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Der steuerfinanzierte Laubsack kehrt zurück

Das Herbstlaub fordert die Stadt Senftenberg und die Anwohner auch an der Buchwalder Straße stark.
Das Herbstlaub fordert die Stadt Senftenberg und die Anwohner auch an der Buchwalder Straße stark. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Die Blätter fallen. Und der fleißige Bürger kehrt Laub. Für die Säcke zum Entsorgen der bunten Pracht von den Stadtbäumen, die auf dem Fußweg schnell unansehnlich und bei Nässe auch zur Rutschgefahr werden können, sind die Senftenberger in diesem Herbst selbst zuständig. Die Ratsrunde will das wieder ändern. Kathleen Weser

Weit mehr als 500 000 Euro gibt Senftenberg im Jahr für das Stadtgrün aus. Bis zu 100 000 Euro kostet allein die Pflege des Baumbestandes. 6400 Euro für die Laubsäcke, die den kehrpflichtigen Bürgern zuvor kostenlos zur Verfügung gestellt wurden, sind dem Rotstift geopfert worden. Nur für Alleen und Verkehrsadern mit mächtigen Bäumen und damit ebensolchem Blätterabwurf im Herbst waren sie gedacht.

Sparen ist ein großes Thema jeder Haushaltsdebatte. Auch in der laufenden. Aber nicht mehr beim steuerfinanzierten Laubsack. Den soll die Stadt Senftenberg nämlich künftig wieder bezahlen. Das hat die Offene Fraktion Agsus/SFB (Aktionsgruppe gegen soziales Unrecht/Stimme für Senftenberg) beantragt. Und die Abgeordneten der Ratsrunde haben zugestimmt.

Die Straßenreinigung ist gebührenpflichtig. Also ist die Stadt für saubere Fahrbahnen zuständig. Auch die öffentlichen Grünbereiche sind Sache der Kommune - einschließlich des Herbstlaubs. Die Gehwege sauber zu halten allerdings, ist grundsätzlich eine Anliegerpflicht. Und das kann im Herbst schon zeitweise zur Schwerstarbeit werden. An der Buchwalder Straße beispielsweise, die von starken Laubbäumen gesäumt ist. Und auch in der Gartenstadt Marga in Brieske kommen die Anwohner jetzt mit Harke und Besen mächtig ins Schwitzen. Klaus-Jürgen Graßhoff (CDU) spricht sich deshalb ebenso klar dafür aus, "den steuerfinanzierten Laubsack wieder in den Haushalt aufzunehmen", wie Christina Nicklisch (UWS/Unabhängige Wählergemeinschaft Senftenberg), die als Ortsvorsteherin auch die Briesker vertritt. Die Bürger engagieren sich für eine saubere Stadt, und das honoriert die Stadt mit etwa 80 Cent pro benötigtem Laubsack. Auf Container für die zusammengekehrten Blätter setzt die Stadt Senftenberg ausdrücklich nicht. Denn in diesen landet dann alles, befürchten die Ordnungshüter im Rathaus.

Zum Thema:
Regionaltypische sommergrüne Laubbäume würden im Winter erfrieren, wenn sie ihre Blätter nicht abwerfen könnten. Mutter Natur hat deshalb dafür gesorgt, dass die Pflanzen bei regelmäßigem Temperaturabfall unter 15 Grad Celsius spezielle Phytohormone bilden und zu den Blattstielen senden: Diese werden verkorkt und die Blätter fallen ab. Zuvor aber entzieht der Laubbaum seinem Blattschmuck noch so viele Nährstoffe wie möglich und lagert diese in Stamm und Wurzeln ein. Das ist an der Farbveränderung der Blätter auch zu sehen.