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Der „Strippenzieher“ hinter der Bühne

Mirko Warnatz, Leiter der Abteilung Stagemanagement, schlüpft in viele Rollen. Bereits sein halbes Leben hat er an der Neuen Bühne Senftenberg verbracht.
Mirko Warnatz, Leiter der Abteilung Stagemanagement, schlüpft in viele Rollen. Bereits sein halbes Leben hat er an der Neuen Bühne Senftenberg verbracht. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg.. Am Inspizientenpult steht ein Mann und spricht leise Anweisungen für Techniker oder Schauspieler ins Mikrophon. Seltsam ist nur, dass er ein Kostüm und eine aufgeklebte Nase trägt. Karl H. Gündel

Plötzlich stürzt er auf die Bühne und mischt sich in die Handlung ein, ohne dass ihn jemand aufhält. Warum auch? Der Kaplan ist seine Rolle in "Ritter Runkels grosse Stunde". Es ist Mirko Warnatz, Leiter der Abteilung Stagemanagement mit Spielverpflichtung. Wer Mirko kennt, weiß, mit welcher Lust und mit welchem Witz er dieser Leidenschaft frönt.
Sein halbes Leben, die 18. Spielzeit nämlich, ist der noch nicht 40-jährige am Senftenberger Theater. Da darf man schon von einer gewissen Bodenständigkeit sprechen. Nachdem er 1987 eine Berufsausbildung als Maschinist für Tagebaugroßgeräte (mit Abitur) abgeschlossen hatte, zog es ihn weder zum Studium noch in den Tagebau. Zahlreiche Theaterbekanntschaften brachten ihn schließlich als Bühnentechniker ans Theater. Schon ein halbes Jahr später hatte er seinen Traumberuf: Inspizient.
Dieses tolle Gefühl, hinter der Bühne alle Fäden einer Inszenierung in der Hand zu halten, die Übersicht zu bewahren, wenn unerwartete Ereignisse während der Vorstellung auftreten, begeistern ihn noch heute, auch wenn seit der Intendanz von Heinz Klevenow noch Aufgaben als Souffleur oder Regieassistent dazukamen. Dabei ist Mirko wahrhaftig kein Mensch, der nach Macht strebt. Er versteht sich im Inszenierungsprozess vor allem als Vermittler zwischen Regisseur und Technik. Da sind Ruhe gefragt, Konzentration, Durchsetzungsvermögen und absolute Zuverlässigkeit. Und Regisseure sind gut beraten, auf Mirkos Ratschläge genau zu hören.
Sein schauspielerisches und musikalisches Talent hat sich schon frühzeitig bemerkbar gemacht. Tingelte er anfangs noch mit einem Kumpel als folkloristische "Lied GmbH Senftenberg" durch die Lande, tobt sich sein Spieltrieb seit 1990 in ungezählten Inszenierungen am Theater aus. Begonnen hat alles mit der vorwiegend musikalischen (aber auch darstellerischen) Gestaltung von Inszenierungen wie "Was heißt hier Liebe" oder "Darüber spricht man nicht".
Dort leckte er das Theaterblut, was in ihm bis heute lebhaft pulsiert und ihn als Darsteller, Musiker und Sänger für das Ensemble so wertvoll macht. So erarbeitete er sich als Autodidakt nicht nur musikalische Grundlagen, sondern auch die verschiedenste Instrumente wie Akkordeon, Flöten, Saiteninstrumente (Gitarre, Banjo, Mandola), Saxophon, Schlag- und Percussionsinstumente und das wegen der Zirkulations atmung so schwierige Spielen des Didgeridoo.
Fragt man ihn nach seinen theatralischen Sternstunden, kommt Mirko Warnatz sofort auf Inszenierungen zu sprechen wie "Der Tor und der Tod", "Black Rider" oder "The Rocky Horror Picture Show", die ihm sängerisch und tänzerisch alles abverlangte. Besonders bei "Black Rider", in dem der Waits-Verehrer Warnatz sogar Waits-Songs singen durfte, glänzen seine Augen. Natürlich erinnert er sich auch an amüsante kleine Pannen. Zum Beispiel, als er sich mühsam das Saxophonspielen beigebracht hatte und der musikalische Leiter des Hauses, Conrad Haase, ihm erklärte, dass das Mundstück verkehrt auf dem Instrument saß. Also war neues Proben angesagt.
Aber alles hat seinen Preis. So kommt für den Familienmenschen Mirko Warnatz bei der Vielzahl der Aufgaben das Familienleben mit seinen beiden Kindern und seiner Frau Manuela permanent zu kurz. Denn Organisation und notwendige Absprachen kürzen die kostbare Freizeit zwischen den Proben beträchtlich. Den unvermeidlichen Streß strampelt er sich zwischen Senftenberg und seinem Wohnort Schwarzbach auf dem Rad aus dem Leib, um die kurze Zeit mit der Familie intensiv genießen zu können. Und irgendwie funktioniert diese "Therapie". Außerdem sind da noch die Bücher der ererbten Bibliothek, deren Lektüre ihn auf andere Gedanken bringt.
Trotz aller Belastung hängt der Theatermensch Mirko Warnatz an seinem Beruf und seinem Theater, und sein größter Wunsch ist, dass er nicht als Letzter irgendwann einmal das Licht im Theater ausmachen muss. Und dann lacht er . . .
Als Kaplan in "Ritter Runkels grosser Stunde" ist Mirko Warnatz wieder am 1., 2. und 3. Juli im Amphitheater zu erleben. Mit diesem Vorstellungspaket verabschiedet sich Ritter Runkel in die Sommerferien.
Danach ist das bejubelte Familienspektakel erst wieder ab Mitte August zu erleben. Karten gibt es unter 03573 - 8000 oder www.komoedienfestival.de.