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Da macht das ganze Dorf mit

Mit dem Theaterstück zum Hoffest stellen die Niemtscher das Vereinsleben im Bürgerverein vor.
Mit dem Theaterstück zum Hoffest stellen die Niemtscher das Vereinsleben im Bürgerverein vor. FOTO: Brautschek
Niemtsch. Jede Ecke der Niemtscher Dorfstraße ist auf Hochglanz poliert. Der Rasen ist frisch getrimmt und das erste Laub zusammengeharkt. Anja Brautschek

Denn am Sonnabend werden wieder Hunderte Besucher die Höfe erkunden. Zum Niemtscher Hoffest öffnen mehrere Familien ihre Drei- und Vierseithöfe. Entlang der Straße laden mehrere Stände zum Entdecken alter Traditionen ein. So sollen der Sommer verabschiedet und der Herbst eingeläutet werden.

Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Mehr als 30 Kuchen müssen gebacken werden. "Da macht das ganze Dorf mit", erzählt Christine Hellebrandt. Früh morgens bereitet sie ihren leckeren Zuckerkuchen vor. So kann er backfrisch und beinahe noch warm an die Besucher verkauft werden. "Die Ersten stehen meist schon eine Stunde vor Beginn vor der Tür und warten auf frischen Kuchen", weiß sie aus Erfahrung. Gemeinsam mit ihrem Mann bewohnt sie die ehemalige Landbäckerei des Ortes. Da bietet es sich an, an dieser Stelle das Kuchenbuffet aufzubauen. "Wir lassen eine alte Tradition wieder aufleben. Auch der alte Bäckermeister Richard wird das Geschehen beobachten", verrät sie mit einem Augenzwinkern. Eine Puppe aus Schaumstoff wird den Eingang des Hofes bewachen. Die Figur hat die passionierte Hobby-Künstlerin selbst gebastelt; genauso wie die Kulisse für das Theaterstück. Groß und Klein wirken darin mit.

Die Geschichte dazu stammt aus der Feder von Isolde Lehnert. Sie kümmert sich um Requisiten, schreibt das Drehbuch und leitet die Proben. "Sie leistet viel für das Theaterstück. Schon im März fängt sie mit der Geschichte an", erzählt Gundula Piotrowicz, Vorstandsvorsitzende des Bürgervereins. In der Gemeinschaft wird das Stück dann weiterentwickelt. Bis zur letzten Minute wird an dem Ablauf gefeilt, damit die Besucher am Samstag (15 Uhr) ein möglichst perfektes Theaterstück anschauen können. Bei jedem Hoffest steht dabei ein anderes Thema im Vordergrund. In diesem Jahr dreht sich alles um den Bürgerverein und dessen 25-jähriges Jubiläum. "Wir zeigen das Vereinsleben und wie der Verein entstanden ist", erklärt Gundula Piotrowicz.

Wenige Meter weiter köchelt eine sämige Kürbissuppe. Die Schützen des Ortes haben das leckere Herbstgericht zubereitet. "Eigentlich versorgen sie die Gäste immer mit frischem Apfelsaft. Aber Äpfel gibt es ja in diesem Jahr kaum", sagt Christine Hellebrandt. Entlang der Dorfstraße gibt es dabei viele andere kulinarische Köstlichkeiten zu entdecken. Meist sind es traditionelles Speisen, die auf den Höfen serviert werden. Fettstullen und Hausschlachtenes dürfen daher nicht fehlen. Für den süßen Zahn werden neben Kuchen auch die lausitztypischen Buchweizenplinsen angerührt und gebacken. Alles ist von den Einwohnern selbst zubereitet.

Familie Kiebeler von der gleichnamigen Pension richtet den alten Weinkeller her. "Früher hat mein Vater eigenen Hauswein hergestellt. Diese Tradition setzen wir fort", erklärt Marlen Kiebeler. Zwar ist der Wein nicht mehr selbst produziert, verschiedene Obstweinsorten werden dennoch serviert. Mit dem besonderen Flair des Weinkellers im Hintergrund können Kirsch-, Aronia-, Rhabarber- und Quittenwein verkostet werden. Am Abend wird auf dem Gelände zudem der Sommer mit einem Tanz verabschiedet.

Bereits zum siebenten Mal laden die Niemtscher zum Hoffest. Die Einnahmen an dem Nachmittag kommen dem Bürgerverein zugute und werden für Vereinsfahrten oder Feste eingesetzt. "Außerdem bräuchten wir einen größeren Raum. Das Bürgerhaus ist für unsere 40 Kinder zu klein", sagt Gundula Piotrowicz. Deshalb packt das gesamte Dorf mit an. "Das stärkt die Gemeinschaft", so die Vereinschefin. Marlen Kiebeler ergänzt: "Mit dem Fest wollen wir den Besuchern zeigen, dass wir hier im Dorf gemeinsam etwas schaffen können." Dieser Zusammenhalt zeichne Niemtsch aus.