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| 02:42 Uhr

Delfine für kleine Senftenbergerin

Alles dreht sich bei der jungen Familie Prietzel aus Senftenberg um Betty. "Sie ist ein Sonnenscheinkind", sagt Mutter Yvonne (34). Dabei ist die Zweijährige schwer krank, leidet an vielen körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen. Von Jana Tschitschke

Dutzende Operationen hat sie in ihrem kurzen Leben schon hinter sich gebracht. Eine Delphintherapie könnte ihre Entwicklung positiv beeinflussen.

Der erste Blick auf das blond gelockte Mädchen verrät nichts von seinem Schicksal. Betty wirkt munter. Sie klettert im Wohnzimmer ihrer Eltern auf ein Lauf-Auto, rauscht von einer Ecke in die andere. "Vorsicht, Betty", mahnt der 36-jährige Vater liebevoll. Doch Betty reagiert nicht. Niemals. "Vielleicht, weil sie nicht weiß, dass sie gemeint ist, vielleicht, weil sie es nicht wahrnimmt", sagt Frank Prietzel. Dann steigt die Kleine von ihrem Bobby-Car, krabbelt zur Spielzeugkiste und schnappt sich einen singenden Schmetterling. "Alles Gute für dich, alles Gute für dich . . ." tönt es aus dem Plaste-Insekt. Betty versinkt in die Musik, knabbert am Spielzeug. "Das Verhalten ist typisch für ein einjähriges Kind. Doch Betty ist fast drei und kann weder laufen noch sprechen", erklärt Yvonne Prietzel, die von Beruf Erzieherin ist und bereits eine gesunde zwölfjährige Tochter hat. "Wir sind aber froh, dass es Betty überhaupt so gut geht."

Denn als das Mädchen am 16. Januar 2006 in Lauchhammer per Kaiserschnitt zur Welt kam, wurde sie zwei Tage später auf die Intensivstation ans Dresdner Universitätsklinikum verlegt. "Anpassungsstörung" lautete der erste vage Befund. Nach und nach wurden die Diagnosen genauer: ein Loch in der Herzwand, Gesichtsfehlbildungen, keine Harnröhre, kein Schließmuskel und vieles mehr. Viele physische Behinderungen konnten operativ einigermaßen gut behandelt werden. Dafür gaben die Eltern während der vergangenen Jahre jeden freien Tag her. Sie reisten mit ihrer Tochter zu verschiedenen Kliniken und Spezialisten in ganz Deutschland. Betty wurde operiert, behandelt, stabilisiert. Jetzt gilt sie – was ihr kleines Herz betrifft – als organisch gesund. Die fehlende Harnröhre und der Schließmuskel wurden operativ nachgebaut. Allerdings kämpft Betty mit wiederkehrenden Blasen- und Nierenbeckenentzündungen.

Das Essen und Trinken wird ihr wegen der angeborenen Muskelschwäche für den Rest des Lebens schwer fallen. "Sie verschluckt sich leicht. Die Aufnahme einer winzigen Mahlzeit dauert etwa eine Stunde", erzählt Yvonne Prietzel. Um die Eltern zu entlasten, hätten die Ärzte den Einsatz einer permanenten Magensonde empfohlen. Doch das lehnten sie ab und übten lieber wochenlang, bis ihre kleine Tochter fähig war, eine Mindestmenge an Nahrung selbst aufzunehmen. "Sonst hätte sie es nie gelernt" , sagt Frank Prietzel. Der 36-Jährige arbeitet als Anlagenfahrer in einem Chemieunternehmen und hat nur wenig mit Medizin zu tun. Doch er lernte für den Notfall, Betty eine Magensonde zu legen.

Warum das kleine Mädchen an so vielen Behinderungen leidet, ist bisher unbekannt. Ein genetischer Defekt sei medizinisch ausgeschlossen worden. "Ich hatte trotz aller Untersuchungen bis zur Geburt keine Ahnung, dass etwas nicht stimmt", erinnert sich die 34-jährige Senftenbergerin. "Um so geschockter waren wir, als eine Diagnose nach der anderen gestellt wurde.

Wir haben in Bettys erstem Lebensjahr viel geweint. Wir lieben sie aber über alles und freuen uns über jede kleine Entwicklung." Doch in der vergangenen Zeit habe Betty trotz regelmäßiger Behandlungen kaum Fortschritte in ihrer geistigen Entwicklung gemacht. Jetzt setzen die Eltern ihre Hoffnungen auf eine Delphintherapie. "Wir denken, dass Betty dadurch innerlich freier werden könnte und anfangen würde zu sprechen." Da diese Methode nicht von den Krankenkassen unterstützt wird, sind die jungen Eltern aus Senftenberg auf Spenden angewiesen. Vielen behinderten Kindern sei mit einer Delphintherapie schon geholfen worden, erzählt Yvonne Prietzel. "Außerdem wäre es das Schönste, wenn Betty einmal Mama sagen würde."