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Der einzige Rat: Ruhe bewahren

Werkstattleiter Roland Klein (r.) und Maik Fritsch, der Inhaber des Autoservice Hörlitz, können zum Diesel nur raten: Ruhe bewahren.
Werkstattleiter Roland Klein (r.) und Maik Fritsch, der Inhaber des Autoservice Hörlitz, können zum Diesel nur raten: Ruhe bewahren. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Klar ist für die Autofahrer in der hitzigen Debatte über den Skandal um geschönte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen und die praktischen Folgen nur eins: Nichts ist klar. Die Verunsicherung ist groß. Kathleen Weserund Manfred Feller

Das bestätigt auch Maik Fritsch, Inhaber des Autoservice Hörlitz. Die freie Werkstatt ist mit fast allen gängigen Wagentypen vertraut und mit modernen Reparatur- und Wartungsgeräten ausgerüstet. Aber die Beratung der Kunden ist derzeit "sehr schwierig". Der einzige Rat, der mit gutem Gewissen gegeben werden kann, ist der, "jetzt die Ruhe zu bewahren", sagt Maik Fritsch. Denn auf die entscheidenden Fragen sei derzeit einfach keine Antwort möglich.

Zum Software-Update, so erforderlich, rufen die Hersteller in die Werkstätten. Wertverluste und neue Fahrverbotszonen stehen ebenso in den Sternen wie der Antrieb, mit dem der Kunde beim nächsten Neuwagen oder Gebrauchten auf der sicheren Seite sein wird. Der Weg, den die Politik ansteuert: ebenfalls unklar.

Maik Fritsch warnt deshalb vor übereilten Entscheidungen. Als zertifizierter Altautoverwertungsbetrieb wird das Unternehmen bereits rege angefragt, um den Plan der gescholtenen Autohersteller umzusetzen, ältere Diesel (Euronormen 1 bis 4) gegen Prämien endgültig aus dem Verkehr zu ziehen. Diese Abwrackprämien sieht der Fachmann eher skeptisch. Vermögenswerte würden zu Gunsten eines höheren Absatzes bei Neuwagen vernichtet. Deren Energiebilanz aber sei nicht automatisch besser. Experten rechnen inzwischen auch vor, das gute Umweltgewissen sei ein Trugschluss. Alternative Antriebstechnologien, wie die von Elektroautos, zahlten sich in der Ökobilanz erst ab gefahrenen 80 000 bis 100 000 Kilometern aus. Und trotz der nun beschlossenen Kaufprämien bleiben die Autokosten pro Kilometer höher als bei vergleichbaren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, stellt der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) fest.

Etwa ein Drittel der stolzen Autobesitzer in Oberspreewald-Lausitz steuert ein Dieselfahrzeug. Zu den Vielfahrern mit hohen Kilometerleistungen im ländlichen Raum gehören Pendler zur Arbeit.

Hans-Peter Lange, Präsident des Landesverbandes des Kraftfahrzeuggewerbes Berlin-Brandenburg und Innungsobermeister des Kfz-Handwerks im Kammerbezirk Cottbus, appelliert: "Der Diesel sollte nicht politisch totgemacht werden." Ohne Zweifel müsse für das Senken der Stickoxide nachgebessert werden. Allerdings sei die Kohlendioxid-Bilanz der Benziner schlechter. Fahrverbote seien der denkbar schlechteste Weg. Eine bessere Verkehrslenkung helfe. Ansonsten würden die Wertverluste für Diesel noch größer, besonders bei den Leasing-Rückläufern, die wieder in den Verkauf sollen. Das Ganze kommt für Hans-Peter Lange einer Enteignung der Autohäuser und Kunden gleich, die das alles nicht verursacht haben.

Zum Thema:
Im Oberspreewald-Lausitz-Kreis sind derzeit etwa 96 000 Fahrzeuge zugelassen. Davon werden etwa 27 000 mit Dieselkraftstoff angetrieben. Lediglich 20 Gefährte sind reine Elektrofahrzeuge (ohne Krankenfahrstühle). Hybridfahrzeuge sind der Zulassungsbehörde zufolge etwa 300 in der Spur. Entscheidend für den Kauf eines Dieselfahrzeuges sind Gewerbe und oft lange Arbeitswege: Aus dem Raum Senftenberg pendeln etwa 15 000 Frauen und Männer zur Arbeit aus - in alle Himmelsrichtungen. Etwa die Hälfte bleibt im Bezirk der Arbeitsagentur Cottbus, gut jeder Vierte fährt nach Sachsen zur Arbeit.