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"Chemienest" im Spiegel-Artikel

Im Spiegel ist ein Artikel über Frauke Petry erschienen. Die AfD-Politikerin ist in Schwarzheide aufgewachsen.
Im Spiegel ist ein Artikel über Frauke Petry erschienen. Die AfD-Politikerin ist in Schwarzheide aufgewachsen. FOTO: Jan Augustin
Schwarzheide. Es sind nur wenige Sätze, die Spiegel-Autor Alexander Osang in seinem Beitrag über Frauke Petrys Heimat Schwarzheide verliert. Doch die haben es in sich. Der Ärger vor Ort ist groß. Jan Augustin

Sieben Seiten lang ist der Artikel über Frauke Petry. Alexander Osang, mehrfach preisgekrönter Spiegel-Autor, rollt darin das bewegende Leben der bald fünffachen Mutter, der AfD-Spitzenpolitikerin, der ehemaligen Pfarrersfrau, Unternehmerin und Chemikerin auf. Er versucht zu analysieren, wie Frauke Petry werden konnte, was sie heute ist. 1975 in Dresden geboren, wächst Frauke Marquart in Schwarzheide auf, "einem Chemienest am Rande der Autobahn", schreibt Alexander Osang. Noch heute könne man sich vorstellen, wie es dort damals aussah. "Es riecht besser, die Straßen sind glatter, aber sonst hat sich nicht viel verändert. Altneubauten, Eigenheime und ein sonderbarer Turm in der Mitte. Eine Schlafstadt der BASF. Menschen sieht man nicht, nur ab und zu ein Auto." Später vergleicht er Schwarzheide mit der Ruhrpott-Stadt Bergkamen, in der Frauke Petry mit der Familie kurz nach der Wende lebt. Schön sind beide Städte nicht, sagt Petry dem Spiegel. Alexander Osang gibt ihr Recht: "Das Bergkamener Rathaus sieht aus, als hätten es die Stadtväter von Schwarzheide gespendet." Noch weiter hinten ein weiterer Satz, der vor Ort für großen Ärger sorgt: "Schwarzheide und Bergkamen sind Städte, aus denen man eigentlich nur fliehen möchte."

Einer, den diese Beschreibung seiner Heimat verletzt, ist RUNDSCHAU-Leser Rainer Adamzig. "Ich empfinde es als Beleidigung. Wie kann man nur so abwertend berichten?", fragt Adamzig. Die Darstellung Schwarzheides sei ein Schlag in das Gesicht all derer, "die mit viel Fleiß und Mühe ständig an der Weiterentwicklung und Verschönerung unserer Stadt arbeiten".

Den Artikel gelesen hat auch Schwarzheides Bürgermeister Christoph Schmidt (parteilos). "Jedoch lag und liegt es mir fern, auf die Darstellung des Verfassers einzugehen. Bei dem Artikel handelt es sich um einen politisch motivierten Beitrag über eine Politikerin, die bis vor etwa 28 Jahren einen Teil ihrer Kindheit in Schwarzheide verbrachte", erklärt Schmidt. Das Stadtoberhaupt reagiert trotzdem - mit einer ungewöhnlichen Aktion. "Gern ergreife ich aber aufgrund der Nachfrage die Initiative und lade die Leser des Spiegel-Beitrages und gern auch den Verfasser ein, sich einen objektiven Eindruck von unserem Wirtschaftsstandort zu verschaffen. Eine gute Gelegenheit wäre das Festwochenende vom 8. bis 10. September, an dem wir gemeinsam unser Volksfest anlässlich des 50. Jahrestages zur Verleihung des Stadtrechtes am Wahrzeichen von Schwarzheide, unserem Wasserturm, begehen", so Schmidt. Dafür habe die Stadt Alexander Osang bereits eine Einladung zukommen lassen. In die Post mit eingesteckt hat Christoph Schmidt auch ein Willkommenspaket mit umfangreichem Informationsmaterial über Schwarzheide. Das Stadtmagazin Heide-Extra ist dabei, eine Stadtbroschüre und ein Wirtschaftsheft.

Ob Osang der Einladung folgt, ist unklar. Auch, ob er in Anbetracht des Ärgers vor Ort im Nachhinein seine Schilderung bedauert, bleibt vorerst unbeantwortet. Auf eine RUNDSCHAU-Anfrage hat er bisher nicht reagiert.