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Chemikerin und Naturschützerin

Heike Wagner studiert derzeit Fachliteratur, hier ein Pflanzenbuch, um ihre Artenkenntnisse weiter auszubauen.
Heike Wagner studiert derzeit Fachliteratur, hier ein Pflanzenbuch, um ihre Artenkenntnisse weiter auszubauen. FOTO: T. Richter/trt1
Großräschen. Von Berufswegen ist Heike Wagner Chemikantin. Sie mischte einst das für den Straßenbau unerlässliche Bitumen zusammen. Heute engagiert sich die Großräschenerin gegen eine Zubetonierung der Landschaft. Die 49-Jährige ist frischgebackene Naturschutzreferentin bei den Sedlitzer Bergfreunden. Torsten Richter

Es ist die Liebe zur Natur, die Liebe zum Wandern und die Liebe zur Heimat, die Heike Wagner für ihre neue Tätigkeit auszeichnet. "Ich mag die Lausitzer Landschaft und will mithelfen, diese auch zu erhalten", sagt die sympathische 49-Jährige.

Sie möchte zu gern wissen, was am Wegesrand so alles kreucht und fleucht und welche Pflanzen dort so wachsen. Zwar hapere es derzeit noch ein wenig mit den Artenkenntnissen, doch das werde noch, gibt sich Wagner optimistisch. Schließlich ist die Großräschenerin seit Kurzem nicht nur neues Vorstandsmitglied bei den Sedlitzer Bergfreunden, dem mit rund 300Mitgliedern zweitgrößten Verein in Senftenberg, sondern auch Naturschutzbeauftragte.

"Das macht man nicht mal eben mit links", weiß Heike Wagner. Inzwischen wälze sie zahlreiche Bücher aus ihrer eigenen Bibliothek, recherchiere im Internet und suche den Kontakt zu Menschen aus der grünen Branche. Dass die Bergfreunde Naturschützer seien, stehe für die 49-Jährige außer Frage. "Wir beobachten, interessieren uns für die Tier- und Pflanzenwelt, beeinträchtigen diese aber nicht", erklärt sie. Mal eben eine Getränkedose in den Wald werfen, komme für einen echten Bergfreund nicht infrage. Und dass man sich im Wald leise verhalte, sei selbstverständlich.

Heike Wagner plant nun direkte Naturschutzwanderungen. Die erste dieser Touren könnte ins Naturparadies Grünhaus führen. "Fast jeder aus der Region stand schon mal auf der F60 in Lichterfeld. Aber wer weiß schon, welches weitere Juwel in der weitläufigen Bergbaufolgelandschaft wartet?" Und zwar der Wandel der Landschaft von der eintönigen Bergbaukippe bis hin zu einem außerordentlich struktur- und artenreichen Gebiet, in dem der Mensch zurücktrete.

Die Großräschenerin hat mit Wanderführungen bereits Erfahrung. Schließlich begleitete sie vor zehn Jahren im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land Besucher bei der Eröffnung der IBA-Terrassen. Neben diesen Touren wollen die Bergfreunde auch praktischen Naturschutz praktizieren. Etwa bei der Bepflanzung des Umfeldes um ihre Hütte am Rande der Sächsischen Schweiz. "Dort sollen einheimische Bäume und Sträucher in den Boden. Die helfen mit ihrer Deckung und Nahrung auch der dortigen Tierwelt", kündigt Wagner an.

Die Großräschenerin ist mit ihrem Mann und ihrem Sohn erst seit vier Jahren Mitglied bei den Sedlitzer Bergfreunden. Ursprünglich war die aus der Nähe von Weißenfels (Sachsen-Anhalt) stammende Frau als Chemiefacharbeiterin tätig. "Wir haben Bitumen für den Straßenbau hergestellt. Ein krasser Gegensatz zum Naturschutz." Allerdings sei das Material längst nicht nur für neue Straßen, die die Landschaft versiegeln, zum Einsatz gekommen, sondern vor allem für Reparaturarbeiten.

Neben der Sächsischen Schweiz, dem Riesengebirge und den Alpen schätzen die Wagners längst auch die heimische Lausitz als ideale Wandergegend. Nur fünf Gehminuten von ihrer Wohnung entfernt beginnt der Wald. "Wir gehen meist die Runde bis Chransdorf und zum Altdöberner See. Da kommen locker 20 Kilometer zusammen. Vor einiger Zeit hatte mein Mann im Gebiet sogar Wolfsspuren entdeckt. Es lohnt sich also, die Augen auch vor der eigenen Haustür offenzuhalten. Auch dafür möchte ich die Bergfreunde noch stärker sensibilisieren", resümiert Heike Wagner.