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| 18:51 Uhr

Ehrenamt in Oberspreewald-Lausitz
Der große Organisator im Kulturdorf Wormlage

Thomas Hendrischk kann mit Pferden, aber auch mit Menschen. Dass er fest auf Sättel oder Kutschbänken sitzt, hat der 33-Jährige sehr oft bewiesen. Die Erfahrungen nutzt er jetzt, um in seinem Heimatdorf Wormlage die jährlichen Kutschentreffen mit kombinierten Hindernisfahrten auszurichten. Übrigens: Papa Ralf Hendrischk zählt zu den erfahrenen Kutschern, die die derzeit laufende „Titanen on Tour“  von Brück (Potsdam-Mittelmark) ins 2300 Kilometer entfernte Weliki Nowgorod (Russland) auf einem Teilabschnitt begleiten.
Thomas Hendrischk kann mit Pferden, aber auch mit Menschen. Dass er fest auf Sättel oder Kutschbänken sitzt, hat der 33-Jährige sehr oft bewiesen. Die Erfahrungen nutzt er jetzt, um in seinem Heimatdorf Wormlage die jährlichen Kutschentreffen mit kombinierten Hindernisfahrten auszurichten. Übrigens: Papa Ralf Hendrischk zählt zu den erfahrenen Kutschern, die die derzeit laufende „Titanen on Tour“ von Brück (Potsdam-Mittelmark) ins 2300 Kilometer entfernte Weliki Nowgorod (Russland) auf einem Teilabschnitt begleiten. FOTO: Uwe Hegewald
Wormlage. Thomas Hendrischk ist im Dorf aufgewachsen. Jetzt macht er das Landleben für alle Generationen mit guten Ideen und Engagement attraktiver. Von Uwe Hegewald

Er passt auf jeden Sattel, in jedes Kostüm und unter jeden Hut: Wenn Wormlage zu Kulturveranstaltungen ruft, zählt Thomas Hendrischk oftmals zu den Ersten, die die Rufe wahrnehmen. „Ich wohne seit Kindesbeinen im Dorf. Da ist es fast selbstverständlich, dass man sich einbringt“, sagt er.

Das Wort des 33-Jährigen hat Gewicht, schließlich ist er gleich mehrfach geadelt. Wenn erforderlich, schlüpft er in die Rolle des Ritters Wormlitz, der zentralen, historischen Figur von Wormlage. Zudem ist er 2012 beim Brandenburger Dorf- und Erntefest in Muckwar (Gemeinde Luckaitztal) mit dem Sieg beim Hahnenrupfen-Wettbewerb zum Erntekönig-Titel geritten.

Klar, dass ein König dann auch bei der Wahl seiner Gemahlin sehr genau hinschaut und standesgemäß entscheidet. Am 21. Juni 2014 gab ihm mit Carina (geborene Läser) Brandenburgs Erntekönigin 2012/2013 das Ja-Wort. Für Thomas Hendrischk ein doppelter Glücksfall, brachte sie als Königin die Voraussetzungen mit, um an Super-Hahnenrupfen im Spreewald teilnehmen zu können. „Bei denen sind nur Teilnehmer mit weiblicher Begleitung in traditioneller Tracht zugelassen“, erklärt er. Wie verrückt muss man sein, um durch ein meterhohes Tor zu reiten und dabei nach einem Hahn zu greifen, der am oberen Balken befestigt ist? „Etwas Mut, ein bisschen reiterliches Geschick und ein vertrauensvolles, ausgeglichenes Pferd genügen. Schließlich geht es fast auf dem Sattel stehend durchs Tor“, erklärt der Wormlager mit gelassener Nüchternheit.

Thomas Hendrischk ist mit Pferden aufgewachsen, hat an zahlreichen Stollenreiten teilgenommen, um sich anschließend auf Kutschbänken zu bewähren. „Wenn es sich einrichten lässt, bin ich bei regionalen Kutschentreffen dabei“, so der Pferdeliebhaber, der 2011 das Fahrabzeichen der Klasse 4 abgelegt hat.

Beim heimischen Kutschentreffen, am kommenden Sontag ist er nicht nur Teilnehmer am kombinierten Hindernisfahren, sondern auch Dreh- und Angelpunkt des Stelldicheins der Ein- und Zweispänner. Rund 20 Gespanne werden auf dem ehemaligen Festplatz im Park von Wormlage erwartet. Dass eine solche Veranstaltung inklusive Ponyreiten, Hüpfburg und freiem Eintritt nicht aus eigener Kraft gestemmt werden kann, steht außer Frage. „Ohne zupackende Hände von Leuten im Dorf, insbesondere aus unserem Dorfclub würde das nicht funktionieren“, stellt Thomas Hendrischk klar.

Dass sich untereinander geholfen werde, sei ebenso selbstverständlich wie notwendig. Als es etwa darum ging, zum diesjährigen Dorffest neun Indoorcycling-Räder und ebenso viele Jumping-Trampolins vom Senftenberger Fitnessstudio Sakura nach Wormlage zu transportieren, stand das Team von Thomas Hendrischk mit entsprechendem Autoanhänger parat. „Wir haben das von den Erwachsenen nicht anders gelernt“, erklärt er und erntet von Heike Ambroz ein zustimmendes Nicken: „Es gibt mehrere Familien im Dorf, in denen Kinder gemeinschaftliche Aktivitäten fortführen, die ihre Eltern einst angeschoben oder begleitet haben.“ Bei der Fülle an Kultur- oder Traditionsveranstaltungen sowie der einzelnen Aktionsgruppen muss das auch so sein, sagt sie.

Neben dem Dorfclub, den Sportlern des SV Rot-Weiß Wormlage und der freiwilligen Feuerwehr ist in dem Großräschener Ortsteil auch der bekannte Kulturregen-Verein beheimatet, den viele noch von seinen umjubelten Auftritten im Großkoschener Amphitheater kennen. Dass derzeit an einzelnen Positionen Umbrüche passieren, ist bekannt, führt aber in Wormlage nicht dazu, in Selbstmitleid zu verfallen. „Wir nehmen schon wahr, dass sich allmählich eine neue Jugendgruppe formiert und sich regelmäßig trifft“, nennt Heike Ambroz ein Beispiel. Auch sei das Bürgerhaus, das von Einheimischen kurz „Kulturhütte“ genannt wird, an allen Wochentagen belegt. Von Kindersport, Aerobic, High Intensity Cardio Interval Training über Tischtennis, Kulturregen-Minis-Treffen oder dem Tanzensemble-Abende werde jeder Altersgruppe attraktive Freizeitangebote unterbreitet. „Allein bei den Tanzgruppen ist die Zahl auf nunmehr sieben Formationen gestiegen“, informiert Heike Ambroz.

Berechtigter Stolz hallt in ihren Worten mit, ist es doch ihre Tochter Franziska, die gleich mehrere Tanzgruppen trainiert. Nach absolviertem Studium ist die Zahnärztin in die vertraute Heimat zurückgekehrt und führt seit einem Jahr im benachbarten Sallgast eine eigene Praxis. Thomas Hendrischk für permanentes Tanzen zu begeistern, gestaltet sich aufgrund der Zeit, die er bereits in seine Pferde investiert, als schwierig. Es sei denn, er muss mal wieder in eine Frauenrolle schlüpfen. „Zur jährlichen Kinder-Weihnachtsfeier wird von den Wormlager Familienvätern immer ein Märchen aufgeführt. Dort wurde ich schon dazu verdonnert, die Rolle einer Königin oder Prinzessin zur spielen“, sagt er in Anlehnung der Dorfphilosophie: Wormlage ist alles, außer gewöhnlich.