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| 09:00 Uhr

Lausitzer Modellbau-Ausstellung
Der größte Schaufelradbagger der Welt im Mini-Format

Peter Holz aus Spremberg hat in seinem Elektroniklabor mehr als 1000 Stunden an dem Schaufelradbagger-Modell gearbeitet.
Peter Holz aus Spremberg hat in seinem Elektroniklabor mehr als 1000 Stunden an dem Schaufelradbagger-Modell gearbeitet. FOTO: Josephine Japke / LR
Senftenberg. Lausitzer Modellbauer stellen am Wochenende in der Senftenberger Niederlausitzhalle einige spektakuläre Exponate aus. Von Josephine Japke

Die Drähte sind dünner als ein Haar, die Leuchten kleiner als eine Eintagsfliege. Jedes Modell wird von Peter Holz mit Lupenbrille und Pinzette gebaut. Doch Holz ist kein Chirurg, sondern Elektronik-Bastler mit Leib und Seele und der Erbauer des eines spektakulären Schaufelradbagger-Modells. „Ich tauche regelrecht aus der Realität ab und in das Modell ein, so sehr konzentriere ich mich auf die filigranen Kleinstarbeiten. Manchmal kriege ich stundenlang gar nichts mehr mit“, erzählt Peter Holz. Seit mehreren Jahren arbeitet er nun schon an dem Modell des Schaufelradbaggers vom Typ SRs 6300 – heute noch zu finden in den Lausitzer Tagebauen Welzow und Nochten. Etwa 1000 Arbeitsstunden hat er dafür im Elektroniklabor verbracht.

Peter Holz weiß, was er tut. Er hat eine klare Vorstellung davon, wo die Schraube sitzen und das Geländer befestigt werden muss. „Dieser Bagger liegt mir am Herzen, denn ich habe selbst zwölf Jahre lang im Tagebau gearbeitet und weiß wie der funktioniert“, erklärt er. Die Instandhaltung der Geräte und Elektronik war damals sein Fachgebiet und ist es noch heute. Wenn es irgendwo an der Anlage klemmt und sich nichts mehr bewegt, ist er da und löst das Problem. Auch den Fertigbausatz des Modells hat er nach seinen eigenen Wünschen mit 120 LED-Lichtern, sechs Motoren und acht Mikroprozessoren ergänzt. Für den gelernten Elektriker sind diese kleinen technischen Spielereien kein Problem.

Die Liebe zum Detail zieht sich durch die ganze Anlage, die alltägliche Szenen aus dem Leben der Lausitzer zeigt und ihre Geschichten erzählt. Dazu gehören Liebespaare in inniger Umarmung, Abschiedsszenen an Bahnhöfen und sogar ein Todesfall. Besonders detailliert ist eine Brikettfabrik dargestellt, aus der natürlich auch Rauch aufsteigt. „Unser ältestes Vereinsmitglied sitzt mit einer dicken Zigarre unten drunter und pustet den Qualm durch die Schornsteine“, bemerkt Peter Holz lachend. Dann klärt er auf: Eine modifizierte Rauchmaschine ist an die Anlage angeschlossen, die „von anderen Vereinen schon oft kopiert, aber nie erreicht wurde“.

Das Modell des Schaufelradbaggers vom Typ SRs6300. Das Original ist in den Tagebauen Welzow und Nochten bei der Arbeit und 243 Meter lang, 57 Meter breit, 63 Meter hoch und wiegt etwa 7000 Tonnen. Das Modell ist im Maßstab von 1:200 gebaut.
Das Modell des Schaufelradbaggers vom Typ SRs6300. Das Original ist in den Tagebauen Welzow und Nochten bei der Arbeit und 243 Meter lang, 57 Meter breit, 63 Meter hoch und wiegt etwa 7000 Tonnen. Das Modell ist im Maßstab von 1:200 gebaut. FOTO: Josephine Japke / LR

Stolz erklärt Holz: „Jeder, der aus der Region kommt, kann sich hier wiederfinden, genauso wie ich mich hier wiederfinde.“ Ebenso sei es seinen Freunden ergangen, als sie zum ersten Mal sein Modell und die gesamte Anlage bestaunten. „Viele von ihnen haben selbst im Tagebau oder in einer Fabrik gearbeitet. Sie schwelgen dann in Erinnerungen und können sich genau an jeden Treppenabsatz oder Schalthebel erinnern“, sagt er.

Peter Holz ist eines von 13 Mitgliedern im Lausitzer Modelleisenbahnverein, die zur 6. Lausitzmodellbau-Ausstellung an diesem Wochenende ihre besten Arbeiten zeigen. An der 22 Meter langen Anlage der Niederlausitz basteln die Männer schon seit 1994. Einige von ihnen arbeiten an den Schienen, andere am Modellbau der Gebäude und Peter Holz eben an der Elektronik. Doch wie in jedem Verein verhält es sich auch bei den Modellbauern: „Es gibt zehn Leute, die nichts machen und Bier trinken und zwei, die was machen und ranklotzen“, erklärt Holz mit einem Schmunzeln.

Einer, der ranklotzt, ist Holger Findeisen. Der gebürtige Leipziger hat schon mit 13 Jahren seine erste eigene Anlage gebaut und ist heute der Vorsitzende des Vereins. Bei ihm laufen die Schienen zusammen, denn als Vorsitzender hält er den Laden am Laufen, organisiert die Veranstaltungen und kümmert sich um die Finanzen. „Bei all der Bürokratie ist es schwierig, die Lust und Konzentration zum Bauen und Basteln zu finden“, beklagt er. Trotzdem überwiegen die Freude und der Stolz auf das Geleistete. „Insgesamt befinden sich in der Halle Exponate im Wert von einer halben Million Euro“, erklärt er. „Hier kann man so viel Spaß haben, wie auf einem Rolling Stones Konzert“,sagt er.

Lausitzmodellbau
18. und  19.November
Niederlausitzhalle Senftenberg
Sonnabend und Sonntag
jeweils 10 bis 18 Uhr

Holger Findeisen ist Vorsitzender des Lausitzer Modelleisenbahnvereins. Ein Jahr lang hat er die Lausitzmodellbau in der Niederlausitzhalle Senftenberg vorbereitet.
Holger Findeisen ist Vorsitzender des Lausitzer Modelleisenbahnvereins. Ein Jahr lang hat er die Lausitzmodellbau in der Niederlausitzhalle Senftenberg vorbereitet. FOTO: Josephine Japke / LR