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Das Gütesiegel Kinderfreundlichkeit

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Senftenberg. Der Blick von außen auf die "Kinderfreundliche Kommune" Senftenberg geht durch die Brille anerkennender Bewunderung. Vertreter von Städten aus ganz Brandenburg sind zum Kindertag in die Stadt am See gekommen, "um von unseren Erfahrungen als kinderfreundliche Kommune zu hören und davon zu profitieren", betont Bürgermeister Andreas Fredrich (SPD). Kathleen Weser

Senftenberg sei in der Sache "im Land Vorreiter und Taktgeber". Das erste Kinder- und Jugendparlament in Brandenburg, Touren durch die Schulen mit dem Kinderrechte-Koffer, Spielplatz-Werkstätten in Brieske und Sedlitz, die sehr erfolgreiche kostenfreie Ferienaktion Agenda-Diplom, Junior-Experten und auch das Erlebnisbad und das Theater Neue Bühne führt das Stadtoberhaupt als Beispiele dafür an, dass Kinderfreundlichkeit in Senftenberg aktiv gelebt wird. Vor allem an der Beteiligung der Kinder an allen städtischen Belangen, die sie auch betreffen, wird das im Rathaus festgemacht. Und unbestritten ist: Viele Mädchen und Jungen sind begeistert dabei und haben Spaß. Das hat die Stadt Senftenberg, die sich am gestrigen Freitag einer Zwischenprüfung des Vereins "Kinderfreundliche Kommune" stellen musste, in einer Ausstellung im Rathaus auch eindrucksvoll dokumentiert. Das Deutsche Kinderhilfswerk und dieser Verein vergeben und wachen über das Siegel, das Senftenberg seit nunmehr zwei Jahren tragen darf und dies auch weiter will. Das hat die Ratsrunde beschlossen.

Die Sicht innerhalb der Stadt ist zumindest teilweise anders. Das hat eine Straßenumfrage der RUNDSCHAU ergeben. Eltern mit Kindern, die - wie sie ausdrücklich erklären - sehr gern in der attraktiven Stadt Senftenberg leben, messen die Kinderfreundlichkeit ihrer Heimat-Kommune zuerst an der Kostenbelastung der Familie für die Kinderbetreuung. Die Beiträge liegen - auch im Landesvergleich - hoch. Die Staffelung der Elternbeiträge nach Einkommensstufen und Anzahl der zeitgleich in Kindertagesstätte und Hort betreuten Sprösslinge steht in der Kritik. Die Mehrheit der Abgeordneten hatte sie nach langer Diskussion vor einem Jahr so beschlossen.

Als weitere Prioritäten der Familien für eine kinderfreundliche Stadt folgen kleine Bedürfnisse im Lebensalltag des Nachwuchses - von der Schaukel im Wohngebiet über längere Öffnungszeiten für den beliebten Tierpark zu Füßen der Festung bis zum Wunsch nach mehr Verständnis der Mitbürger für die Kleinen. Die Schlussfolgerung aus der nicht repräsentativen RUNDSCHAU-Umfrage, "die verbriefte Kinderfreundlichkeit von Senftenberg geht an den Bedürfnissen und der Lebensrealität noch vielfach vorbei", hat den Senftenberger Bürgermeister tief erschüttert. Er reagiert verärgert: Es sei unverantwortlich, die Arbeit der Stadt und der Bürger sowie Kinder und Jugendlichen "zu diskreditieren". Auch die Geschäftsführerin des Vereins "Kinderfreundliche Kommune", Dr. Heide-Rose Brückner, habe nur verständnislos den Kopf schütteln können. Fredrich weist darauf hin, dass der Verleihung des Prädikats - das bisher nur sieben Kommunen in ganz Deutschland erhalten haben - ein umfangreiches Prüfverfahren vorausgegangen ist. Er sagt: "Statt die Muttis nach störenden Hundehaufen und fehlender Sicherheit sowie pöbelnden Menschen am Strand wegen fußballspielender Kinder zu befragen, hätte die Lausitzer Rundschau lieber mal in den Schulen, Kindertagesstätten oder den Ortsteilen nachfragen sollen, wie dort aktiv Kinderfreundlichkeit erlebt wird."

Zum Thema:
Uns interessiert: Wie denken Sie darüber? Was ist für die Menschen in der Region - auch über die Stadtgrenzen Senftenbergs hinaus in der eigenen Heimatstadt und -gemeinde - konkret wichtig für Familien mit Kindern? Woran machen Sie den Anspruch und das Prädikat "Kinderfreundlichkeit" praktisch fest? Das Team der Lokalredaktion Senftenberg der RUNDSCHAU freut sich auf eine anregende Diskussion im sachlichen Austausch. Schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden Sie uns Ihre Fragen zum Thema.Wir sind erreichbar per Mail untersenftenberg@lr-online.de