Senftenberg/Kleinkoschen. Fünf Franzosen bringen die Klangfarben der Landmarke des Lausitzer Seenlandes, des "Rostigen Nagels", zu Gehör. Als Ensemble "Corpus" erregen die Männer die Resonanz-Frequenzen außergewöhnlicher Gebäude. Dieses internationale Kunstprojekt ist inspiriert von alten, unzugänglichen Fabriken in Paris. Auf der Suche nach außergewöhnlicher Architektur hat Goirtas Vincent (39) den rostigen Aussichtsturm in der Lausitz in einem Internet-Forum entdeckt und sofort zu dessen Münchener Architekten Stefan Giers den Kontakt aufgenommen. Volker Mielchen vom Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) hat sich von der Begeisterung dafür anstecken lassen, die ganze Musikalität aus dem Stahl-Riesen herauszuholen. Dies geschieht am heutigen Abend. "Wir wünschen uns, dass es gelingt, einmal im Jahr solch ein ungewöhnliches und modernes Kunstereignis an der Landmarke zu haben", sagt Volker Mielchen.

Nicolas Maigcek (32), Nicolas Montgerment (31), Yam Legway (37), Jeremy Gravayat (31) und Goirtas Vincent werden die tiefen Frequenzen des Turmes wecken und die akustischen Qualitäten seiner Architektur im Zusammenspiel mit der Umgebung enthüllen. "Schon Besucher, die den Turm besteigen und das Bauwerk in Schwingungen versetzen, erzeugen ein leises Konzert", erklärt Goirtas Vincent. Für ihre Klanginstallation haben die Franzosen in der Lausitzer Bergbaufolgelandschaft und am Tagebaurand allerdings spezielle Geräusche und Töne aufgenommen, die dem "Rostigen Nagel" mittels extra platzierten Lautsprechern im Inneren des Treppenaufganges möglichst alle Frequenzen des Tonspektrums entlocken helfen sollen. "Die Kulisse ist schön, der Turm auch - und der natürliche Soundcharakter der Architektur ist reizvoll", erklärt der Künstler. Das einmalige Klangerlebnis, das die kreative "Corpus"-Truppe erschaffen will, soll mit vielen Bürgern geteilt werden. "Das ist eine ganz andere, neue Art, auf diese Landmarke zuzugehen", sagt Katja Wersch vom Tourismusverband Lausitzer Seenland. Sie will am heutigen Abend unbedingt dabei sein.

Nach dem "Rostigen Nagel" steuern die Künstler noch Zürich und wahrscheinlich Berlin an, um besondere Architektur klangvoll in Szene zu setzen und dies auch in einem Film zu dokumentieren. "Schaulustige sind sehr willkommen, aber gebeten, möglichst mit dem Fahrrad anzureisen", sagt Volker Mielchen. Denn zu Füßen der Landmarke gibt es nur wenige Parkplätze.

Corpus - Architektur als Resonanzkörper Landmarke Rostiger Nagel am Sedlitzer See Sonnabend, 12. Mai, 19.30 Uhr