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| 16:46 Uhr

Der Kreuzotter auf der Spur

Die Kreuzotter ist höchst selten geworden im angestammten Lebensraum an der Schwarzen Elster.
Die Kreuzotter ist höchst selten geworden im angestammten Lebensraum an der Schwarzen Elster. FOTO: Norbert Otte
Senftenberg. An schwülwarmen Tagen und nach längeren Regenperioden reist Norbert Otte aus Berlin am liebsten in der Lausitz an. Der Experte für Reptilien und Amphibien hält in Südbrandenburg dann Ausschau nach einer ausgewiesenen, aber scheuen Sonnenanbeterin. Kathleen Weser

Mit dem dunklen Zickzack-Band auf dem langen Rücken ist die Kreuzotter, die zur Familie der Vipern gehört und in Deutschland die einzige natürlich vorkommende Giftschlange ist, zwar gut zu erkennen - aber selten zu sehen.

"Wir haben im Kreisgebiet kaum Altnachweise zur Kreuzotter. Und innerhalb von Gutachten spielt das Reptil leider überhaupt keine Rolle. Denn Vorkommen dieser seltenen Art werden nicht automatisch untersucht", klärt Jürgen Jentsch, der Artenschutz-Experte der Naturschutzbehörde Oberspreewald-Lausitz, auf. Die vom Aussterben bedrohte Kreuzotter sei im europäischen Schutzprogramm für akut gefährdete Lebensräume von Pflanzen und Tieren (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie/FFH) schlicht vergessen worden.

Der gelernte Tierpfleger Norbert Otte, der die drei Brandenburger Vorkommen seit Jahrzehnten erforscht, bedauert gerade das sehr. "Die Kreuzotter ist die Leitart für Moore, die als Lebensraum hierzulande die stärksten Verluste verzeichnen", erklärt er. Die intensive Landwirtschaft und das Aufforsten unterm Schirm, also der Verzicht auf Kahlschlagflächen, entziehen der Schlange das natürliche Umfeld. Denn das Winterquartier muss frostfrei und trocken sein. Unweit davon, in einer Entfernung von nur etwa 300 Metern, werden im Frühjahr zur Paarungs- und Brutzeit trockene Sonnenplätze benötigt. Die Weibchen gebären lebend. Im Sommer fühlt sich die Kreuzotter an Waldrändern, Feldrainen, auf Wiesen und in Moorlandschaften wohl. Das sind Biotope, die in Südbrandenburg rar geworden sind. Der Berliner Reptilien-Fachmann geht mit Blick auf historische Angaben zu heimischen Vorkommen davon aus, dass 80 bis 90 Prozent der einst vorhandenen Kreuzotter-Population bereits verloren sind. Die Naturräume im Süden des Kreisgebietes lassen noch Tiere vermuten. Die jüngsten verlässlichen Nachweise südlich der Schwarzen Elster stammen aber aus den 70er- und 80er-Jahren aus Niemtsch. Deshalb, so auch Artenschützer Jürgen Jentsch, muss gehandelt werden. Der Experte der Kreis-Naturschutzbehörde lässt den Bestand untersuchen. Denn Geld aus den Töpfen, die Kraft Gesetzes beispielsweise für das Versiegeln von Flächen eingefordert werden, sollen in den Kreuzotter-Schutz gelenkt werden; über den Vertragsnaturschutz und ehrenamtlich engagierte Lausitzer.

Und Norbert Otte ist nach Hinweisen vor allem von Pilzsammlern und Spaziergängern auf der Suche nach den Tieren in deren angestammten Lebensräumen auch fündig geworden - in den Heidemooren um die Peickwitzer Teiche, in Hohenbocka, im Rohatsch-Gebiet bei Guteborn, in Bärhaus, um Grünewalde bis in den Loben. Eine überfahrene Kreuzotter ist auf dem Radweg zwischen Biehlen und Peickwitz entdeckt worden. Über natürliche Feinde, wie Wildschweine und Störche, hinaus, auf deren Speiseplan die Schlange steht, ist der warme Asphalt für die sonnenhungrigen Tiere die Todesfalle.

Nun soll der Lebensraum westlich der Autobahn 13 untersucht werden - vor allem die Ruhlander Heide und der Frauendorfer und der Tettauer Forst. "Wir sind dabei auch auf Hinweise der Bürger angewiesen", sagt Norbert Otte. Bei bewölktem Sommerwetter seien Kreuzottern besonders aktiv. Sie sonnen sich am liebsten bei Temperaturen von 30 bis 33 Grad Celsius und sind - entgegen allgemein verbreiteter Befürchtung - alles andere als angriffslustig. Nur wenn die Schlange plötzlich angefasst werde, schlage sie mit dem Giftzahn zu. "Sonst ist sie scheu und zieht sich zurück", versichert Otte. Das platte Kopfschild der Kreuzotter ist zudem so individuell, dass sie sehr gut wiederzuerkennen ist. "Ein Tier habe ich im Havelland elf Jahre verfolgen können", sagt er.

Zum Thema:
Im Land Brandenburg sind drei Vorkommen der Kreuzotter bekannt: im Havelland, in der Uckermark und im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises mit Einzeltieren an zwei bis drei Standorten.Weitere Hinweise sind erbeten. Kontakt: Naturschutzbehörde Oberspreewald-Lausitz Jürgen Jentsch Artenschutzbeauftragter Telefon: 03541 8703485