festzelte mit 5000 kreischenden Menschen zwischen Hamburg und Mallorca. Seit er Deutschlands Künstlergala 2016 als bestes Double verließ, reißt das Medieninteresse von RTL bis ZDF nicht ab. Andrea Budich

Diese Kopie ist täuschend echt. Der 23-Jährige ist zwar etwas kleiner als Andreas Gabalier, alles andere aber ist (fast) original. Das geht schon mal los mit der rot-weiß karierten Sonnenbrille. Die hat er bei einem Gabalier-Konzert in Leipzig von seinem großen Star aufgefangen und sie sich anschließend selbst aufgesetzt. Nach Hunderten Auftritten hat die Brille inzwischen ihren Dienst getan und musste ersetzt werden. Seine Lederhosen, stattliche drei an der Zahl, besorgt sich der Volks-Rock'n'Roller aus Lindenau in einem Trachtenshop in Österreich. Die Schneuztücherl um den Oberarm kommen aus der Nähstube von Oma und Mama in Lindenau, die für ihren singenden Jungen die Nähmaschine nur so rattern lässt. Wenigstens 20 Tücher hat Kevin Muschinski bei jedem Auftritt einstecken, um sie ins Publikum zu katapultieren.

Echt ist auch das Geweih. So echt, dass er sich schon beim Zoll auf dem Flughafen erklären musste, ob es von einer geschützten Tierart stamme. "Das habe ich mit dem zuständigen Jäger aus Lübbenau vom Flughafen aus klären müssen", erzählt der Doppelgänger schmunzelnd. Sein Friseur in Senftenberg hat sich inzwischen daran gewöhnt, dass er nach einem Foto von Andreas Gabalier die Elvistolle legen muss. Wie das Original geht auch Kevin Muschinski nicht ohne seine Zuckerpuppen auf die Bühne. Beim Karrierestart vor zwei Jahren war das noch ein Mädchen aus seinem Heimatdorf Lindenau. Weil er jetzt aber bis zu zehn Auftritte an einem Wochenende hat, ist die Zahl seiner Zuckerpuppen gewachsen. Seine "Candy Cats" sind Studentinnen von der Musikhochschule Carl Maria von Weber aus Dresden und von der Musical-Hochschule Osnabrück. Privat hat Kevin Muschinki eine, wie er sagt, ganz liebe Zuckerpuppe an seiner Seite.

Am verrücktesten wohl aber ist, dass bei dem Lausitzer Urgestein sogar der schwere steirische Dialekt sitzt! "Den habe ich mir mit einem Vocalcoach, der in Österreich unterrichtet, erarbeitet", sagt das Nachwuchstalent.

Im vorigen Jahr hat das Double-Sein von Kevin Muschinski richtig Fahrt aufgenommen. 200 Mal stand er auf Bühnen zwischen Hamburg und München, aber auch in Österreich, Spanien, Italien und in der Schweiz. Festzelte mit 5000 Menschen sind inzwischen normal, Auftritte vor 20 000 Menschen werden 2017 angepeilt. Auch beim Saisonstart im "Oberbayern" auf Mallorca hat er mit dem im Senftenberger Fitnessstudio ausgefeilten Hüftschwung die Massen zum Kreischen gebracht.

Seit seinem Sieg bei der Großen Künstlergala 2016 in Stuttgart-Filderstadt gibt es noch mehr Anfragen von Künstleragenturen aus ganz Europa. 160 Auftritte stehen jetzt schon für 2017 fest in seinem Terminplaner. Selbst für 2018 ist das Double schon gebucht. Sein Erfolg geht zunehmend auch durch die Medien. In der kommenden Woche, am 25. Januar, wird er als coole Kopie von Andreas Gabalier bei Spiegel TV Wissen (20.15 bis 21 Uhr) vorgestellt. Derzeit laufen Verhandlungen mit dem ZDF zu einer Drehanfrage.

Das Medieninteresse, die kreischenden Fans, die fliegenden Schneuztücherl und eigene Autogrammkarten lassen den bodenständigen Lausitzer aber nicht abheben. Er weiß genau, dass er als Double praktisch auf der Erfolgswelle des Originals mitschwimmt und sein Erfolgsstern schnell wieder sinken kann. Er lebt derzeit gut als Doppelgänger. Aber ganz davon leben will er (noch) nicht. Als Verwaltungsfachangestellter ist er im Landratsamt Senftenberg im sozialen Bereich tätig. Damit er Hobby und Beruf besser vereinbaren kann, hat er zunächst für ein Jahr eine Dreitagewoche vereinbart. Die Freitage und Montage hat er somit freigeschaufelt für sein Doppelleben als Volks-Rock'n'Roller. Dass sein Chef, der Landrat, das musikalische Talent unterstützt, ist für Kevin Muschinski ein Glücksfall. Und so hat er auch schon mal bei einem Auftritt den Verwaltungssitz zum Beben gebracht.

Auch wenn seine Kopie sehr echt ist, will Kevin Muschinski auch eigene Akzente setzen und seinen Stil finden. Und so bastelt er derzeit am ersten eigenen Song im Tonstudio in Paderborn. Später würde er gern einige Titel mehr davon haben und damit sein Naturtalent ausleben. Ein erstes Zusammentreffen mit dem echten Gabalier könnte es übrigens im Juli bei einer Veranstaltung in Österreich geben.

Wie aus dem ruhigen Verwaltungsfachangestellten eine echte Rampensau wird, können Karnevalsfans am 24. Februar im Clubhaus Annahütte erleben. Zu seinen schönsten und emotionalsten Auftritten wird 2017 das Lindenauer Oktoberfest gehören. Dann steht Kevin Muschinski wieder genau dort auf der großen Bühne, wo sein Aufstieg begann. Und in der ersten Reihe steht dann auch seine Mama, die staunend verfolgt, wie die kreischende Menge nach ihren selbst genähten Schneuztücherln schnappt.