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| 17:38 Uhr

Das Kleine war das Größere

Die Milchrampe gilt als Wahrzeichen von Kleinräschen. Die Anwohner der Alten Lindenstraße haben sie dem historischen Vorbild nachempfunden.
Die Milchrampe gilt als Wahrzeichen von Kleinräschen. Die Anwohner der Alten Lindenstraße haben sie dem historischen Vorbild nachempfunden. FOTO: T. Richter-Zippack/trt1
Großräschen. Im Juli feiern die Großräschener den 50. Jahrestag der Verleihung des Stadtrechts. Doch gibt es in diesem Jahr ein weiteres Jubiläum. Denn vor neun Jahrzehnten hatten sich Groß- und Kleinrä schen für eine gemeinsame Zukunft entschieden. Torsten Richter-Zippack

Als mit Wirkung zum 1. April 1925 Groß- und Kleinräschen eine Gemeinde bildeten, war Kleinräschen der größere Ort. Dort lebten 3893 Einwohner, in Groß-Räschen dagegen "nur" 2817. Dennoch erhielt der neue Ort die Bezeichnung "Groß-Räschen". Der Bindestrich fiel erst später weg. Im Calauer Anzeiger vom 17. Februar 1925 ist zu lesen, dass das preußische Staatsministerium den Zusammenschluss bereits am 6. Februar genehmigt hatte. Als erster Vorsteher der neuen Gemeinde wurde ein Herr Milich ernannt.

Kleinräschen war nicht nur größer als der Nachbarort, sondern wohl auch älter. Laut dem Nestor der örtlichen Heimatgeschichte, Fritz Bönisch, handelt es sich um ein wendisch geprägtes Hufeisendorf. Allerdings nicht, weil dort viele Pferde lebten. Sondern weil sich in Kleinräschen die Bauerngehöfte bis heute hufeisenförmig um den dortigen Anger reihen. Im Zuge der Straßensanierung vor ein paar Jahren wurde das noch immer gut sichtbare Hufeisen in die Fahrbahn eingepflastert, sagt der Großräschener Bürgermeister Thomas Zenker. Ohnehin sei bei der Maßnahme auf "Luxus" verzichtet worden. "Das hatten wir damals mit den Anwohnern so abgestimmt", erklärte das Stadtoberhaupt während des jüngsten Rundgangs. Nicht zuletzt legen sich die Kleinräschener schon seit vielen Jahren für ihren Ort selbst ordentlich ins Zeug. Davon zeugt unter anderem die nachgebaute historische Milchrampe an der östlichen Alten Lindenstraße. Dort sind mitunter auch die Neuigkeiten nachzulesen.

Der Name Kleinräschen leitet sich wahrscheinlich vom slawischen Begriff "Recina" ab. Damit ist ein Ort am Bach gemeint. Tatsächlich berührte vor Jahrhunderten der Räschener Bach, der aus der Raunoer Gegend kam, den Ort. Später wurde dieses Gewässer als Mühlgraben bezeichnet. Um das Jahr 1900 wird es auch Rainitza genannt. Allerdings ist unklar, wo genau der Mühlgraben in die Rainitza überging. Das Fließ galt auch als alte Grenze zwischen Klein- und Großräschen. Jedenfalls soll es laut der Schenkschen Karte aus dem Jahr 1757 allein am Räschener Bach vier Wassermühlen gegeben haben. Heute existiert keine mehr. Das Gebiet wurde jahrzehntelangen Bergbau völlig verändert.

Kleinräschen war auch Heimat mehrerer Menschen, die es zu gewissem Ruhm gebracht hatten. Dazu gehört neben Heimatforscher Fritz Bönisch (1923 - 2007), der unzählige Geschichten und Anekdoten über seinen Heimatort zu erzählen wusste, ebenso Herbert Scurla. Dessen Geburtstag hatte sich am 21. April 2015 zum 110. Mal gejährt. Scurla galt nicht nur als begnadeter Schriftsteller, sondern ebenso als Pionier der Forschung um den Lausitzer Australien-Reisenden Ludwig Leichhardt. Nicht vergessen werden soll Paul Seimert, der das Kino in Bückgen (Großräschen-Süd) aufbaute.

Kleinräschen besaß einstmals sogar einen eigenen Wald. Und zwar locker 3000 Hektar. Diesen gibt es bis heute. Der Forst erstreckt sich unmittelbar nördlich der Stadt Großräschen in Richtung Altdöbern. Hauptbaumart ist, ganz typisch für die Lausitz, die Gemeine Kiefer.

Heute sind die Grenzen zwischen Groß- und Kleinräschen weitestgehend verwischt. Doch bis heute hat sich besonders um die Alte Lindenstraße ein gewisser Lokalpatriotismus erhalten. Ein Besuch lohnt sich immer. Handelt es sich doch um einen der idyllischsten Orte in Großrä schen. Das betont Bürgermeister Thomas Zenker (SPD) sichtlich stolz auf seine Stadt.