„Ich komme immer wieder gerne hierher zurück“, gesteht die 82-jährige Schauspielerin Annekathrin Bürger. „Ich habe eine schöne Zeit hier verbracht und schließlich auch die Liebe meines Lebens gefunden“, sagt sie und spielt mit diesem Geständnis auf ihre Ehe mit Rolf Römer an.

Die Aufführung von Schillers „Die Räuber“ am damaligen Theater der Bergarbeiter Senftenberg ist noch heute legendär. Dies alles und ihr Lebenswerk veranlasste die Stadtväter von Senftenberg dazu, Annekathrin Bürger mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Senftenberg zu ehren.

Und welcher Ort wäre dafür besser geeignet, als das Senftenberger Theater Neue Bühne?

Annekathrin Bürger in der Neuen Bühne Senftenberg

Am 13. Juni 2019 war es soweit, und die große ostdeutsche Schauspielerin betrat noch einmal jene Bühne, auf der sie so viele schöne Erlebnisse hatte, wie sie es selbst formuliert.

Im Beisein vom Intendanten der Neuen Bühne, Manuel Soubeyrand, und des Bürgermeisters der Stadt Senftenberg, Andreas Fredrich, vollzog sie in ihrer ganz eigenen liebenswerten und eleganten Art den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt.

Annekathrin Bürger: Defa-Schauspielerin mit 18 Jahren

Bereits mit 18 Jahren bekommt Annekathrin Bürger ihre Hauptrolle in dem DEFA-Spielfilm „Eine Berliner Romanze“. Mit diesem Film und der Liebesgeschichte „Verwirrung der Liebe“ erlangte sie in kürzester Zeit eine große Popularität in der damaligen DDR.

In der TV-Verfilmung „Wolf unter Wölfen“ nach dem Roman von Hans Fallada war sie als „Petra Ledig“ erfolgreich. Der schnelle Erfolg in jungen Jahren forderte auch seinen Tribut: „Ich wechselte vom ersten Engagement am Deutschen Theater zum Theater der Bergarbeiter nach Senftenberg, um mich freizuspielen“, erinnert sie sich.

So erinnert sich Annekathrin Bürger an Senftenberg

Dieser Schritt, den nicht alle ihrer Kollegen damals nachvollziehen konnten, war für Annekathrin Bürger aber logisch. „Das Senftenberger Theater war wie ein Nachwuchszentrum für das Deutsche Theater. Ich konnte mich hier in Senftenberg freispielen“, erinnert sie sich.

Drei Spielzeiten verbrachte sie am Theater der Bergarbeiter in Senftenberg. Hier spielte sie die klassischen Rollen junger Frauen, wie zum Beispiel „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann. Neben der schauspielerischen Erfahrung („Das Theaterspielen ist härter als Filmen.“) ist das Wertvollste, was sie aus Senftenberg mitnahm, ihr Mann Rolf Römer, den sie 1966 heiratete.

Warum Annekathrin Bürger bei Erich Honecker protestierte

Bis zu dessen Unfalltod im Jahr 2000 ist Annekathrin Bürger mit ihm verheiratet. Beide waren sehr politisch engagiert. 1976 treten Annekathrin Bürger und Rolf Römer gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR auf. Ein Jahr später erwirken beide sogar einen Termin bei Erich Honecker und protestieren im persönlichen Gespräch gegen die Unterdrückung von Kollegen.

Senftenbergs Bürgermeister Andreas Fredrich würdigt in seiner Laudatio auch das politische Engagement der Schauspielerin und schloss mit den Worten: „Sie ist eine von uns.“ Die Schauspielerin bedankt sich in ihrer Rede mit den Worten: „Danke, für ein Stück meines Lebens.“

Annekathrin Bürger ist nach Heinz Klevenow und Klaus Gendris bereits die dritte Person, die am Senftenberger Theater wirkte und mit einem Eintrag in das Goldene Buch der Stadt geehrt wurde. Den ersten Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Senftenberg hat Bürgermeister a.D. Klaus-Jürgen Graßhoff vollzogen.