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| 02:53 Uhr

Der Kampf um die Mieter wird härter

In die Wohnquartiere in Lauchhammer soll investiert werden. Die Stadt steht dabei mit in der Pflicht.
In die Wohnquartiere in Lauchhammer soll investiert werden. Die Stadt steht dabei mit in der Pflicht. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Lauchhammer. Der Kampf um immer weniger Mieter auf dem Wohnungsmarkt in Lauchhammer wird härter. Die kommunalen Wohnungen sind in Privathand verkauft – an den Berliner Unternehmer Udo Krollmann (65), eine schillernde Persönlichkeit im Immobiliengeschäft. Kathleen Weser

Der Ruf ist Udo Krollmann nach Lauchhammer voraus geeilt. Der Unternehmer, der im Ruhrpott als Autohändler und Diskothekenbetreiber begonnen hat und später ins Immobiliengeschäft eingestiegen ist, beantwortet die brennendste der aufgekommenen Fragen mit äußerster Gelassenheit: Rote Laternen sind nicht über den Hauseingängen zu erwarten. An Damen des Rotlichtmilieus habe er einst zwar Wohnungen vermietet. "Aber das war kein gutes Geschäft", resümiert der Wahl-Berliner. In die Schlagzeilen war Udo Krollmann zuletzt nach tödlichen Schüssen auf einen Rechtsanwalt in Berlin geraten, mit dem er geschäftlich und freundschaftlich verbunden war.Zu den östlichen Bundesländern hat der Geschäftsmann eine besondere Affinität entwickelt. In Kamenz, Dresden, Berlin, Leipzig und Mecklenburg-Vorpommern hat der Unternehmer Häuser und Wohnungen gekauft. Dadurch sei sein Interesse an dem kommunalen Wohnungsbestand in Lauchhammer geweckt worden. Trotz Kenntnis über den anhaltenden Bevölkerungsschwund und die damit einher gehende Leerstandsentwicklung "halte ich das überhaupt nicht für verrückt", sagt Udo Krollmann. Er ist sich sicher, hier gutes Geld verdienen zu können. Sein Anspruch ist auch eine Kampfansage: "Der schwierige Markt ist eine Herausforderung. Wir müssen und werden die Besten sein."

Der Wohnungsbestand der Stadt Lauchhammer gehört nunmehr der Lauchhammer Bauverein Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG mit Sitz in Berlin. Die Mieterbetreuung erfolgt durch die Lauchhammer Bauverein Verwaltungsgesellschaft. "Für diese sind wir bemüht, auch Mitarbeiter der bisherigen Wohnungsverwaltung als feste Ansprechpartner für die Mieter zu gewinnen", erklärt Udo Krollmann. Der Kaufvertrag ist zum 1. Dezember des laufenden Jahres geschlossen. Zum Komplettpaket des Wohnungsbestandes sind auch die Mehrgeschossbauten mit Eigentumswohnungen erworben worden. Denn die kommunale Großvermieterin war auch in den acht Eigentümergesellschaften - wie im Otto-Hurraß-Eck - im Besitz der Mehrzahl der Wohnungen geblieben. "Für die Mieter und die Wohnungseigentümer wird der Eigentümerwechsel, was die laufende Verwaltung betrifft, kaum spürbar sein", versichert Udo Krollmann. Die Verwaltungsgesellschaft zieht in das Bürohaus neben der Sparkasse in der Kleinleipischer Straße.

"Nachhaltigen Erfolg wird hier in Lauchhammer als Vermieter dauerhaft nur der haben, der Qualität bietet", sagt der Erwerber. Zuerst werde der Sanierungsstau in den Wohnhäusern behoben. "Wir vermieten nur noch sanierte und renovierte Wohnungen", erklärt er. Küchen, Laminatböden und freundliche Treppenhäuser stellt er in Aussicht. Nach dem Jahreswechsel gehe es los. Örtliche Handwerksbetriebe und Leute, die beim Entkernen von Wohnungen helfen, wolle er einsetzen. In anderthalb Jahren sollen alle Wohnungen vermietungsfähig hergerichtet sein. "Das ist ein realistisches Ziel", versichert der Berliner, der seit mehr als 30 Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist. "Wir haben auch sehr schön sanierte Bestände erworben", sagt er.

Das Stadtumbau-Programm für Lauchhammer werde unterstützt. Nur einige wenige Wohnungen sind aus der geplanten Abrisskulisse genommen worden. Doch das unternehmerische Bekenntnis zum Rückbau ist auch mit einer klaren Forderung an die Stadt verbunden: Die Fördergelder, die zur Hälfte für die Aufwertung des Stadtbildes ausgereicht werden, müssen konsequent in die Verkehrsinfrastruktur der Wohngebiete investiert werden. Vor allem die Gehwege haben es bitter nötig.