In früheren Jahrhunderten müssen sich die Störche in der Elsterniederung wie im Paradies vorgekommen sein. Der in unzählige Nebenarme verästelte Fluss sowie das daran unmittelbar angrenzende Feuchtland boten den Adebaren jede Menge Frösche und Insekten. So berichtet der Wissenschaftler Uechtritz in seinen "Beiträgen zur Naturgeschichte der Oberlausitz" von 1821, dass in der Ruhlander Gegend ziemlich häufig die Rotstrümpfe nisten. Wo und wie viele genau, verliert sich allerdings im Dunkel der Geschichte.

Rückläufige Brutpaarzahlen

In späteren Jahrzehnten scheint die Zahl der Brutpaare allerdings rückläufig gewesen zu sein. In der "Ornis der preußischen Oberlausitz" von Baer ist vermerkt, dass die Art durch die Trockenlegung nasser Wiesen verdrängt worden sei. Tatsächlich erfolgte von 1852 bis 1856 die Regulierung der Schwarzen Elster im Raum Senftenberg, Ruhland und Mückenberg (heute Lauchhammer-West). So wurden zwar die Hochwassergefahr eingedämmt und neues fruchtbares Ackerland gewonnen, doch kam es gleichzeitig zu einer massiven Beeinträchtigung der Feuchtlebensräume, die für die Nahrungstiere der Störche so wichtig sind.

Die Adebare zogen auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Interesse der Vogelkundler auf sich. Sowohl Herr als auch Makatsch veröffentlichten entsprechende Bestandszahlen. So gab es beispielsweise zu Beginn der 1930er-Jahre im Bereich des späteren Kreises Senftenberg elf besetzte Horste, 1932 erstmals auch in Ruhland mit insgesamt vier ausgeflogenen Jungstörchen.

Ersterwähnung 1930

Der noch heute bestehende Biehlener Horst wird zum ersten Mal 1930, damals allerdings noch ohne Bruterfolg, erwähnt. Zwölf und 24 Monate später verließen allerdings jeweils zwei Jungvögel das elterliche Nest.

Weitere Horste gab es damals auch in Frauwalde, Lindenau, Grünewald, Guteborn, Peickwitz, Schwarzheide-Ost, Sorno, Mückenberg (Lauchhammer-West) und Grünewalde. In den Nachkriegsjahren wurden weitere Orte registriert, beispielsweise Arnsdorf, Hermsdorf, Burkersdorf (heute zu Ortrand), Großkmehlen und Tettau.

In der Nordhälfte des Kreises Senftenberg blieben die Störche allerdings weitestgehend aus. Erst 1981 stellte sich Adebar in Freienhufen ein, wie Heinz Menzel aus Lohsa vermerkt hat. Der heute 85-Jährige Menzel war mehr als drei Jahrzehnte als "Storchenvater" im Kreis Hoyerswerda tätig, erfasste die Tiere aber auch in den angrenzenden Gebieten.

Rührige Beringer

Keinesfalls unerwähnt sollen die ebenfalls über viele Jahre tätigen Beringer, Blaschke aus Lauchhammer und Zuther aus Annahütte, bleiben.

Dass sich im Raum Schipkau, Großräschen und Senftenberg bis zum heutigen Tag kaum Störche angesiedelt haben, liegt in der industriellen Vergangenheit dieses Landstrichs begründet. Großflächige Bergbauareale zerstörten einstige Lebensräume, ganze Teichwirtschaften, wie im Raum Lauchhammer/Grünewalde, fielen der Kohle zum Opfer. Durch die Grundwasserabsenkung fielen einstmals feuchte Wiesen trocken.

Bemerkenswert ist, dass laut Heinz Menzel die Adebare die Standorte ihrer Horste im Laufe des 20. Jahrhunderts verändert haben. So befanden sich diese vor rund 100Jahren noch zu 90 Prozent auf verschiedenen Gebäuden. 1988 war es noch ein Drittel. Heute werden vor allem Masten und neue installierte Nistmöglichkeiten für die Jungenaufzucht genutzt.

Zwölfmal Nachwuchs

Im laufenden Jahr gibt es im Altkreis Senftenberg laut "Storchenvater" Werner Blaschke 15 Horstpaare, davon zwölf mit Nachwuchs. Zum Vergleich: Zwischen 1925 und 1990 sind zwischen Freienhufen und den Kmehlener Bergen 1018 Jungstörche ausgeflogen, hat Heinz Menzel gezählt. Das entspricht statistisch gesehen 15 Nachwuchstieren pro Jahr.

Noch immer dürfen die meisten der bereits vor einem halben Jahrhundert genannten Orte mindestens einen Storchenhorst ihr Eigen nennen. In Schwarzheide-Ost gibt es allerdings keine Rotstrumpf-Familie mehr. Ebenso wenig in Sorno, musste dieser Ort an der Sornoer Elster doch zu Beginn der 1970er-Jahre dem Tagebau Sedlitz weichen. Dennoch kann resümiert werden, dass das Lausitzer Seenland gleichzeitig auch Storchenland ist.