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Lausitzring
Der Lausitzring soll leiser werden

Der Lausitzer Dekra-Chef Volker Noeske (r.) gastierte auf Einladung von Ralf Henkler vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft zur Diskussion in Schwarzheide.
Der Lausitzer Dekra-Chef Volker Noeske (r.) gastierte auf Einladung von Ralf Henkler vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft zur Diskussion in Schwarzheide. FOTO: Richter-Zippack
Klettwitz. Der Dekra-Konzern als neuer Eigentümer will bis Ende nächsten Jahres in Klettwitz die erste Ausbaustufe am größten Zentrum für automatisiertes Fahren in Europa umsetzen. Von Torsten Richter-Zippack

Was haben sich die Anwohner des Lausitzrings einst auch geärgert: Jahrein, jahraus heulten die Motoren extrem leistungsstarker Boliden von der Rennstrecke bis weit in die Umgebung. Besonders betroffen waren die Hörlitzer, da der meist wehende Westwind den Krach zuerst in ihren Ort trieb. Doch selbst im mehrere Kilometer entfernten Senftenberg war der Ring als Lärmquelle zu vernehmen. Damit soll jetzt Schluss sein. Das kündigt Volker Noeske, Geschäftsführer des Dekra-Automobil-Test-Centers, an. Die Prüforganisation ist neue Eigentümerin der kompletten Rennstrecke.

Die Geräuschkulisse der Fahrzeuge werde sich nicht mehr vom normalen Straßenlärm unterscheiden. „Wir testen ja die Autos auf Sicherheit, nicht auf Geschwindigkeit“, begründet er. Darüber hinaus sehe die Dekra genau hin, wenn jemand eine Großveranstaltung auf dem Ring organisieren will. Einem Rockkonzert-Protagonisten sei bereits eine Absage erteilt worden. „Denn ich glaube nicht, dass es die Einheimischen gut fänden, über drei Tage dem Bumm-Bumm ausgeliefert zu sein“, sagt der Geschäftsführer.

Dem am Südrand der Rennstrecke befindlichen Motorsportareal bescheinigt Volker Noeske indes eine Zukunft. „Die Trasse soll erhalten bleiben. Allerdings müssen sich die Nutzer unseren Bedingungen unterordnen“, stellt er klar. Dazu gehöre auch ein Film-Verbot. Die Dekra selbst werde keine Motocross-Rennen veranstalten.

Seit rund viereinhalb Monaten ist der Kauf des Lausitzrings durch die Dekra in Sack und Tüten. Dabei hat sich die Klettwitzer Rennstrecke, wie erst jetzt bekannt wurde, mit dem spanischen Mitbewerber ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. „Wäre die Chance mit dem Kauf des Lausitzringes nicht gekommen, hätten wir unser geplantes Zentrum für automatisiertes und vernetztes Fahren sehr wahrscheinlich im spanischen Málaga gebaut“, bestätigt Volker Noeske. „Das war damals eine ganz heiße Kiste.“ In Spanien wäre die Prüfgesellschaft aufgrund der extrem hohen Arbeitslosigkeit in Andalusien sehr wahrscheinlich in den Genuss einer 70-prozentigen Förderung gekommen. Doch letztlich fiel die Wahl des Unternehmens auf den Lausitzring nicht zuletzt, weil hier fast Platz ohne Ende zur Verfügung stehe. „Mit 540 Hektar ist Klettwitz flächenmäßig gesehen unser größter Standort“, erklärt Noeske. Bislang war die Dekra an der Rennstrecke direkt an der A 13 lediglich mit 110 Hektar dabei. Insgesamt verfügt der weltweit agierende Konzert allein bundesweit über 80 Standorte.

Die Umbauarbeiten am Lausitzring haben indes bereits begonnen. „Der Lausitzring wandelt sich von einer Renn- und Teststrecke zu einer Test- und Rennstrecke“, stellt Oberspreewald-Lausitz-Landrat Siegurd Heinze (parteilos) dazu fest. Tatsächlich, so erzählt Volker Noeske, habe die Dekra bereits Aufträge in sechsstelliger Höhe an Unternehmen aus der Region vergeben. Richtig los gehen die Arbeiten nach der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM), dem Jahreshöhepunkt auf dem Ring. Das Rennen findet zu Pfingsten statt.

Errichtet werden zunächst Geisterstädte, also Orte, die lediglich aus mobilen Pappkulissen bestenden. Dort könne das automatisierte und vernetzte Fahren realitätsnah getestet werden. Darüber hinaus weürden die eigentliche Rennstrecke sowie die dazugehörigen Gebäude saniert. Zudem werde der komplette Lausitzring eingezäunt. Und die die Dekra werde eine Menge Geld in modernste Messtechnik stecken. Das Finanzvolumen für die erste Ausbaustufe, die Ende 2019 abgeschlossen sein solle, beziffert Volker Noeske auf 30 Millionen Euro.

Anschließend sei Spanien an der Reihe. Die dort entwickelte Kommunikationstechnik rund ums Fahren werde auf dem Lausitzring auf Herz und Nieren geprüft. Dazu werden hochqualifizierte Mitarbeiter benötigt. Findungsprobleme habe die Dekra nicht, wie Volker Noeske betont. Die Prüforganisation erhalte so viele Bewerbungen, dass ein zweiter Lausitzring aufgemacht werden könnte. Derzeit sind in Klettwitz bereits rund 160 Spezialisten tätig, 200 sollen es werden. Es werde auch gezielt nach Rückkehrern in die Lausitz Ausschau gehalten.

Der gebürtige Dresdener und Vater von vier Kindern sagt den Lausitzern, die mit dem Lausitzring verbunden sind: „Auch wenn wir die Rennstrecke einzäunen müssen, der Lausitzring bleibt selbstverständlich ein Teil der Region.“ An den Wochenenden stehe sie für Besucher offen.