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| 16:49 Uhr

Schulzeit in der DDR
Der „Lange Lulatsch“ schreibt ein Schul-Buch

Senftenberg. Dr. Hans-Ulrich Soschinka erinnert sich an seine „schöne, sehr fruchtbare Zeit“ an der Senftenberger EOS. Er könnte sich eine Diskussion mit Joachim Sauer gut vorstellen. Von Torsten Richter-Zippack

Reichen 1,77 Meter Körpergröße aus, um als langer Lulatsch bezeichnet zu werden? Für die Mutter von Dr. Hans-Ulrich Soschinka offenbar schon. „Sie nannte mich so. Diese Koseform ging in der Klasse 12 B 2 an der Erweiterten Oberschule (EOS) Senftenberg in den Spitznamen ‚Der Lange‘ über“, erinnert sich Soschinka. „Dabei weiß ich gar nicht, ob ich damals tatsächlich der Längste war.“

Wie dem auch sei: „Lulatsch`s B 2 – Schulzeit in der frühen DDR“ lautet der Titel seiner Erzählung, die seit Kurzem im Buchhandel zu haben ist. Mit B 2 ist die einstige Klasse in der EOS „Walter Rathenau“ gemeint, mit der frühen DDR die Jahre von 1958 bis 1961. Die Erweiterte Oberschule war zu DDR-Zeiten etwa das, was heute die gymnasiale Oberstufe ausmacht. Das Abitur selbst legte Hans-Ulrich Soschinka an der EOS in Großräschen ab.

Der Autor weist darauf hin, dass es sich stets um seine subjektiven Eindrücke handelt, die nicht jeder weitere ehemalige Schüler teilen müsse. „Da das Buch aber schon ein Weilchen auf dem Markt ist (seit 2017), äußerten sich diejenigen, die es gelesen haben, überwiegend positiv“, resümiert Soschinka. Mehr noch: „Für unseren Jahrgang, unsere Schulklasse, war es eine schöne, sehr fruchtbare Zeit, die uns für unsere Lebenswege viel mitgegeben hat! Diesbezüglich kann man überhaupt nicht mit der Einschätzung des nach uns eingeschulten Ehemanns der Bundeskanzlerin, Joachim Sauer, übereinstimmen.“
Sauer, der aus Hosena stammt, hatte im Februar im Senftenberger Gymnasium über seine eigene Schulzeit an der örtlichen EOS berichtet. Unter anderem monierte der heutige Quantenchemiker, dass die Einrichtung lieber wieder den Namen Walter Rathenaus statt Friedrich Engels tragen sollte. Darüber hinaus hatte Sauer den einstigen langjährigen Schulleiter Erhard Klose heftig kritisiert. „Ich fände es lustig und interessant, gegebenenfalls mit Herrn Sauer über die unterschiedlichen Sichtweisen und Bewertungen über die Senftenberger EOS-Zeit eine öffentliche Diskussion zu führen“, lädt Soschinka ein.

Der Buchautor schildert wahrheitsgemäß, so schreibt er selbst, die Darstellung der gesellschaftlichen und politischen Umstände während seiner Schulzeit. So sei es unumstößlich, dass diese Epoche in die damals etwa zehn Jahre alte DDR eingebettet war. „Und dementsprechend präsentierten sich auch die Empfindungen, die Blickwinkel und die Diskussionen unter uns Schülern“, schreibt Hans-Ulrich Soschinka. Mehr noch: „Es ist historisch verfälschend, dies aus ideologischer oder aus der politischen Motivation des heutigen Mainstreams heraus zu diskreditieren“, so Soschinka weiter. Das Damalige könne weder durch Heutiges erklärt, noch verdammt, verklärt oder moralisch abgewertet werden. Zu vielen Klassenkameraden habe der Buchautor bis heute Kontakt. „Wir Ehemaligen treffen uns seit unserer Senftenberger EOS-Zeit jedes Jahr ein- bis zweimal.“ Andere scheinen spurlos verschwunden zu sein. Von den einstigen Lehrern lebt nur noch eine, allerdings bestehe zu dieser kein Kontakt. Darüber hinaus ist die Zahl der Mitschüler aufgrund Krankheit und Tod merklich gesunken.

Hans-Ulrich Soschinka erlernte nach seinem Abitur den Beruf eines Betonbauers und studierte Ingenieur-Ökonomie. Später wandte sich der Lausitzer der Philosophie zu. Nach der Wende folgte der Wirtschaftsingenieur. Hans-Ulrich Soschinka war dann bis zum Eintritt ins Rentenalter in der Wissenschaft und dem Hochschulwesen sowie danach als Projektentwickler und Projektmanager tätig. Er lebt heute in Norddeutschland.

Das Werk „Lulatsch’s B 2“ ist im regionalen Buchhandel sowie im Internet erhältlich. Es kostet 14,95 Euro.