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Drogen
Crystal-Konsum bleibt auf hohem Niveau

Crystal Meth hat eine hohe Gewinnspanne. Konsumenten werden oft selbst zu Dealern, wenn sie in Tschechien das Gramm für 20 Euro besorgen und hier für 80 bis zu 120 Euro verkaufen können.
Crystal Meth hat eine hohe Gewinnspanne. Konsumenten werden oft selbst zu Dealern, wenn sie in Tschechien das Gramm für 20 Euro besorgen und hier für 80 bis zu 120 Euro verkaufen können. FOTO: Jens Schlueter / picture alliance / Jens Schluete
Senftenberg. Die Anzahl der von Crystal Meth abhängigen Drogenkonsumenten bleibt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz auf einem hohen Niveau. Das Klinikum hat im Vorjahr 114 Patienten behandelt - so viele wie noch nie.

Das geht aus einer Antwort des Gesundheitsamtes auf eine Anfrage der CDU-Kreistagsfraktion hervor. Demnach wurden im vergangenen Jahr 138 Klienten mit einer Crystal-Diagnose in der Suchtberatungsstelle des Gesundheitsamtes betreut. Das ist im Vergleich zum Jahr 2014, als 143 Klienten registriert wurden, eine leichte Abnahme. Im Jahr 2009 gab es allerdings nur 21 Fälle. Das Klinikum Niederlausitz behandelte im Vorjahr 114 Patienten mit einer Crystal-Meth-Diagnose. Das ist der bisherige Höchststand. In diesem Jahr wurden von Januar bis September 68 Menschen behandelt.

Für die rasante Ausbreitung der synthetisch hergestellten Droge gibt es mehrere Ursachen. „Crystal Meth ist eine Substanz, die direkt im Gehirn am Belohnungssystem des Menschen angreift und anfänglich ohne unangenehme Nebenwirkung ist“, erklärt Amtsarzt Dr. Klaus Bethke. Im Vergleich zu Kokain, Ecstasy und Speed sei Crystal deutlich länger wirksam. „Es entsteht ein angenehmes Gefühl von Selbstsicherheit, Leistungsfähigkeit, Kommunikationsfreude und völlige Angstfreiheit“, beschreibt er die Wirkung. Anreiz für den Konsum ist auch der Gedanke, mit Crystal abzunehmen, da es das Hungergefühl unterdrückt. Betroffene glauben zudem, den Anforderungen in der Schule, Lehre und am Arbeitsplatz besser gerecht zu werden. Hinzu kommt, dass Crystal im Landkreis „flächendeckend und problemlos beschaffbar“ ist, schätzt der Amtsarzt ein. Die Verbreitungsquote wird zusätzlich durch die hohe Gewinnspanne erhöht. Konsumenten werden oft selbst zu Dealern, wenn sie in Tschechien das Gramm für 20 Euro besorgen und hier für 80 bis zu 120 Euro verkaufen können.

Ein ernüchterndes Bild ergibt auch der Blick auf die Wartezeiten für eine medizinische Behandlung. Zwar sei eine Entgiftungsbehandlung im Klinikum Niederlausitz relativ schnell möglich. Eine Aufnahme in eine stationäre Langzeittherapieeinrichtung sei aber mit einer Wartezeit von mindestens einem halben Jahr verbunden. Die Aufnahme in eine Eltern-Kind-Therapie dauert sogar noch länger, so Bethke.

(jag)