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| 16:20 Uhr

Rund um Klettwitz ist Dr. Christina Schiefer eine Institution
Der Nächste bitte: Landärztin sagt nach 30 Jahren ade

 Sie haben am Freitag endgültig die Türen zur Hausarztpraxis in der  Kostebrauer Straße in Klettwitz abgeschlossen: Dr. Christina Maria Schiefer, Elisabeth Mertin, Gabi Kehrer und Ulla Balzer (v.l.).
Sie haben am Freitag endgültig die Türen zur Hausarztpraxis in der  Kostebrauer Straße in Klettwitz abgeschlossen: Dr. Christina Maria Schiefer, Elisabeth Mertin, Gabi Kehrer und Ulla Balzer (v.l.). FOTO: Rasche Fotografie / STEFFEN RASCHE
Klettwitz . Rund um Klettwitz eine Institution und für ihre Patienten rund um die Uhr zu erreichen: 30 Jahre hat die Allgemeinärztin Dr. Christina Schiefer in Klettwitz praktiziert. Letzte Sprechstunde war am Donnerstag. Von Andrea Budich

Nach über 30 Jahren als Landärztin in Klettwitz geht Dr. Christina Schiefer in den Ruhestand. Als Landärztin vom alten Schlag hat sie ganze Generationen von Patienten betreut. Erst die Eltern, dann die Kinder, dann die Enkel. An manchen Tagen, wenn die Grippewelle über Klettwitz und Schipkau rollte, saßen 60 Kranke im Wartezimmer.

Auch für ihre 1200 Patienten geht nun eine Ära zu Ende. Das letzte Rezept hat Christina Schiefer am Donnerstag geschrieben. Ein Antibiotikum für einen Patienten mit einer Gallenblasenentzündung. Das Aufhören fällt ihr schwer. Den Patienten auch. In ihrer Praxis in der Kostebrauer Straße hat das große Aufräumen bereits begonnen, Abschiedsgeschenke stapeln sich. Nachzügler fragen nach Tabletten-Rezepten oder der Kranken-Akte. Aus Meuro schlägt ein Notruf auf. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin vermutet einen Schlaganfall und schickt noch schnell einen Notarzt in die Mühlenallee.

Mit der Arztpraxis in Klettwitz hat sich die gebürtige Calauerin einen Lebenstraum erfüllt. „Solange ich denken kann, wollte ich Hausärztin werden“, erinnert sie sich an ihr großes Vorbild Dr. Fuhr aus Calau. Der alte Herr mit dem weißen Haar - genau wie er wollte sie später alles behandeln: vom Schnupfen bis zum Schlaganfall, vom eingewachsenen Zehennagel bis hin zum Nähen von Wunden. Ihre Philosophie war es immer, Hausärztin für die ganze Familie zu sein.

Mit ihrem Mann, Dr. Frank-Frieder Schiefer, zieht sie 1985 nach Klettwitz. 1987 fängt sie in der Staatlichen Arztpraxis, der sogenannten alten Gärtnerei in Klettwitz, an zu arbeiten. Das jüngste ihrer vier Kinder ist damals gerade sechs Jahre alt geworden. Vier Jahre später, die politische Wende hat es möglich gemacht, eröffnet sie in der Kostebrauer Straße 1 ihre eigene Hausarztpraxis.

Dass die Patienten bei ihr Zeit mitbringen müssen, war nie ein Problem „Das Bestellsystem, das ich anfangs noch einführen wollte, hat sich auf dem Land einfach nicht bewährt“, erzählt sie. Zum Praxis-Dienst kamen die Hausbesuche. Täglich, wenn es sein musste. Alle drei Wochen ist sie auch zur Visite ins Annahütter Altenheim rausgefahren. Umweltbewusst wie sie ist, mit einem weißen Elektroauto. Weil es noch zu wenige Strom-Tankstellen gibt, hat sie sich kurzerhand eine Ladestation auf den eigenen Hof setzen lassen.

Ruhigen Herzens geht die 68-Jährige allerdings nicht in den Ruhestand. „Eine große Enttäuschung hat mir den Abschied ziemlich verdorben“, spricht sie Tacheles. Nach jahrelanger vergeblicher Suche nach einem passenden Praxisnachfolger, hatte sie im Sommer einer Vereinbarung mit dem Medizinischen Versorgungszentrum des Elbe-Elster Klinikums zugestimmt. „Natürlich unter der Voraussetzung, dass mein Praxisteam, zu dem auch die Auszubildende Elisabeth gehört, übernommen wird“, erklärt sie. Aber genau das ist am Ende nicht passiert. Ihren beiden Schwestern wurden Arbeitsverträge mit Gehaltsangeboten deutlich unter dem bisher gezahlten Tarif zugesandt. Beide werden in der neuen Hausarztpraxis in der Schipkauer Poliklinik nicht mehr mit an Bord sein. Auch für die inzwischen schwangere Auszubildende hat es kein Übernahmeangebot gegeben. „In Absprache mit der Ärztekammer ist mein Mann in die Bresche gesprungen und hat Elisabeth eingestellt“, erklärt Christina Schiefer. Ihr Ausbildungsvertrag ist damit nicht unterbrochen und sie kann im Frühjahr ihre Prüfung ablegen bevor das Baby kommt.

Dass Christina Schiefer ziemlich viel Unruhe im Ruhstand haben wird, ist jetzt schon klar. Das siebte Enkelkind ist grad geboren und in Brasilien ruft der Amazonas.