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| 22:36 Uhr

Wetter-Rückblick auf Juni
Das Juni-Wetter war ein Scharfrichter

 Die späte Heumahd Ende Juni hilft den Störchen bei der Futtersuche. Hier suchen die Adebare in der Flur Lindenau hinter dem Traktor nach Leckerbissen.
Die späte Heumahd Ende Juni hilft den Störchen bei der Futtersuche. Hier suchen die Adebare in der Flur Lindenau hinter dem Traktor nach Leckerbissen. FOTO: Renate Kupfer
Mehr als vier Grad zu warm und mit neuem Sonnenschein-Rekord – so präsentierte sich der Juni in diesem Jahr schon hochsommerlich. Von Rudolf Kupfer

Der Frühling 2019 verabschiedete sich in diesem Jahr mit einem Blitzstart in den Hochsommer, der sofort anhaltend und ungewöhnliche Gluthitze brachte. Bei dauerhaften Hochdruckwetterlagen brannte die Sonne 351 Stunden unbarmherzig auf die Erde. Ein Rekordwert, den Michael Wesnigk in Klettwitz an seiner Messstelle noch nie für einen Monat registriert hat. Immerhin ist das ein Durchschnitt von fast zwölf Stunden täglich.

Die über vier Grad zu hohen Temperaturen, die ausgebliebenen Niederschläge in der zweiten Monatshälfte und die geringe Luftfeuchtigkeit wirken auf den Sandboden der Lausitz wie ein Scharfrichter. Landwirt Reiner Wolschke aus Großräschen kann gegenwärtig an den zunehmend vertrocknenden Sonnenblumen-, Buchweizen- und Maisfeldern nicht mehr vorbei fahren. Bei diesen und anderen Kulturen sind größere oder gar totale Ernteausfälle zu befürchten.

Selbst bei jetzt einsetzendem Regen können sich diese Pflanzen nicht mehr erholen. Aus seiner Sicht ist die Dürre in diesem Jahr bisher noch schlimmer als 2018.

Die Wetterregel: „Die letzte Dekade im Juni und die erste im Juli bestimmen den Charakter des Sommers“, lässt wenig Hoffnung auf Veränderungen erwarten. In Chroniken für Deutschland ist zu lesen, dass beispielsweise 1491, 1584 und 1793 Dürren besonders im Frühjahr und Sommer dazu führten, dass Flüsse völlig ausgetrocknet sind, Sommergetreide auf dem Halm vertrocknet ist und Erlenbäume abgestorben sind. Aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, wie unter solchen Bedingungen die Menschen ohne Trinkwasserversorgung und Elektrizität diese Belastungen gemeistert haben.

In der Gegenwart sichern Bewässerungsanlagen, Kühlsysteme und überregionale Zulieferungen die Versorgung mit Nahrungsmitteln. „Es ist alles schon einmal dagewesen“, meint Dieter Georgie aus Lauchhammer, dessen Wetteraufzeichnungen bis 1950 zurückreichen. Besonders erinnert er sich in diesem Zusammenhang an eine Dürreperiode im Juni 2002, der im August das Jahrhunderthochwasser folgte.

Enorme Unterschiede gab es erneut im Niederschlagsgeschehen in der Region im Juni 2019. Während Günter Kobel in Ortrand nur magere 20 mm im Messbecher hatte, waren es in Klettwitz mit 72 mm sogar mehr, als die Monatsnorm von 69 mm. Zwei ganz lokale Wolkenbrüche, die mit Gewittern verbunden waren, brachten hier am 6. und 10. Juni 65 mm Himmelswasser.

Wichtig ist für Gabriele Haußmann in Hörlitz, bei der anhaltenden Trockenheit ständig ihre Vogeltränken mit Wasser aufzufüllen, sowie Bäumen, Sträuchern und Blumen Wasser zu geben. Die ausgedörrten Rasenflächen sind nicht mehr zu retten und erhalten kein extra Nass. Die Mitglieder des Tettauer Heimatvereins gehen in diesen Tagen mehrmals in der Woche, wie bereits auch schon im Vorjahr, auf Tour, um neu gepflanzte Laubbäume zu bewässern.

Noch rechtzeitig vor der großen Hitzeperiode sind in Großkoschen bei Klaus Hirsch die Stare von der zweiten Brut ausgeflogen. Schwalben haben bedingt durch das trockene Wetter beim Nestbau Schwierigkeiten und zum Teil relativ spät mit der Brut begonnen.

Zwei völlig entgegengesetzte Düfte waren Anfang Juli vielerorts im Landkreis wahrnehmbar. Einmal der lieblich süße Duft der intensiv blühenden Winterlinden und andererseits der Geruch vom 300 km entfernten Waldbrand in Mecklenburg Vorpommern. Bei der anhaltenden Trockenheit warten nicht nur die Wetterfrösche tagtäglich auf den erlösenden Regen.

 RUNDSCHAU- Wetterfrosch Rudolf Kupfer.
RUNDSCHAU- Wetterfrosch Rudolf Kupfer. FOTO: privat