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| 02:53 Uhr

Den Tod im Leben überwinden

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein. Offenbarung des Johannes 21,4. Menschen, Tiere und Pflanzen erleiden den Tod als Feind des Lebens. Aber nur der Mensch ist wahrhaftig vom Tod gekennzeichnet, schon mitten im Leben.

Er weiß um seine Sterblichkeit. Alles Nachdenken darüber ist letztlich auf Bilder angewiesen. Wir leiden am Leben mit all der Gier. Der Tod ist so ein Aufhören dieser Gier und eine Rückkehr in den Strom alles Lebendigen. Der obige Vers aus der Offenbarung ist auch ein Bild. Es wird missbraucht zum Vertrösten so wie auch ein anderer Vers aus der Offenbarung, den ich oft auf Gedenksteinen für gefallene Soldaten des I. Weltkriegs lese: "Sei getreu bis in den Tod, so werde ich dir die Krone des Lebens geben." Karl Marx geißelte jegliche Jenseitserwartung als "Opium des Volks" und schrieb: "Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur." Seine Epigonen haben dann den Menschen das Seufzen verboten oder die Schreienden in Umerziehungslager gesteckt. Aber in der Bibel geht es nicht um Vertrösten. Im Psalm 90 lesen wir: "Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass Weisheit in unser Herz einkehre." Der Psalm endet mit dem befreienden Bild: "Und der Herr, unser Gott, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände." Da wendet der Psalmist sich ganz dem Leben zu. Die Hoffnung, dem Göttlichen zu begegnen, verstellt eben nicht den Blick für die Herausforderungen hier und jetzt angesichts der Nöte und Leiden der Menschen. Jesus sprach: "Die Zeit ist jetzt da! Das Reich Gottes steht jetzt vor der Tür! Ändert Eure Einstellung und glaubt an das Evangelium!" Überwindet den Tod mitten im Leben. Da, wo Menschen umkehren, bricht Gottes Reich für sie an. Da, wo Menschen solidarisch teilen, da hat der Tod keine Macht mehr über sie. Diese Aufforderung verbindet sich mit dem Hoffnungsbild: "Gott, wird abwischen alle Tränen und der Tod wird nicht mehr sein."

Pfarrer Christian Raschke