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| 02:47 Uhr

Das Licht im Novembergrau

Die dunkle Jahreszeit hat Einzug gehalten. Von Katja Moscho*

Spät wird es hell, früh dunkel, und das Licht am Tag hat es schwer, durch die Wolken durchzubrechen. Und schnell dringen Nebelschwaden von außen auch nach innen bis in unser Herz vor. Nicht umsonst gedenken wir in dieser Jahreszeit der Verstorbenen. Und mit dem Gedanken an den Tod werden uns die Grenzen unseres eigenen Lebens schmerzlich bewusst: So manches in den Müh(l)en des Lebens können wir nicht beeinflussen. Kurt Marti schreibt: "O nein, o nein, / ich hab' mein Leben / nicht im Griff, / eher umgekehrt: / Es hat mich / das Leben jetzt, / das Sterben einst, / doch darin, hoff ich, / du." Was ist das, dem wir uns ausgeliefert fühlen, wenn wir sagen, das Leben, der Trott des Alltags hat uns im Griff? Jedenfalls kein blindes Schicksal, sagt Kurt Marti, sondern: Es ist Gott, dem wir in Leben und Sterben begegnen. Gott, der die Welt und uns selbst liebevoll in seiner Hand hält. Dem Leben ausgeliefert zu sein - das bekommt da einen ganz neuen Charakter. Wenn ich diesem Gott ausgeliefert bin, der doch selbst Schrecken und Tod durchlebt und besiegt hat - wie kann meine eigene Angst mich verschlingen, wo Krankheit und Tod drohen? Wenn es dieser Gott ist, der mich mehr und anders liebt als Menschen es können - was soll ich da noch fürchten, wenn das Leben sich meiner Kontrolle zu entziehen scheint? Wir begegnen Gott nicht nur im Frühling oder Sommer unseres Lebens, sondern auch in seinen trüben Zeiten, an den Herbst- und Wintertagen des Lebens. Wo wir auch stehen im Leben, an seinem Beginn oder Ende, in einer schweren oder freudigen Zeit: Wir sind aufgehoben in der Hand dieses Gottes. Seine Liebe hat unser Leben in ihrem sanften Griff, und Gott hat geschworen, uns nicht loszulassen, nicht im Leben, nicht im Sterben und nicht danach. Das ist uns versprochen: "Leben wir, so leben wir den Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn, also: ob leben oder sterben, wir sind des Herrn." (Röm 14.8-9)*ev. Pfarrerin in Klettwitz