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Der Stachel in der Wunde der etablierten Parteien

Hans-Joachim Weidner tritt gegen soziales Unrecht ein und deshalb für den Kreistag an.
Hans-Joachim Weidner tritt gegen soziales Unrecht ein und deshalb für den Kreistag an. FOTO: Helbig/mih1
Senftenberg/Hohenbocka. Die Aktionsgruppe gegen soziales Unrecht Senftenberg (Agsus) geht in der Wahl zum nächsten Kreistag erstmals in allen fünf Wahlkreisen für Oberspreewald-Lausitz an den Start. Für den Lauf auf das kommunalpolitische Parkett hat Hans-Joachim Weidner (56) die Sportschuhe geschnürt. Der Hohenbockaer ist einer der zwölf Kandidaten. Kathleen Weser

Die stärkste Motivation von Hans-Joachim Weidner, für Agsus anzutreten und in den Wahlkampf zu ziehen, liegt in der Familie. "Ich ziehe tief den Hut vor dem jahrelangen Engagement von Kerstin und Frank Weidner gegen soziales Unrecht", sagt er. Dabei haben der Bruder und die Schwägerin den Hohenbockaer davon, "dass die etablierten Parteien nicht wirklich für die echten Bedürfnisse der Menschen streiten", nicht erst überzeugen müssen. "In Berlin wird viel geredet. Aber insbesondere finanzielle Erleichterungen kommen in der Praxis beim kleinen Bürger nicht an", schätzt Hans-Joachim Weidner ein. Der Sportveranstalter sagt, die Rente mit 67 sei ebenso der Lebensrealität fern wie der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum schlecht sei.

"Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Jeder, der in meinem Alter schon einmal bei einem Klassentreffen war, bekommt ganz genau mit, dass die meisten Leute in vielen Berufen ein so langes Arbeitsleben gar nicht leisten können."

Die Rente mit 67 sei für die meisten Bürger einfach praxisfremd. Die Arbeitsbelastungen seien viel größer als noch vor Jahren. Und 45 Arbeitsjahre sollten wirklich reichen. "Wo bleibt die soziale Gerechtigkeit, wenn sich Bundestagspolitiker eine Rente mit 55 Jahren genehmigen?", stellt der Agsus-Kandidat in den Raum. Es gebe kein Argument, dass dafür spreche, den Bürgern zwölf Arbeitsjahre mehr abzuverlangen.

Die Forderungen des Lebens, die hier so täglich in Form von Rechnungen einflatterten, seien ebenfalls kaum noch bezahlbar. Für Strom, Wasser, Abwasser sowie Kindergartengebühren und Fahrtkosten erhöhten sich die Kosten stetig. "Und der kleine Mann muss zahlen, ob er will oder nicht", stellt Weidner fest. "Ich erwarte von der Politik eine Mindestfestsetzung von Löhnen, von denen eine Familie auch anständig leben kann", sagt Hans-Joachim Weidner.

"Für mich ist es selbstverständlich, dass auch Praktikanten bezahlt werden. Denn sie erbringen schließlich auch eine Arbeitsleistung", erklärt der Kandidat. "Dies verlangt schon der Anstand", stellt er fest. In vielen Unternehmen würden Praktikanten als kostenlose Arbeitskräfte missbraucht. Ganz legal. "Ich würde auch Lehrausbildungen, für die der Auszubildende für seine Ausbildung auch noch Geld mitbringen muss, sofort verbieten", erklärt Weidner. Das Erststudium sei auch kostenfrei. Für jede Berufsausbildung müsse dies auch gelten.

Auf dem Land lebende Familien seien immer mehr benachteiligt. Das kulturelle Leben werde immer weniger bezahlbar. Die Kinder müssten zeitaufwendig mit dem Auto zum Training oder anderen Freizeit-Beschäftigungen gebracht und wieder abgeholt werden. Handlungsbedarf bestehe in vielen Dingen mit direktem Einfluss auf das tägliche Leben. "Und Dinge, die nicht in Ordnung sind, müssen auch auf Kreisebene angesprochen werden. Die Bürger müssen nicht alles erdulden", erklärt Hans-Joachim Weidner. Deshalb geht er als Kandidat für den nächsten Kreistag an den Start.

Zum Thema:
Das Grundsatzprogramm der Aktionsgruppe gegen soziales Unrecht Senftenberg (Agsus) passt auf eine A 4-Seite. Das hat Sprecherin Kerstin Weidner versprochen "und eingehalten", wie sie betont. Agsus will sich Politik nicht weiter von den führenden Parteien vorschreiben lassen, sondern selbst aktiv sein. Dabei werde die kommunale nicht von landes- und bundespolitischen Entscheidungen getrennt. "Wir verstehen uns als ehrliche soziale Opposition", erklärt Kerstin Weidner. Agsus setze sich für ein würdevolles und bezahlbares Leben und Wohnen der Bürger ein. Gegen unsoziale Gesetze und Mogelpackungen kämpfe die Aktionsgruppe an. Leistungen, Erfahrungen und Intelligenz sollten sprechen, nicht Fördermittel. Und die Menschen müssten im Vordergrund stehen. Die zentrale Forderung der Aktionsgruppe bleibe: "Hartz IV muss weg!" Die parteiunabhängige Wählergruppe beteilige sich nicht daran, Menschen gegeneinander auszuspielen. Agsus will sich weiter gegen soziales Unrecht stemmen und den Widerstand in den Kommunalvertretungen sichtbar machen.Quelle: Agsus-Programm