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| 01:29 Uhr

Der Gutsherr ist ein Physiker

Gutsherr Martin Giersch hat mit seinem Anwesen in Schwarzbach noch viel vor. Foto: Steffen Rasche/str1
Gutsherr Martin Giersch hat mit seinem Anwesen in Schwarzbach noch viel vor. Foto: Steffen Rasche/str1 FOTO: Steffen Rasche/str1
Für Schwarzbach ist er ein Glücksfall: Martin Giersch, ein junger Physiker aus Wien, der vor neun Jahren ausgezogen ist, um ein Schloss vor dem drohenden Verfall zu retten. Koffer voller Geld brachte der Naturwissenschaftler nicht mit. Dafür aber eine Unmenge an Ideen und was besonders wichtig ist: einen langen Atem. Schritt für Schritt haucht der 35-jährige Gutsherr dem barocken Ensemble am Schwarzbacher Lindenplatz neues Leben ein. Im Schloss will er ein Energie- und Umweltzentrum etablieren, das europaweit agiert. Von Andrea Budich

Der Gutsherr kommt hemdsärmelig daher und verzichtet aufs Personal. Was am 1727 erbauten Gut zu machen ist, erledigt er selbst. Lebensgefährtin Vera, Bruder Gregor und sein Schwiegervater helfen. Einquartiert hat sich der Gutsherr ganz bescheiden im ehemaligen Gesindetrakt unterm Dach. Das blaue Blut ist ihm nicht in die Wiege gelegt worden. Gutsherr ist er seit dem Frühjahr 2002. Damals kaufte er den 300 Jahre alten Schwarzbacher Gutshof von der Gemeinde ab.

Interessenten hat es seinerzeit viele gegeben, erinnert sich Bürgermeisterin Gabi Theiss (SPD). Sie kamen bis aus Südamerika ins verträumte brandenburgische Nest mit gerade einmal 500 Bewohnern. Viele fuhren in schweren schwarzen Nobelschlitten vor, aber auch ziemlich unvermittelt wieder ab. Der schlechte Zustand des historischen Gemäuers und die zu erwartenden schwindelerregend hohen Investitionssummen schreckten ab. Martin Giersch hingegen reizte die einmalige Herausforderung. Er sagte Ja zum Abenteuer seines Lebens.

Bereut hat er seine Entscheidung nicht. Wenngleich er seit dem Kauf Zigtausende Kilometer auf der Autobahn „gelegen“ hat. Wenigstens einmal im Monat düst er von Wien über Prag zu seinem Anwesen nach Schwarzbach. Auf den 500 Kilometern kennt Martin Giersch schon beinahe jeden Baum. Weil er beruflich neuerdings viel in Pisa beschäftigt ist, hat sich sein Anfahrtsweg auf 1200 Kilometer erhöht.

Auch ohne den ganz großen Batzen Geld hat Martin Giersch den maroden Herrschaftssitz schon ziemlich umgekrempelt. Nach Entrümpelung, Risssanierung, statischer Sicherung und dem Anschluss ans Stromnetz hat er die Fassade in altem Glanz erstrahlen lassen. Die 42 Kastenfenster sind allesamt Spezialanfertigungen nach historischen Fotografien. Tischlermeister Udo Herrmann aus Schwarzbach hat sie angefertigt. Nach der Fassade ist das Dach mit Biberschwänzen neu eingedeckt worden. 15 000 Euro sind dafür aus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geflossen.

Nach Abschluss der Außensanierung soll im nächsten Jahr die Restaurierung der Innenräume in den beiden unteren Etagen erfolgen. Alles soll so hergerichtet werden, wie es früher war. Im Jagdzimmer mit den freigelegten Balken will der Gutsherr die grün-blaue Wandmalerei wieder aufblühen lassen. Ebenso den marmorierten Sockel. Im hinteren Salon ist ein Walzenmuster entdeckt worden. 120 000 Euro wird die Innensanierung verschlingen.

In den restaurierten Räumen des Gutes wird künftig das Energie- und Umweltzentrum Schwarzbach seinen Sitz haben. Projektträger für Forschungsvorhaben ist der in Schwarzbach neu gegründete Verein ARENUM. „Wenn der Verein es schafft, noch in diesem Jahr ein Projekt mit Förderzusagen an Land zu ziehen, dann kann auch die Finanzierung für die Innensanierung gestemmt werden“, ist der Schlossherr optimistisch. Hinter der Kulisse des Märchenschlosses wird also eine Energie- und Umweltzentrale ihre Arbeit aufnehmen.

Das historische Gemäuer bietet nach den Vorstellungen von Martin Giersch aber auch Platz für Hochzeiten und Liederabende. Ein kleiner Konzertflügel soll angeschafft werden.

Zum Thema:

Gut Schwarzbach öffnet seine PfortenSonnabend 18 Uhr – einstündige Führung mit Gutsherr Martin Giersch19 Uhr – Diaprojektion zum Gutshaus, Geschichte und BaumaßnahmenSonntag10, 14 und 17 Uhr – Führungen durch das barocke Gut SchwarzbachAusstellung zur Regionalgeschichte, historische Eisenbahnmodelle14 bis 18 Uhr – Rundgang durch die Kita „Schlossgeister“, die zum Gutsensemble gehört. Die kleinen Gäste können sich auf Hüpfburg, Kinderschminken, Sinnespfad und Bastelideen freuen.Anwohner des Lindenplatzes laden ins historische Kellergewölbe der ehemaligen Gärtnerei und zum Plausch in den Garten ein. Sie zeigen kleine Schätze aus ihrer privaten Fotokiste.