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| 19:43 Uhr

Ich kaufe regional
Damit das tägliche Brot erreichbar bleibt

Kathrin Hensel steuert einen der Verkaufswagen der Fleischerei Lehmann aus Ruhland und passiert bei ihrer Tour die Bäckerei Walter in Guteborn. Beide Unternehmen der Lebensmittelbranche gelten als Leuchttürme, die die Grundversorgung der Landbevölkerung mit Lebensmitteln absichern.
Kathrin Hensel steuert einen der Verkaufswagen der Fleischerei Lehmann aus Ruhland und passiert bei ihrer Tour die Bäckerei Walter in Guteborn. Beide Unternehmen der Lebensmittelbranche gelten als Leuchttürme, die die Grundversorgung der Landbevölkerung mit Lebensmitteln absichern. FOTO: Uwe Hegewald
Ruhland. Im Kreis geht die Versorgung der Landbevölkerung mit Grundnahrungsmitteln schleichend zurück.

(uhd) Hagen Walter ist einer, der sprichwörtlich mit den Hühnern zu Bett geht. Das liegt an seinem Job, der zeitiges Aufstehen mitten in der Nacht erfordert. Hagen Walter ist Bäckermeister. „Wir machen das in vierter Generation. Nach uns wird wohl das Kapitel Bäckerhandwerk in Guteborn geschlossen werden“, sagt der 52-Jährige.

Zum „wir“ gehört Ehefrau und Konditorin Doreen Walter, die den Laden schmeißt, während ihr Mann in der Backstube Regie führt. Sind Brote und Kuchen aus dem Ofen, verlädt er einen Teil davon in einen Transporter und beliefert Kunden in den Nachbardörfern und bis nach Senftenberg. Die Walters haben ihr Angebot in der Verkaufsstelle mit weiteren Waren des täglichen Bedarfs erweitert. „Weil es keinen Dorfkonsum mehr gibt und die Leute nicht wegen jeder Kleinigkeit bis nach Ruhland fahren müssen“, begründet Hagen Walter die Sortimentserweiterung.

Dienstags fährt ein Verkaufswagen der Ruhlander Fleischerei Lehmann an der Guteborner Bäckerei vorbei. „Unsere Flotte umfasst zwei Verkaufsautos, die neben Grünewald und Sedlitz auch Großräschen, Drebkau und Großkoschen anfahren. Bereits 1990 haben wir mit dem Einsatz von Verkaufsautos begonnen“, berichtet Andrea Lehmann von der Geschäftsführung. „Vor allem unsere älteren Kunden sind dankbar, dass wir mit unseren Fahrzeugen in die Dörfer kommen“, sagt sie, räumt aber gleichzeitig ein, dass Trend und Umsätze auf dem Land nachlassen. Ihre Erklärung: „Vor allem junge Menschen verbinden den Weg zur oder von der Arbeit in den Städten gleich mit dem Einkauf.“ Aufgrund der Tendenzen sei vorerst nicht geplant, neue Dörfer einzubeziehen. Der aktuelle Tourenplan bleibe aber weiter bestehen.

Vier Damen aus Freienhufen nutzen am Donnerstag das Angebot der Bäckerei und Konditorei Weise (Großräschen), die mit ihrem Verkaufswagen über Land fährt. „Wollen wir hoffen, dass uns dieser Service noch lange erhalten bleibt“, so die Seniorinnen.
Vier Damen aus Freienhufen nutzen am Donnerstag das Angebot der Bäckerei und Konditorei Weise (Großräschen), die mit ihrem Verkaufswagen über Land fährt. „Wollen wir hoffen, dass uns dieser Service noch lange erhalten bleibt“, so die Seniorinnen. FOTO: Uwe Hegewald

Lehmanns fahren mit ihren Fleischereierzeugnissen auch bis nach Senftenberg, Cottbus, Finsterwalde oder Dresden. Für Rudolf Kupfer aus Lindenau zählt die Versorgung der Dorfbevölkerung mit frischen Lebensmitteln zur Daseinsvorsorge. „Gerade die älteren Leutchen wissen das Angebot an den Verkaufswagen zu schätzen. Viele können oder wollen nicht extra wegen frischer Back- oder Fleischwaren bis in die Stadt fahren“, sagt er.

Am Montag gehörte Rudolf Kupfer zu den Gästen der Auftaktveranstaltung der 25. Brandenburger Seniorenwoche. Dort wurde appelliert, die Daseinsvorsorge im ländlichen Raum zu sichern und auszubauen. Im Landkreis Oberspreewald-Lausitz leben knapp 31 000 Männer und Frauen, die älter als 65 Jahre sind. Das entspricht rund 28 Prozent der Gesamtbevölkerung – Tendenz steigend.

Als Glücksfall bezeichnen Einwohnern die jüngsten Entwicklungen in Tettau (Amt Ortrand). Als der dortige Bäckermeister Werner Günther Ende März dieses Jahres altersbedingt für immer seinen Brotschieber beiseite gestellt hat, füllte Roberto Meyer die sich auftuende Versorgungslücke. Der Bäcker aus dem benachbarten Kroppen beliefert seit April die Verkaufsstelle, damit die Tettauer nicht auf ihr täglich (frisches) Brot verzichten müssen.

Mit zwei Versorgungsfahrzeugen fährt die Großräschener Bäckerei Weise übers Land und legt dabei auch einen Zwischenstopp im benachbarten Freienhufen ein. Für Ortsvorsteher Karl-Heinz Wahren ist das ein Indiz dafür, dass das mit den rollenden Backwarenständen funktioniert. „In Gesprächen mit Mitbewohnern werden immer wieder Bitten nach mehr ,fliegenden Händlern’ an uns herangetragen. Am Ende versuchen es immer mal wieder einzelne Anbieter. Sie geben aber meist aufgrund mangelnden Interesses bald wieder auf“, erklärt er.

Auch „Kaspricks Mobilmarkt“, ein mobiles Einkaufscenter (Bus) für Waren des täglichen Bedarfs, machte zwischenzeitlich in Freienhufen Station. Nach wenigen Wochen zogen die Mehßower die Reißleine. „Freienhufen braucht unser Angebot nicht“, teilten sie dem Ortsvorsteher mit.