ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 00:00 Uhr

Der Kampf für benachteiligte Menschen

Lauchhammer.. Geplant hatte Bärbel Glaser nicht damit, dass sie einmal ein Ehrenamt betreuen wird. Dann wurde die damalige Disponentin bei der BAG in Brieske 1998 arbeitslos. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich merkte, dass es keine Arbeit gibt“ , sagt sie. Steffen Rasche

Weil sie nicht einfach ruhig zu Haus bleiben kann, hat sie sich eine Arbeit gesucht - eine unbezahlte. „Ich brauche den Kontakt zu Menschen“ , sagt sie. Seit 1999 ist sie die Behindertenbeauftragte der Stadt Lauchhammer, im Ehrenamt.
1999 bewarb sich Bärbel Glaser für den Posten der ersten Behindertbeaufragten der Stadt Lauchhammer. Vorher war die Betreuung der gehandicapten Menschen im Sozialressort angesiedelt. „Dann wurde ich angeschrieben und musste vor allen Abgeordneten der Stadt auftreten“ , erzählt sie vom aufregenden „Bewerbungsgespräch“ . „Da war ich schon platt. Es sollte ja nur ein Ehrenamt sein.“ Inzwischen weiß sie, dass das „nur“ nicht die richtige Charakterisierung ihrer Arbeit ist. Seit acht Jahren koordiniert sie zwischen behinderten Menschen und der Stadtverwaltung, berät Behinderte, erzählt ihnen, welche Rechte sie haben, welche Anträge sie stellen können, um ihr Leben zu erleichtern. Nach Angaben des Landkreises Oberspreewald-Lausitz leben in der knapp 19 000-Einwohnerstadt Lauchhammer 1990 schwerbehinderte Menschen. 85 Prozent von ihnen sind durch Krankheiten eingeschränkt. 57 Prozent von ihnen sind 65 Jahre oder älter.
Die Probleme, mit denen sie zu Frau Glaser in die Sprechstunde kommen, reichen weit über Ausfüllschwierigkeiten bei Anträgen oder dem Fehlen von Behindertentoiletten hinaus. Oft hilft die 50-Jährige auch nur damit, dass sie ein offenes Ohr hat. „Ich mache auch Hausbesuche, wenn Leute nicht zu mir kommen können. In vertrauter Atmosphäre geht es dann auch oft um allgemeine Probleme. Dann schweifen die Gespräche auch ab von der Behinderung“ , sagt sie. Das gehöre zu ihrer Arbeit. „Anders könnten die Menschen gar kein Vertrauen zu mir haben.“
Stück für Stück hat sie ihr Klientel in Lauchhammer aufgespürt. Da sie als erste Behindertenbeauftragte der Stadt anfing, musste sie erst einmal herausfinden, wer in Lauchhammer überhaupt behindert ist. „Es gab zwar auch Listen von der Stadt, aber ich musste mir da wirklich was einfallen lassen, um an die Leute ranzukommen“ , sagt sie. Sie wandte sich an den Wequa e.V., der ebenfalls Behinderten bei Problemen hilft. Dort hat sie nicht nur Unterstützung fürs Ehrenamt bekommen. Der Kontakt bescherte ihr eine ABM-Stelle in dem Verein. Inzwischen ist sie fest angestellt. Ihr Ehrenamt will sie trotzdem behalten. Zu viele Aufgaben lägen ihr noch am Herzen. Priorität hat der Kampf für behindertengerechte Bedingungen im Vereinshaus, das in die ehemalige Realschule umgezogen ist. „Vielleicht kriegen wir es hin, dass ein Lift angebracht wird, denn dort ist nichts zu ebener Erde.“ Für Rollstuhlfahrer ein Problem. Bärbel Glaser kann nicht so einfach hinnehmen, dass Behinderte dadurch von einem wichtigen kulturellen Lebensmittelpunkt in Lauchhammer ausgeschlossen werden. „Aber ich weiß natürlich auch, dass es viel Geld kostet, das oft nicht da ist. Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Auf der einen Seite die klamme Kasse der Stadt. Aber trotzdem versuche ich immer, das Beste für behinderte Menschen in rauszuholen.“

RUNDSCHAU-Serie Ehrenplatz fürs Ehrenamt
Sie kassieren im Seniorenverein, waschen die Fußballerkleidung, trainieren den Nachwuchs, helfen Behinderten, fegen den Dorfanger oder sind sonst für andere da - ehrenamtlich. Ihnen soll in der neuen RUNDSCHAU-Serie ein Ehrenplatz gehören.
Sie kennen einen, dem er gebührt? Dann lassen Sie es die Heimatzeitung wissen und melden sich unter: red.senftenberg@lr-online.de oder Telefon 03573 37 64 21.