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Ehrenamt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Der Vater der Sechs-Bahnen-Anlage

„Herr Neumann ist wie kein anderer aktiver Kegler des SV Senftenberg in einer besonderen Art und Weise mit seinem Verein verwachsen und verwurzelt“, lautete die Charakterisierung des Sportsmannes am Tag des Ehrenamtes auf OSL-Kreisebene. Zitat aus der Laudatio: „Er engagiert sich ehrenamtlich in einem Maß, das höchste Anerkennung und Wertschätzung abverlangt.“
„Herr Neumann ist wie kein anderer aktiver Kegler des SV Senftenberg in einer besonderen Art und Weise mit seinem Verein verwachsen und verwurzelt“, lautete die Charakterisierung des Sportsmannes am Tag des Ehrenamtes auf OSL-Kreisebene. Zitat aus der Laudatio: „Er engagiert sich ehrenamtlich in einem Maß, das höchste Anerkennung und Wertschätzung abverlangt.“ FOTO: Uwe Hegewald
Senftenberg. Ohne Ehrenamt wäre das Leben in der Region nicht so bunt wie es ist. Für ihr Wirken werden deshalb jedes Jahr einige verdienstvolle Bürger aus dem Landkreis OSL ausgezeichnet. Doch wer sind diese engagierten Leute? Die RUNDSCHAU geht auf Personensuche. Heute: Olaf Neumann aus Senftenberg. Von Uwe Hegewald

Man nehme eine rund 2,8 Kilogramm schwere Kugel mit einem Durchmesser von 16 Zentimetern, bringe diese im Aufsatzbohlenbereich in rollende Bewegung und hoffe, dass selbige nach rund 20 Metern so viele Kegel wie nur möglich zu Fall bringt. Was so spielerisch aussieht, sportlichen Spaß bereitet und selbst bei Zuschauern für Unterhaltung sorgt, ist Präzisionssport: Classic-Kegeln. In Senftenberg wird dieser intensiv wie auch sehr erfolgreich betrieben.

„Unsere Sektion Classic-Kegeln im SV Senftenberg verfügt über die einzige Sechs-Bahnen-Anlage im Land Brandenburg“, berichtet Olaf Neumann mit unüberhörbarem Stolz. Nicht ohne Grund, trägt der 57-Jährige doch erheblichen Anteil daran, dass die Anlage seinerzeit in Cottbus abgebaut und in Senftenberg wieder aufgebaut wurde. Von Landrat Siegurd Heinze ist ihm daraufhin der Titel „Vater der Sechs-Bahnen-Anlage“ verliehen worden.

Olaf Neumann ist nicht nur „Vater der Anlage“, sondern auch Mädchen für Alles. Er reguliert den Trainings- und Wettkampfbetrieb, behält die Wartungs- und Pflege-Intervalle im Blick, ist Mitorganisator der Stadtmeisterschaften und Ansprechpartner für Freizeitkegler, die gelegentlich eine ruhige Kugel schieben wollen. „Aus diesem Personenkreis haben Leute auch schon den Weg zum aktiven Sport gefunden“, weiß der Kegler zu berichten.

Er selbst kam über seine Eltern Margitta und Felix zum Kegelsport, die diesen mit Leidenschaft ausübten und in dem Vater Felix eine lokale Vereins-Ikone darstellte. Übrigens: Bereits der Großvater hieß Felix, wie auch der Sohn von Liane und Olaf Neumann, die vor neun Jahren in Brieske ein Eigenheim errichteten. Ohne jedoch dabei die Vereinsarbeit zu vernachlässigen, die seit 1994 von einem „Männer-Doppel“ geführt wird: Jens Lehmann als Vorstand und Olaf Neumann als Stellvertreter und Schatzmeister.

„Unsere Sektion Classic-Kegeln blickt auf sehr erfolgreiche zwei Jahrzehnte zurück. Als absolute Höhepunkte zählen der Aufstieg in die II. Bundesliga (1996) und der Wiederaufstieg nach zwischenzeitlichem Abstieg“, erklärt Olaf Neumann. Momentan spielen Senftenbergs männliche Classic-Kegler in der Verbandsliga und führen dort die Tabelle an; die Damen kegeln in der Landesliga. Er selbst hat 15 Jahre in der II. Bundesliga gespielt und dort konstante Ergebnisse geliefert. „Ich habe mich immer als Mannschaftsspieler gesehen, für spektakuläre Resultate waren andere zuständig“, so Neumann, der auch im Mutterverein SV Senftenberg die Funktion des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden bekleidet und Mitglied der GbR des SV Senftenberg und des Senftenberger FC 08 ist.

Für alle Zeiten unvergessen bleibt eine Begegnung, die zehn Jahre zurückliegt. „Die Pokalauslosung bescherte uns mit dem SKC 1947 Victoria Bamberg ein Traumlos. Die Jungs haben mehrmals in der Champions League gespielt und sind als vielfacher Deutscher Meister, mehrmaliger Europa- und Weltpokalsieger angereist. Das wäre so, als würden die Fußballer von Bayern München gegen Senftenberg antreten“, vergleicht er. Gegen die Champions war natürlich nichts zu holen, zumindest sorgten die Oberfranken für eine proppenvolle Kegelanlage mit einer Rekordkulisse von 128 Zuschauern. Wie Olaf Neumann berichtet, sei das ungleiche Aufeinandertreffen im Jahr 2007 eines der letzten Wettkämpfe auf den alten Bahnen gewesen. Kurze Zeit später erfolgte der große Umbau unter seiner Federführung.

Doch es entspricht nicht der Mentalität des Senftenberger Kegelsportlers, sich die Entwicklungen im Verein alle selbst auf die Fahnen zu schreiben. „Wir verfügen über zuverlässige Leute, die sich engagiert einbringen und über eine stabil ausgerichtete Vereinsstruktur“, betont er. Aufgrund der soliden Vereinsarbeit und tadellosen Anlage sei dem Verein bereits mehrmals das Vertrauen zum Ausrichten von Aufstiegsspielen ausgesprochen worden, bestätigt Neumann, der sich 2005 noch einmal auf der Schulbank wiederfand: „Um sich das Regelwerk des Kegelsports zu verinnerlichen und die A-Lizenz als Bundesliga-Schiedsrichter abzulegen“, erklärt er.

Nutznießer sind nicht nur Vereinsmitglieder oder Sportler der kegelnden Konkurrenz. Regelmäßig statten Kita- oder Schulkinder der Sechs-Bahnen-Anlage einen Besuch ab, um sich einen ersten Überblick über die vermeintliche Randsportart zu verschaffen. Auch daran trägt Olaf Neumann hohen Anteil, wie an den Aktivitäten, Sponsoren zu akquirieren, deren Engagement über das Bereitstellen von Bandenwerbung in der Senftenberger Sechs-Bahnen-Anlage hinausgeht.