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Der letzte Zug ist abgefahren

OSL-Kreis.. Mit dem Fahrplanwechsel in diesem Monat ist es auf der elektrifizierten Bahnstrecke Großräschen – Finsterwalde ruhig geworden. Den RegionalExpress 3 gibt es zwischen Wünsdorf, Finsterwalde, Großräschen und Senftenberg nicht mehr.

Aber wie fährt der bisherige Reisende des RE 3 jetzt? Diese Frage hat sich auch Jens Endler von der Regionalgruppe Lausitz des Fahrgastverbandes Pro Bahn e. V. gestellt. Der Großräschener recherchierte.

Nicht schlechter
Fahrgästen zwischen Großrä-schen und Senftenberg sowie von Senftenberg beziehungsweise Großräschen nach Berlin bleibt ein stündliches Angebot der RegionalBahn 14 über Lübbenau erhalten. Das bedeutet in diesem Abschnitt praktisch keine Angebotsverschlechterung, zumal die RB 14 und der RE 3 ab Senftenberg fast parallel verkehrten und auch in Berlin-Hauptbahnhof die Abfahrtszeiten nur um Minuten voneinander abwichen.
„Wer aber weiter nach Dresden, Hoyerswerda oder nach Lauchhammer möchte, wird in Senftenberg keinen Anschluss vorfinden“ , hat Jens Endler festgestellt. Der RE 18 und die RB 14 verpassen sich stündlich um etwas mehr als zehn Minuten: Fehlplanung pur also. So werden die Fahrgastzahlen eher weiter sinken, meint der sachkundige Bahnfreund.
Finsterwalder, die nach Berlin wollen, werden jetzt eine stündliche Verbindung mit umsteigen in Doberlug-Kirchhain und relativ guten Anschlüssen vorfinden. Wer aber den Turmbahnhof Doberlug-Kirchhain kennt, wird wissen, das Umsteigen ist vor allem für mobilitätseingeschränkte Personen ein Kraftakt.
Die Fahrzeit verlängert sich zwischen Finsterwalde und Berlin-Hauptbahnhof um etwa zehn Minuten. Gegenüber dem Fahrplan, der bis zum 27. Mai 2006 galt, werden Fahrgäste in Richtung Alexanderplatz und Friedrichstraße aber insgesamt fast eine halbe Stunde länger unterwegs sein. Die Finsterwalder sind die großen Verlierer hinsichtlich des Berliner Nord-Süd-Tunnels, des Berliner Hauptbahnhofes und was die brandenburgische Einstellungsorgie im Eisenbahn-Regionalverkehr angeht.

Gute Busverbindungen
Zwischen Finsterwalde und Großräschen verkehren montags bis freitags die Buslinien 599 und 602 mit Fahrzeiten von etwas mehr als 50 Minuten. Am Wochenende gibt es zwei Verbindungen. Umgestiegen wird in Annahütte. In der Relation Großräschen - Finsterwalde wurde das Angebot der Buslinien 558 (Finsterwalde - Wormlage) und 610 (Ruhland - Wormlage - Großrä-schen) verstärkt, sodass mit dem Umstieg in Wormlage montags bis freitags eine Ersatzlösung angeboten wird. An Wochenenden bleibt Fahrgästen auf dieser Strecke vorerst nur der beschwerliche Weg per Bahn und dem Umsteigen in Calau mit Wartezeiten von rund 45 Minuten. „Die Chance, eine schnelle Umsteigeverbindung über Calau einzurichten, hat der Verkehrsverbund nicht genutzt“ , kritisiert Jens Endler.

Konzept abgelehnt
Ein Alternativkonzept von Pro Bahn Lausitz für ein abgestimmtes Angebot aus Südbrandenburg nach Berlin sei beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg nicht berücksichtigt worden. Das Konzept hätte für Senftenberg die Sicherung einer stündlichen Verbindung nach Berlin, abwechselnd über Finsterwalde und Lübbenau, bedeutet, ohne den stündlichen Takt der Strecke Senftenberg - Lübbenau in der Berufsverkehrszeit anzutasten.
Darüber hinaus sieht das Konzept eine Einbeziehung des RegionalExpress aus Berlin in den Knoten Ruhland und damit kurze Anschlüsse in Richtung Dresden, Hoyerswerda und Lauchhammer vor. Auch das ProBahn-Konzept hätte Einsparungen von mehreren Millionen Euro möglich gemacht, meint Jens Endler abschließend. (red)