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Debatte um die Zukunft der Lausitz
Plädoyer für gemeinsam starke Stimme der Lausitz

Großräschen. Die Sorge um die Kohle-Region ist mit Blick auf die aktuellen Verhandlungen um eine Jamaika-Koalition in Berlin groß.

In Sorge um die Zukunft der Lausitz verfolgt Thomas Zenker (SPD), der Bürgermeister der Stadt Großräschen, die laufenden Koalitionsgespräche in Berlin. „Wenn sich Jamaika findet, kann ich nur hoffen, dass die Lausitz mit der Braunkohle nicht das Königsopfer wird“, hat der Kommunalpolitiker am Mittwochabend in der Seestadt erklärt. Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat hier die Bürgerdiskussion eröffnet zur Frage, wie die Wachstums-Chancen für den Süden Brandenburgs gestärkt werden sollen.

Die Kohle, das betont Thomas Zenker, sei noch lange unverzichtbar, um den Industriestandort Deutschland zu sichern. Denn seriös könne bisher kein Experte nachweisen, dass dies in den nächsten 20 Jahren nach dem Atomausstieg auch ohne den fossilen Rohstoff aus der Lausitz funktionieren könne. Dass der Landesentwicklungsplan die Windkraft bremse, stimmt Zenker indes zufrieden. Denn die Anlagen erzeugten inzwischen mehr Konflikte als die Tagebaue.

Der Strukturwandel durch die absehbare Energiewende, der demografische Wandel und der Mangel an Fachkräften stellen Südbrandenburg vor große Herausforderungen. Der bodenständige und in der Lausitz tief verwurzelte Sozialdemokrat stellt auch mit Stolz fest, der Landschaftswandel nach dem Bergbau schafft Zukunfts-Chancen. Die bereits gewonnene neue Lebensqualität sei messbar. Denn junge Leute haben wieder mehr Lust darauf, in der Lausitz zu leben. Und in der Heimatregion schlägt auch wieder das wirtschaftliche Herz. In Großräschen sei es gelungen, nach der fast völligen De-Industrialisierung starke mittelständische Strukturen zu schaffen. Geeignete Förderinstrumente für die Krisenhilfe für kleine und mittelständische Firmen mahnt Zenker an. Die Betriebe seien größer als der Gemüsehändler um die Ecke, sie hätten teilweise Betriebsstätten im Ausland und bräuchten punktgenau auch strukturelle Förderungen.

„Wir leben nicht mehr im Tal der Ahnungslosen und auch nicht in dem der Hilflosen“, betont Thomas Zenker. Selbstbewusst solle dies auch nach außen getragen werden. Die Lausitz schrumpft nicht mehr so stark wie noch vor wenigen Jahren. Großräschen steht vor der Aufgabe, Kindertagesstätten wieder auszubauen. Seit drei Jahren stabilisiert sich die Einwohnerzahl - trotz Geburtendefizits - durch den Zuzug junger Familien. Die gute Verkehrsanbindung und der neue See sind maßgeblich entscheidend für die Wahl der Kleinstadt und der dörflichen Ortsteile als Lebensmittelpunkt. Etwa drei Fünftel der Neubürger kommen aus ganz Deutschland, sind also keine Rückkehrer in die Heimat oder Siedler aus dem Raum Dresden, die hier günstiger bauen können. Im kommunalen Wohngebiet Alma am Großräschener See sind etwa 100 Eigenheimparzellen veräußert. Grundstücke in zwei weiteren, kleinen Wohngebieten werden im Stadtgebiet erfreulich gut nachgefragt.

Thomas Zenker ist ein „glühender Verfechter“ sinnvoller Strukturreformen in Brandenburg. Die anstehenden Aufgaben seien für Kleinstverwaltungen nicht mehr händelbar. Und die Lausitz müsse auch endlich mit einer starken Stimme sprechen und wahrgenommen werden.

(kw)