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| 16:07 Uhr

Senftenberg
Der Pflegefall Lausitz spielt beim Tatort in Senftenberg

Gesprächspartnerin beim „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ zum Thema der „Pflegefall Lausitz“ war auch Brandenburgs Sozial-Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt.
Gesprächspartnerin beim „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ zum Thema der „Pflegefall Lausitz“ war auch Brandenburgs Sozial-Staatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Beim „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ fordern Gäste ein Eingreifen der Bundesregierung in die zum Teil unbefriedigenden Zustände für Pfleger und Gepflegte zu verbessern. Von Josephine Japke

Tatort Pflegeheime. Die Handlung: Immer mehr Pflegebedürftige kommen auf immer weniger Pfleger. Schlechte Arbeitsbedingungen und schlechte Bezahlung machen es den Betreibern von Pflegeheimen und ambulanten Diensten schwer, neue Mitarbeiter zu finden. Doch was dagegen tun? Jan Vesper (radioeins) und Jan Siegel (RUNDSCHAU) stellen beim „radioeins und RUNDSCHAU Spezial“ (die ganze Sendung zum Nachhören) am Mittwochabend in Senftenberg diese Frage in den Raum. Die Protagonisten: etwa 25 Gäste aus Politik und Pflege.

„In unserer Region werden in den nächsten Jahren noch mehr Menschen pflegebedürftig werden. Gleichzeitig sinkt aber die Zahl derjenigen, die in der Pflege arbeiten“, fasst Almuth Hartwig-Tiedt, Staatssekretärin im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie Brandenburg, zusammen. Die Auswirkungen des Pfleger-Notstandes spürt Claudia Schneider, Chefin vom Pflegedienst Schernick in Senftenberg, bereits jetzt schon: „Jede Woche können wir mehrere Pflegebedürftige nicht annehmen. Die Abgelehnten und ihre Verwandten brechen häufig in Tränen aus, weil sie verzweifelt sind“, sagt sie.

Etwa 4500 Pflegebedürftige leben aktuell im Landkreis Oberspreewald-Lausitz, die Dunkelziffer sei aber wesentlich höher, sagt auch OSL-Sozialdezernent Alexander Erbert (CDU). Rund drei Viertel dieser Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt, weil es kaum noch stationäre Pflegeplätze in der Umgebung gibt. Und die, die es gibt, sind teuer: „Aktuell kostet ein Pflegeplatz etwa 1500 Euro zusätzlich zu dem, was durch die Pflegeversicherung abgedeckt wird“, erklärt Ralf Franke von der Gewerkschaft Verdi.

Er befürchtet, dass die Kosten für einen Pflegeplatz auch in den nächsten Jahren steigen werden. Denn die dringend notwendigen höheren Gehälter für das Pflegepersonal werden auf die monatlichen Kosten der Patienten umverteilt. Schon jetzt könnten sich zu viele Menschen die Pflege deshalb nicht mehr leisten.

Almuth Hartwig-Tiedt sieht darin ein großes Dilemma für die folgenden Jahre: „Das Problem geht jetzt erst los, weil ab jetzt diejenigen pflegebedürftig werden, die in ihrem Leben nicht durchgängig gearbeitet und in die Versicherung eingezahlt haben. Die werden sich das erst recht nicht leisten können.“