Es mag auf den ersten Blick verrückt aussehen. Doch in manchen Kirchtürmen leuchten jetzt im April die Adventssterne. Dabei steht Ostern unmittelbar vor der Tür.

Superintendent Thomas Köhler vom Kirchenkreis Niederlausitz sieht in dieser Symbolik alles andere als einen Widerspruch: „Auch wenn die Karfreitags- und Ostergottesdienste nicht in der gewohnten Form stattfinden können, so gibt es viele Initiativen aus den Kirchengemeinden heraus. Ohne Weihnachten hätte es kein Ostern gegeben. Der Adventsstern weist auf das Kommen Jesu hin. Mit der Auferstehung kommt Jesus und mit ihm das Leben gewissermaßen ein zweites Mal. Der Stern will daran erinnern. Auch jedes Läuten der Glocken weist auf diesen Zusammenhang hin.“

Manche Kirchengemeinden ermuntern dazu, während des abendlichen Glockenläutens eine brennende Kerze als Zeichen der Hoffnung ins Fenster zu stellen. „Insofern ist unsere Welt voller Symbole. Wir müssen sie nur sehen“, argumentiert Thomas Köhler.

Die Osterbotschaft gilt gerade in der Coronakrise

Die zentrale Osterbotschaft beinhaltet, dass das Leben über den Tod siegt. Jesus ist also ins Leben hinein auferstanden. „Der Tod ist zwar immer noch da, aber für uns Christen nicht das letzte“, sagt Köhler. Das gelte für alles, was das Leben schwer macht. Wie eben die derzeitige Coronakrise. Die Osterbotschaft 2020 unterscheide sich nicht von der anderer Jahre. „Sie wird nur konkreter. Zudem gilt gerade für uns der andere Satz aus der Ostergeschichte, der übrigens Weihnachten und Ostern verbindet: ,Fürchtet euch nicht!’“, erklärt der Kirchenmann.

Die Kirchen in der Lausitz sind digital vernetzt

Dennoch ist die jetzige Situation aufgrund der Pandemie auch für die Kirchen etwas bislang einmaliges. In der Vergangenheit gab es zwar immer wieder Orte und Jahre, in denen die Gottesdienste ausfallen mussten. Seien es Zeiten der Pest im Mittelalter oder vor 75 Jahren am Ende des Zweiten Weltkrieges. Dass jedoch deutschlandweit keine oder kaum öffentliche Gottesdienste stattfinden, gilt als neue Erfahrung. „Jedoch gab es zuvor auch keine Zeiten, in denen wir digital so vernetzt waren wie heute. Wenn vor 75 Jahren der Gottesdienst vor Ort ausfiel, dann fand er nicht statt. Wenn er heute ausfällt, dann haben wir andere Möglichkeiten. Dafür bin ich dankbar“, sagt Superintendent Köhler.

Der Kirchenmann spielt damit auf Gottesdienste und Andachten im Internet, beispielsweise auf der Video-Plattform Youtube, an. Dort bietet der Kirchenkreis Niederlausitz einen entsprechenden Kanal an. Dieser ist auch auf der Webseite des Kirchenkreises abrufbar.

Darüber hinaus verweist Thomas Köhler auf die Rundfunk- und Fernsehgottesdienste. Weitere Kirchengemeinden haben Briefe an alle evangelischen Haushalte geschrieben, mit denen sie Gottesdienste verschicken, die in der Familie zu Hause gefeiert werden können.

Manche Gläubige sehen die Coronakrise als Zeit der Prüfung

Der Superintendent verschweigt aber auch nicht, dass manche Menschen, selbst Gläubige, die Coronakrise als Zeit der Prüfung ansehen würden. „Damit kann ich allerdings nur schwer mitgehen. Zugleich ist klar, dass diese Zeit auch uns anfragt, ob die Schwerpunkte in unserem Leben die richtigen sind, ob wir unser Leben in Verantwortung vor Gottes Schöpfung recht leben“, erklärt Thomas Köhler. „Diese Fragen stehen zwar immer, aber jetzt stehen sie uns drängender vor Augen. Gott ist ein Gott, der da ist, der mitgeht – auch durch Zeiten der Pandemie. Diese Grundüberzeugung trägt mich durch mein Leben und auch gerade jetzt.“

Der Superintendent kündigt indes an, dass er selbst Ostern in diesem Jahr zu Hause verbringen wolle. „Ich werde wahrnehmen, welche Gottesdienste und Andachten aus dem Kirchenkreis im Internet zu finden sind und die Gottesdienste im Fernsehen schauen. Dann habe ich zu Gründonnerstag und Ostermontag Notfallseelsorge-Bereitschaft und hoffe, dass nichts Schlimmes passiert.“

Karfreitag und Ostern in Senftenberg


Zu Karfreitag und Ostern wird es wegen der Corona-Pandemie auch in und um Senftenberg keine Gottesdienste in gewohnter Weise geben. „Dennoch feiern wir die Auferstehung“, kündigt der Senftenberger Pfarrer Manfred Schwarz an. In Senftenberg, Brieske und Hörlitz läutet jeweils die kleine Glocke am Karfreitag um 15 Uhr zur Sterbestunde Jesu. Am Ostermorgen läuten alle Glocken um 6.32 Uhr bei Sonnenaufgang als Osterjubel und um 9.20 Uhr als Einladung, in Dank und Freude einzustimmen. In Senftenberg wird Kantorin Schulze die Orgel erklingen lassen. Es wird das Evangelium gelesen und gebetet um Geduld, Kraft und Bewahrung für alle Menschen, insbesondere für die Kranken und ihre Angehörigen, und alle im medizinischen Dienst und anderen Notdiensten Arbeitenden. Darüber hinaus können die Gläubigen zu Hause mit dem Osterruf „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!" das höchste christliche Fest feiern.