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Das Mozart-Projekt – ein umjubeltes Wagnis

Lübben/Ruhland.. Die Paul-Gerhardt-Kirche in Lübben ist erfüllt von tosendem Beifall. Die Zuhörer erheben sich von ihren Plätzen, rufen bravo. Bernd Balzer

Immer und immer wieder verbeugen sich die Akteure des Mozart-Projektes, das Teile der Zauberflöte und das Requiem auf die Bühne brachte: Der Initiator, Opernsänger und Leiter des Männergesangvereins 1846 Ruhland, Michael Zumpe, die 28 Mitglieder des Brandenburgischen Orchesters, die Solisten Christiane Kapelle (Pamina), Maria Meckel (Papagena), Burkhard Kosche als Hohepriester Sarastro, Peter Ewald als Prinz Tamino und Uwe Wollniok als Mohr, sowie die 128 Sängerinnen und Sänger aus Chören der gesamten brandenburgischen Lausitz. Seit Dezember 2005 hatten sie sich intensiv dem Mozart-Projekt gewidmet.
Bereits um 17.30 Uhr nehmen die ersten Gäste in der Paul-Gerhard-Kirche Platz, während Michael Zumpe mit Chor und Orchester nochmals die Einsätze probt. "Wir konnten mit dem Orchester relativ wenig üben. Es sind neue Kollegen dabei, aber wenn wir ein großes Ganzes werden, wird es klappen, zeigte sich Michael Zumpe zuversichtlich.
Unterdessen stürmen die Besucher aus Frankfurt/Oder, Berlin, Potsdam, Pirna und aus der Region die Kirche. Sie kamen mit großen Erwartungen, freuten sich auf das Konzert und einen so großen Chor. "Für mich ist das Mozart-Projekt ein ganz außerordentliches Ereignis, denn ich liebe den Gesang. Nichts geht über die Schönheit der menschlichen Stimme", sagte ein Premierengast vor der Aufführung.
Bereits um 18.30 Uhr sind alle Eintrittskarten vergriffen und viele Gäste nehmen Stehplätze in Kauf. Punkt 19 Uhr nimmt das Orchester Platz, die Konzertmeisterin Heike Kube gibt der Ton an und der Dirigent Robert Lillinger wird mit viel Beifall empfangen. Das „Laudate Dominum“ erklingt und im grellen Licht eines Spots erscheint Wolfgang Amadeus Mozart, alias Michael Zumpe. Er hat soeben die erfolgreiche Uraufführung seiner Zauberflöte in Wien erlebt und ist auf dem Weg nach Hause.
Sein Papageno geht ihm nicht aus dem Sinn. "Ich möchte wohl einmal in seine Haut schlüpfen!" Geht nicht, geht doch! Schnell hat sich Mozart/Zumpe seines blauen Gehrockes und weißen Künstlerschals entledigt, die bunte Vogelfängerweste übergezogen, Panflöte und Vogelkäfige umgehängt und brilliert als Papageno.
Diese szenische Umsetzung von Teilen aus Mozarts berühmtester Oper mit erklärenden und verbindenden Worten war Michael Zumpes Idee. Das Publikum dankte es ihm mit lautstarkem Beifall zwischen den einzelnen Szenen. Der galt aber auch den Solisten, Sängerinnen und Sängern des Projektchores auf beiden Seiten der Empore für ihr "Es lebe Sarastro" und "Dank sei Euch Geweihten".
Nach der Pause sollte der Chor seinen großen Auftritt haben - mit dem Requiem, das Mozart unvollendet hinterließ und das als eines der anspruchsvollsten Werke des großen Meisters gilt. Es klang gewaltig und die Sängerinnen und Sänger bestachen durch kraftvollen, sauberen Gesang in lateinischer Sprache. Das viele, harte Üben hatte sich ausgezahlt.
Beim barocken "Kyrie" und beim "Lacrimosa" verspürten viele Gäste Gänsehaut. "Es war sehr emotional und ging mir bis ins Mark. Mozart ist immer ein Zurück in die Vergangenheit, aber gleichzeitig auch ein Blick nach vorn, der Mut für die Zukunft macht. Ich gehe zufrieden aus dem Konzert", sagte Günther Lehmann aus Lübbenau und für Viktoria Hertel aus Lauchhammer war es "einzigartig, wunderbar, eine geschlossene, sehr gute Leistung aller."
Auch Reinhard Hegewald aus Grünewalde und Erich aus Glietz waren voll des Lobes: "Es hat super geklungen. Der große Chor war fantastisch, vor allem wenn man bedenkt, dass es Laiensänger sind." "Es war wunderbar und ich bin überglücklich und stolz auf die Leistung meines Sohnes", freute sich Christa Zumpe.
Für Michael Zumpe war es ein großes Wagnis gewesen, das dank der aufopferungsvollen Mitarbeit aller Sängerinnen, Sänger und Musiker zu einem umjubelten Projekt wurde.

Das Mozart-Projekt ist am 23. September in der St.Trinitatis-Kirche in Finsterwalde und am 21. Oktober in der Evangelischen Ruhlander Kirche zu sehen.