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Der Kürbisbauer aus Jannowitz

Dicke Dinger wie dieser "Gelbe Zentner" holt Felix Otto jetzt fast täglich von seinem Kürbisacker. Was der Zehntklässler erntet, wird feldfrisch an der Straße verkauft.
Dicke Dinger wie dieser "Gelbe Zentner" holt Felix Otto jetzt fast täglich von seinem Kürbisacker. Was der Zehntklässler erntet, wird feldfrisch an der Straße verkauft. FOTO: Steffen Rasche/str1
Jannowitz. Immer im Herbst steht er mit seinen Stiegen an der Landstraße: Felix Otto aus Jannowitz. Schon als Dreikäsehoch hat er dort seine ersten Kürbisse verkauft. Und die haben auch den Ausschlag für seine Berufswahl gegeben: Der 16-Jährige will Bauer werden. Andrea Budich

Vier Stiegen stehen an der Ortsdurchfahrt, sodass sie jedem Kraftfahrer ins Auge fallen. Darin sorgsam drapiert gelbe, orangene und grüne Kürbisse aller Art. Das Angebot wechselt täglich. Bischofsmützen, Pattison, Kobra, "Gelbe Zentner", Hokkaidos, Zierkürbisse. Kürbisse aller Art sind die große Leidenschaft von Felix Otto. Und die hat schon früh begonnen.

Seine ersten Kürbisse zieht er, als er gerade einmal so sechs Jahre alt ist. Da erklärt es sich beinahe von selbst, warum schon in der Grundschule "Hubert" sein Spitzname ist. "Hubert" stammt ab vom Bauern Hubert aus einem Kinderbuch. Die Liebe zu den Kürbissen ist geblieben, der Spitzname auch.

Das Kürbisfeld von Felix Otto liegt gleich hinter dem Elternhaus. Drei Reihen, 120 Meter lang, 150 Pflanzen. Mit dem Verkauf der Ernte verdient er sich ein kleines Taschengeld. Vom Feld bugsiert er die mehr oder weniger dicken Dinger mit dem Fahrradanhänger vor zum Straßenrand. Abends, bevor es dunkel wird, bestückt er die Stiegen immer neu. Des Nachts ist noch nie etwas abhandengekommen. Auch nicht die Kasse des Vertrauens. Morgens radelt der Zehntklässler dann auf dem Weg zur Lingenthal-Oberschule in Ortrand am eigenen Stand vorbei und wirft einen letzten prüfenden Blick auf ihn.

Für seine Kürbisse war es ein guter Sommer. Die Prachtexemplare der "Gelben Zentner" bringen es locker auf 60 Kilogramm. Mit der Ernte kaum hinterher kommt der passionierte Kürbisbauer bei den Hokkaidos, die inzwischen schon vergriffen sind. Sonderwünsche wie nach Arzneikürbis erfüllt Felix Otto gern. Im nächsten Jahr will er den grünen Kürbis mit dem festen Fleisch wieder in sein Sortiment aufnehmen.

Aus dem Jannowitzer Hobby-Kürbisbauern mit festem Kundenstamm bis aus Senftenberg und Lauchhammer soll 2017 dann auch ein richtiger Bauer, will heißen Landwirt, werden. Der Zehntklässler will den Beruf seines Vaters bei der Agropei in Peickwitz erlernen. Seine Bewerbungsreferenzen können sich auf jeden Fall sehen lassen: Neben den praktischen Erfahrungen auf dem familieneigenen Kürbisacker peilt Felix Otto auch einen sehr guten Schulabschluss mit einem Einser-Spiegel in allen Naturwissenschaften an.