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| 10:54 Uhr

Der Kostümwart der Witz-Figuren

Lauchhammer. Auch Not-Reparaturen gehören zur närrischen Pflicht der Mitglieder im Karnevalsclub Lauchhammer (KCL) – wenn nicht der untrügliche Beweis erbracht ist, dass der Umgang mit Nadel und Faden lebensbedrohlich werden kann. Kostümwart Bernd Irmisch gibt lachend zu, bei ihm ist das nicht der Fall. Im Gegenteil: "Den Grundkurs im Nähen, Häkeln und Stricken hab’ ich als Kind mal gehabt. Aber in die Verlegenheit, da gefordert zu sein, bin ich seitdem zum Glück nicht mehr gekommen." Dabei ist das Risiko gar nicht gering. Denn Bernd Irmisch kleidet die Witz-Figuren ein. Von Kathleen Weser

Kurz vor dem Saison-Start wird’s stressig. Im Kostümverleih geht Bernd Irmisch praktisch ein und aus, sobald die heiße Phase der Programm-Vorbereitungen beginnt. "Da besteht bei jeder Probe die Gefahr, dass noch eine völlig neue Garderobe gebraucht wird", erzählt der Lauchhammeraner. Allerdings ist das nicht der einzige Grund für die "Präsenz-Pflicht" kurz vor dem ersten Auftritt. "Die Arbeit geht vor. Viele Mitglieder sind im Schichtdienst tätig. Da wird das Personal schon mal knapp. Und wer nicht anwesend ist, muss immer damit rechnen, an einem Programm-Punkt zum Einsatz zu kommen, um den sich kein anderer reißt", plaudert Irmisch aus dem Nähkästchen. Zum Verein ist er selbst übrigens gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. "Vor 25 Jahren bin ich zum Schwof in den Volkspark gegangen. Mein Kumpel Mani musste auftreten. Prompt saß ich als seine Vertretung für die Zeit an der Kasse – und war Mitglied." An seinen ersten Bühnenauftritt erinnert sich Bernd Irmisch sehr wohl genau. "Das war Schwanensee", erzählt er. "Mehr als vier Mann haben damals beim Programm nicht mitgemacht. Die meisten waren Statisten", erinnert er sich. Die Kostümfrage stand damals also nicht so krass wie heutzutage. Für die Vereinskluft ist beim KCL nämlich schon immer jeder selbst verantwortlich. Allerdings verlangt(e) das Publikum stetig nach neuer Unterhaltung. Und über die Jahre ist der Fundus dadurch so gewachsen, dass Bernd Irmisch nach Übernahme des Amtes als Kleiderwart seinen Dachboden ausbauen musste. "Viele Kostüme machen wir selbst. Die Chinesen vom vergangenen Jahr waren beispielsweise Marke Eigenbau. Meine Schwiegermutter näht für den Verein. Und unsere Vereinsfrauen packen natürlich auch mit an." Logisch, dass Ehefrau Sylvia und Tochter auch im Verein mitmischen. Jenny (14) ist Tanzmariechen. Pleiten, Pech und Pannen hat’s in den Jahren, die Bernd Irmisch dabei ist, beim närrischen Volk schon gegeben. "Wir haben’s aber immer ganz gut hingebogen", erzählt er. "Den meisten Spaß haben wir bei den Proben. Da geht meist so viel schief, dass die Rolle dann zum Auftritt garantiert irgendwie passt." Apropos passgenau: Einen besonderen Blick für die Pölsterchen, die sich bei den karnevalistischen Mitstreitern so übers Jahr zur nächsten Session gebildet haben, hat Bernd Irmisch schon von Dienst wegen entwickelt. Die (neuen) Größen schätzt er inzwischen mit hoher Zielgenauigkeit absolut treffsicher. Denn: "Danach fragt man nicht", sagt er schmunzelnd. "Im Kostümverleih erkläre ich den Experten dann meist an meiner Figur mit welchen Abweichungen nach oben oder unten das Kostüm noch gebraucht wird." Ganz ohne das Maßband anlegen zu müssen. Kurz vor der Angst ist übrigens besonderes Organisationstalent gefragt. Denn es liegt in der Natur der fünften Jahreszeit, dass alle Vereine punktgenau am gleichen Wochenende in die neue närrische Session feiern. "Auch diesmal gibt’s ein Problem. Der Stier war im Cottbuser Fundus leider schon vergriffen." Doch Ersatz ist beschafft. Wenn auch nicht ganz stilecht. "Nach Schwarzheide und Plessa haben wir den Draht glühen lassen", verrät der Kostümwart. "Mehr als eine Kuh für den Torero haben wir uns aber nicht mehr zusammenpumpen können – für die Proben. Aber auch wenn wir am Sonnabend aufs Alternativ-Kostüm zurückgreifen müssen, für Spaß ist gesorgt." Mückenberg, Helau! Service
Närrischer Start Unter dem Motto "Auf seine eigene Weise geht der KCL auf Weltenreise" starten die Karnevalisten aus Lauchhammer morgen in ihre 31. Session. 11.11 Uhr erfolgt die traditionelle Schlüsselübergabe vor dem Rathaus Lauchhammer-Süd. Im gut beheizten Festzelt wird am Sonnabend im Schlosspark Lauchhammer-West gefeiert. Einlass: 18 Uhr.